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Donnerstag, 1. Februar 2018

So Gute Dinge

Neben all dem ganzen alltäglichen Durcheinander gibt es durchaus auch so ganz schön gute Dinge. 
Die beiden Kindelein vor allem. Selbstredend ist es durchaus oft laut und so ein klein wenig pubertierend gefärbt, wie soll es anders sein. Aber das ist eben auch son Alltagsding, was überall dazu gehört - und auch dazu gehören muss.
Es ist Zeugniszeit. Das kleine Kind hat sein Zeugnis bereits bekommen, weil der Übergang in die hohe Schule ansteht. Und ich bin mehr als dankbar. Nicht ausschließlich der tollen Noten wegen, sondern vor allem über die Art und Weise, wie sie in die Schule geht. Und zwar schon die gesamten drei Jahre ihrer Grundschulzeit. Sie ist unglaublich selbständig, organisiert und mitten im Thema. DIe Art des jahrgangsgemischten Unterrichts mit viel Freiarbeit hat dies zudem noch gefördert. Ich habe anfangs ein wenig mit geschaut auf die Ordnung im Ranzen, die Erledigung der Hausaufgaben, das Vorankommen in den Wochenplänen. Aber das habe ich schnell aufgegeben - weil es immer passte. Durchgehend. Ich habe ihr nie bei den Hausaufgaben ansich helfen müssen, sie nie erinnern müssen. Auch wenn es dazu Zeit in der Betreuung gibt, sehe ich die Aufgabe schon bei den Eltern, im Ganztag ist das ein zeitlicher Rahmen, aber keine helfende Betreuung in dem Sinne. Es war nehezu immer alles fertig. Und falls nicht, setzte sich das Fröschlein selbständig an den Schreibtisch und arbeitete nach. Bei Fragen kam sie auf uns zu - und das war selten.
Nun muss ich sie an der hohen Schule anmelden und ich bin wehmütig. Wurde das große Mädchen damals gefühlt so schnell - noch - größer. Und das kleine Mädchen ist doch noch so klein... Tatsächlich ist sie das ja auch im Altersvergleich, eben ein Jahr jünger als alle anderen. Und ich weiß, da kommt ganz viel Loslassen auf mich zu - und das ist wahrlich keine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
Das große Kindelein bekommt morgen ihr Zeugnis. Ich werde es allerdings erst am Sonntag sehen, da morgen die Orchesterfahrt des Schulorchsters ansteht, direkt im Anschluss an den Unterricht. Aber auch hier erwarten wir keine sonderlichen Überraschungen. Sie war auch immer schon selbständig und fand zudem im letzten Jahr noch Gefallen daran, aktiv und selbstbestimmt hier und da etwas für den Unterricht zu tun und wurde belohnt - nicht nur was die Noten angeht sondern an vielerlei Stelle vor allem durch Zuspruch in der Schule. Sie kommt auch und bittet um Hilfe, wenn es nötig ist. Häufig ging sie damit zueltzt aber zum Opa - dem Vater von HerrnNebeL - und die beiden verbrachten Nachmittage lernend an deren Esstisch und hatten Freude daran.
Ich muss mich um nichts kümmern und bin auf die beiden Mädchen so unglaublich stolz. Alles was es schulischerseits zu jammern gäbe, wäre auf absolut höchstem Niveau - und mir fällt nicht mal etwas ein, keine Kleinigkeit, die ich  mir im Moment anders wünschen würde.
Das ist eigentlich ein kleines, aber irgendwo in Wahrheit ein riesengroßes Glück. 
   
💗

Dienstag, 2. Januar 2018

Ausweglosigkeiten

Schreiben, eigentlich könnte und wollte ich Vieles schreiben. Andererseits aber würden geschriebene Worte möglicherweise noch mehr an Realität gewinnen, als die Dinge, die passieren es natürlich schon sind. Ich würde möglicherweise noch mehr sehen, als ich eh schon gezwungen bin zu sehen, mich noch mehr auseinandersetzen mit den tagtäglichen unangenehmen Überraschungen und sich stets neu entordnenden Dingen, die von mir ein stetiges, ordnendes Eingreifen verlangen. Vielleicht würde ich mir noch mehr eingestehen, dass ich kaum mehr nach Hause kommen möchte, als es das nagende Gefühl auf dem Heimweg bereits zeigt; vielleicht würde ich noch mehr von der Angst bemerken, als das dumpfe unbestimmte Gefühl, dessen Auslöser und dessen Namen ich doch eigentlich genau kenne. Manches scheint nie mehr ein Ende zu nehmen und vieles wird zweifelsohne schlimmer. 
Ich funktioniere weiterhin an vielerlei Fronten. Und breche an mancher ein. Meine Kinder haben mir noch niemals so oft gesagt, wie sehr sie mich lieben, wie sie das im Augenblick tun. Das ist wunderschön, ja, aber es zeigt mir auch, wie sehr ihre Antennen im steten Wind meines, unseres diffusen Durcheinanders anschlagen. Ich halte mich, muss mich halten in allem und weiß genau, dass die Art und Weise des Halt - Suchens keine gesunde ist. Verliere mich in selbstgeschaffenen, mir Sicherheit gebenden Strukturen, die aber objektiv betrachtet auf Dauer mehr meines Selbst nehmen als hilfreich zu sein. Sie haben gerade einen unmittelbaren Nutzen, sonst gäbe es sie nicht, sonst wären sie nicht aufgetaucht und hätten mir ihre Hand gereicht, die ich dankbar ergriff. Ich weiß, dass sie eine Art Raubbau bedeuten und mich irgendwann umwerfen werden. Dennoch aber weiss ich keine Alternative und habe wenig Kraft, nach einer zu suchen.
Die Tage sind zu kurz für die zu erledigenden Dinge, die Dinge sind zu kompliziert und erfordern zuviele Konsequenzen. Die direkte Umwelt bagatellisiert zu sehr, selbst wenn ich dezidierte situative Einblicke gebe. Die externen Hilfsmöglichkeiten sind begrenzt im Moment, zumindest die, die in die bestehende Situation greifen könnten. Die externen Hilfsmöglichkeiten für mich selber sind noch begrenzter und an mancher Stelle setzen sie mich mehr unter Druck, als das sie nutzen würden oder sie scheinen die mich umgebende Hoffnungslosigkeit oder Auswegslosigkeit der Situation nur zu bestätigen. Oben auf die Situation ansich fallen durch sie selbst hervorgerufene Existenzängste, sich daraus ergebende Handlungsnotwendigkeiten, die ich nicht auch noch auszuführen in der Lage bin. 
Kurzum: wenn ich all dies konkret aufschriebe, fürchtete ich, dass ich mich noch viel mehr mit all dem, was ich nicht zu bewältigen in der Lage zu sein glaube, konfrontiert sähe. So setze ich "einfach" nur innerlich wissend immer einen Fuß vor den anderen, strauchele zuweilen, stehe auf und halte mich an zweifelhaften Dingen um überhaupt einen Halt zu haben, und funktioniere. Zuweilen ist da die ein oder andere Insel, in der es Raum und Zeit und manchmal auch Schönes für mich gibt. Aber momentan überwiegt das offene, bedrohliche Meer.
Manchmal wünsche ich mir die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die ich glaube, dass es sie irgendwann hätte geben können aber kaum je gegeben hat. Manchmal wünsche ich mir, dass da eine Zeit kommt, die keinen Kampf bedeutet. Tatsächlich jedoch scheinen sich offensichtlich nur die Gegner zu wandeln, als das es jemals ein Ende hätte, dieses kämpfen.

Donnerstag, 13. Juli 2017

Von Papieren und vom Handeln

Dinge wie Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachen, Betreuungsverfügungen und dergleichen lassen den Laien recht ratlos auf Papiere und Vordrucke blicken. Und zudem erledigen sie sich niche "eben so". Seit langem wird das Thema hier immer wieder angesprochen. Die Notwendigkeit. Immer wurde ihr zugestimmt. Passiert ist nichts. Es ist schwer, der Endlichkeit ins Auge zu sehen, erst recht, wenn man selber betroffen ist. Umso wichtiger jedoch die Vorsorge, dass im eigenen Sinne gehandelt wird. Auch dann, wenn man selber seine Wünsche nicht mehr zu vertreten in der Lage ist. Dazu aber muss geredet werden. Und der Mensch, der sowieso ungerne über sich redet, der Mensch, der sich in einer schweren Belastungssituation befindet hat damit sicherlich große Mühe. Eben solche Gespräceh dennoch von aussen zu forcieren ist nicht so einfach. Ich zumindest hatte immer das GEfühl, weit in die Persönlichkeitsrechte des Vaters vorzudringen, je näher ich mich an diese Dinge wagte. Ihn zu zwingen zu Dingen, die er lieber weit, weit fortschieben wollte. Das machte es mir nicht einfacher. Manche Wünsche kannte ich. Die meisten Wünsche vermutete ich. Aber dies hätte rechtnlich niemals auch nur den geringsten Bestand, da ich von Rechts wegen von dem Mann, den ich hier Vater nenne, einfach gar nichts bin. Um so wichtiger also waren gültige Papiere....
Heute ließ ich alle Bedenken und Vorbehalte dazu fallen. Er war gut drauf und mitten im Hier und Jetzt und ich besprach, erklärte und kreuzte auf Anweisung hin an. Pragmatisch, ehrlich und offen. Und wir konnten manche wichtigen Papiere ausfüllen. Wir besprachen seine und unsere Bestattungswünsche. Mittendrin half ich beim Aufstehen, beim Umlagern im Bett, beim Toilettengang. Völlig frei und selbstverständlich. Und er liess mich nicht nur gewähren sondern konnte all dies in Ruhe und Dankbarkeit und Selbstverständlichkeit annehmen. 
Die wohl beste Lösung, ihn gut zu versorgen, wäre die Inanspruchnahme von Pflegezeit - unbezahlten Urlaub vom Job, um ihn zu pflegen.  Dies ist aber nur möglich bei Angehörigen - was wir ja eben nciht voneinander sind. So hoffe ich, dass wir in der Lage sein werden, ihm dennoch seine Wünsche weitestgehend eben mit Hilfe der ambulanten palliativen Pflege zu ermöglichen, oder dies eben so lange es geht. 
Ich bin nah dran mit meinem Herzen. Aber ich bin eben auch ein Stück weit professionell. Kenne manchen Kniff und Trick und die richtige Bewegung. Medizinische Begriffe und Behandlungen sind mir nicht fremd. Hier und da mögen auch ein gutes Auge und eine realistische Einschätzung der Situation dazu kommen, wenn auch gewiss nicht immer. Aktiv sein und Dinge in diesem Bereich zu regeln, fällt mir nicht schwer. Ich bin die Handelnde. Aber ich lerne auch, zu deligieren, weil ich gar nicht alles alleine schaffen kann. Und es auch gar nicht will. Tatsächlich verzahnt es sich hier aber genau dadurch, dass ich beginne, die Anderen, die zumeist hilflos sich fragen, was sie tun können, zu versorgen mit Aufgaben. Und viel wichtiger dabei ist, dass es sich ergänzt und dadurch weit umfassender werden kann, als ich allein es leisten könnte. HerrNebeL findet, ich mache das alles verdammt gut, ich aber finde, WIR machen das alles wirklich ziemlich gut. nd ich hoffe, dass wir genau das gemeinsam durchhalten können. Bis zum Schluß.

Montag, 10. Juli 2017

Durcheinander

Der Alltag hier ist derzeit ein Durcheinander des steten Alltages - Arbeiten für HerrnNebeL und mich, Schulalltag und Freizeitaktivitäten der Kinder - beides mit allem Drum und Dran - gekoppelt mit der zunehmenden Hilfe- und Pflegebedürftigkeit meiner Eltern. In den letzten Wochen ging es in jeder freien Minute um die Feststellung des Bedarfes an Hilfe, Beantragung von Pflegegrad, Gespräche mit ambulanter Palliativpflege, Gesprächen mit Ärzten, den Eltern, dem Vater, der Mutter. Und efertig sind wir damit noch nicht... Es ging und geht um Ideenfindung, wie wir was organisieren müssen, wie wir wem von beiden helfen müssen. Wo wir Hilfe brauchen. Und wo wir Hilfen bekommen. Ein bürokratischer Aufwand sondergleichen. Zudem ist das Führen von Gesprächen mit Ärzten oder anderen Personen recht schwierig, wenn man selber im  Beruf steht und noch nach den Kindern schauen muss. Abends ist selten noch ein Verantwortlicher zugegen - selbstredend nicht. Irgendwann letzte Woche schrieb ich einfach einen Zettel mit der Anregung verschiedenster durchaus gravierende Dinge - die mein Vater nicht mehr besprechen konnte und meine Mutter leider weder verstand und zudem vergaß. Es ging um Schluckstörungen, um Morphine und parenterale Ernährung. Ich legte diesen also ins Krankenzimmer, erklärte mich dem Vater nochmals, dessen Wünsche dahingehend mir bekannt sind und nahm ihm das Versprechen ab, den Zettel einem verantwortlichen Arzt in die Hände zu drücken. Was er auch tat. Glücklicherweise kam kaum später meine Schwester dorthin und konnte nochmals das Ganze auch persönlich erklären. Und siehe da, endlich wurden Morphine angesetzt und bei Notwendigkeit der Wunsch der unterstützenden Ernährung aufgegriffen. Eine durchaus unkonventionelle Art der Arzt-Angehörigen Kommunikation, aber nun, einfach ist es eben einfach nicht. Und mir, uns war es wichtig, endlich eine weitestgehende Schmerzfreiheit zu erreichen. Kein totkranker Mensch sollte auch noch Schmerzen haben müssen, wenn dies eben abgewendet werden kann... Neben all der ganzen Organisation noch Tochter sein, begleiten, allen gerecht werden. Und neben der Krebsgeschichte noch die Demenz der Mutter tragen, Diagnostik anleiern - was das eine ist und auf den Weg gebracht - auch das Tragen des Alltags mit einem Menschen, der viele klare Momente hat, aber leider zunehmende Lückenmomente. Momente, die das tägliche Kontrollieren notwendig machen an vielen Stellen. Die Umrüstungen im Haus notwendig machen, um vorzusorgen. Vor allem aber - das Aushalten. 
Es ist schwer, auszuhalten, wie der Vater abbaut. Zu sehen, wie er Schmerzen hat, wie er sich verschluckt, wie er nichts mehr isst. Wie er kaum trinkt und eintrübt. Wie er völlig schläfrig weit, weit fort ist bei einem neuerlichen Infekt bei Leukopenie. Wie er immer mehr abwesende Momente hat. Wie er sich selber wundert, dass ihm einzelne Tage - Tage an denen es ihm schlecht geht - einfach verliert, obwohl er eigentlich kognitiv noch recht gut dabei ist. Langsam, aber dabei. Wie er nicht mehr gehen kann. Oder schreiben. Wie sehr es ihm weh tut, das nicht mehr zu schaffen. Wie er Hilfe braucht beim Aufstehen und Umsetzen. Auch, wie er überrascht ist, dass ich genau das kann - mein Arbeits-Ich ist der Familie ja fremd.
Schwer ist das, und weh tut es auch.
Aber viel schwerer auszuhalten sind die Gedankensprünge der Mutter. Das so sehr verlustig gegangene Kurzzeitgedächtnis. Das tagtägliche, stündliche, ja ewige Suchen von Irgendetwas.  Die kaputten Schallplattengespräche. Das Miterleben, wie sehr gewohnte, jahrelang gewohnte Tätigkeiten sich durchmischen, strukturlos werden und ihre Form verlieren. Das Umschlagen der Stimmung. Das Nicht-mehr Verstehen von Zusammenhängen und das gleichzeitige Durcheinanderbringen dessen, was sie verstanden hat. Fehlende zeitliche Orientierung. Störungen im Sprachverständnis. 
Das alles macht mir noch viel, viel mehr Mühe. 
Ich bin zudem aufgrund der räumlichen Nähe immer mittendrin. Da sind kaum noch Pausen für mich selber, keine Ruhe, keinerlei Abstand. Es zehrt, wenn auch das "da -sein" für beide selbstverständlich ist. Es ist schwer, geduldig zu bleiben, wenn auch bestimmt, aber eben geduldig mit ihr. Vor allem: es gibt keine Rast, nichts zum Auftanken. Alles, was es gibt, ist das Wissen, dass erstmal alles nur noch schlimmer werden wird, bevor das Ende kommt.

Samstag, 27. Mai 2017

Band

Da schnürt sich ein Band um mein Herz, mal locker und unbemerkt, zumeist aber gespannt und umfassend. Es drückt mich im Innen zusammen, sodass die Brust mir eng wird, die Luft keinen Raum mehr zu finden scheint. Egal wie sehr ich auch atme, wie tief ein, wie tief aus, das Gefühl bleibt. Das Gefühl, keine Luft zu bekommen, nie genug; das Gefühl, unter einem Kissen erdrückt zu liegen; das Gefühl, es gibt keinen Platz für das, was mich doch eigentlich am Leben hält. Es schmerzt fast dauerhaft, wie ein großer, zäher, innerer, verklebter Klumpen. Es ist andererseits aber bereits so vertraut, dass ich es manchmal erst spüre, wenn ich höre, wie sehr ich nach Luft gierend atme, als sei ich gerade kilometerweit untrainiert gelaufen. 
Ich weiß, es ist viel. Zu viel vielleicht. Und ich weiß, es ist kein Ende in Sicht. In Wahrheit ist wohl dies hier erst der Beginn. 


Mittwoch, 5. April 2017

Vom Vergessen

Es kam schleichend, das Vergessen. Gespräche wurden mehrmals geführt. Gehörtes vergessen. Aber nun, sie wird älter, dachte ich. Die Brille war hier und da. Aber - war meine das nicht auch allzu oft schon? Fragte ich doch so häufig früher (bevor ich die geliebte, obergemütliche superverglaste Brille hatte) HerrnNebeL, wo denn meine Brille sei. Ganz normal vielleicht?!
Dann kamen die Zettel. Mal hier und mal da. Der Kalender nahm an Wichtigkeit zu. Die Zettel auch. Manchmal auch mehrere Zettel zu ein und demselben Thema. Und - wundersamerweise verschwanden auch die Zettel. Und weiterhin die Brillen. Gezogene Parkscheine verschwanden auch - und sie musste mehr als mehrmals den Tagessatz an Parkgebühr zahlen. Aber ich doch auch schon mal. Das kann ja mal passieren. Oder? 
Irgendwann war das Schönreden nicht mehr möglich. Und ganz eigentlich wussten wir schon lange, dass es ein Schönreden war. Heute vergisst sie, das Licht zu löschen. Überall. Vergisst, die Garage zu schließen. Vergißt Termine, trotz Kalender. Trotz Zetteln. Nicht immer. Aber immer wieder. Gespräche werden zur kaputten Schallplatte. Mal mehr, mal weniger. Wenn sie ein Kindelein einsammeln soll, kann ich mich nicht mehr darauf verlassen. Ich rufe sie vorher an, bitte sie, noch dies und das mitzunehmen, wenn sie das Kind irgendwo abholt, kurz bevor sie fahren muss. 
Geschenke, die sie verstaut, bevor der Anlass des Schenkens da ist, sind oftmals verschollen. 
Die Zusammenstellung der Wäsche hat sich verändert. Kaum mehr Ordnung, ein ziemliches Durcheinander. Sie wäscht seit jeher viel, auch für uns. Jeder Widerstand war zwecklos. Heute aber verursacht das phasenweise mehr Chaos als alles andere. Manchmal wäscht sie ohne Waschmittel. Manchmal vergisst sie, die Wäsche einzuschalten. Und faltet später die "frische", jedoch die de facto ungewaschene Wäsche wieder zusammen. Manchmal ist aber auch alles gut. 
Ein großer Teil ihrer Tage besteht manchmal aus Suchen. Und wenn ein Ding aufgetaucht ist, so sucht sie das nächste.
Manchmal weiss sie selber, dass sie vergisst. Aber auch sie redet es sich schön. Bagatellisiert. Verdenken kann ich es ihr nicht. In solchen Momenten bin ich ehrlich, aber nicht schonungslos. In den meisten anderen Momenten ist alles, wie es ist. Ich konfrontiere nicht. Ich diskutiere nicht, ich gehe mit ihr, trage ein Stück Alltag in unserem Zusammenleben. Lösche die Lichter, kontrolliere manche Stelle, wasche und falte erneut, nehme Geschenke an mich und verstaue für sie. 
Noch ist sie nicht allein, noch hat ihr Alltag Struktur, noch ist ihr Mann nahezu immer da. Aber das wird sich ändern. Vielleicht ganz bald, vielleicht ein wenig später. Ich fürchte mich sowieso vor dieser Zeit. 
Aber die Zeit danach fürchte ich wohl erst recht - in der Annahme, dass das Vergessen dann noch mehr Vergessen sein wird, als es heute bereits ist.

Samstag, 23. Februar 2013

Tränenschwer

Es war ein tränenschwerer Tag heute. Sie brennen noch immer hinter meinen Augen und warten auf ihre Zeit. Eine letzte, allerletzte Begleitung eines geliebten Menschen. Bedeutungsschwere Erinnerungen, liebevoll, vertraut und wohlwollend. Wenn auch vieles davon bereits weit entfernt. Gedanken an wundervolle Worte, erst vor ein paar Tagen, als wir uns zuletzt sahen. Sie so unglaublich glücklich und frei, einen selbstbestimmten Tag geniessend im Kreise von Menschen, die sie von Herzen willkommen hießen. Ein Abschluß im Hier. Ihr Kreis hat sich geschlossen. Eine so wunderbare Frau.
Sollte ich jemals noch eine Tochter gebären, werde ich wissen, wie sie heißt. Genauso wie sie. 

Sonntag, 25. Dezember 2011

Von Ritualen

HerrNebeL brachte es mit in unsere Ehe, was seit nunmehr 7 Jahren mit dazugehört: das Weihnachtsoratorium von JSBach. Jeden ersten Weihnachtstag erklingt es irgendwo dort, wo wir sind. Ohne fehlt ein klitzekleines Stück.
Wie das bei wohl jedem Ritual ist. Sie hangeln sich durch unser Leben, geben Struktur, Sicherheit, einen Hafen, an dem man anlaufen kann und Halt findet, egal wie sehr es da draussen auch stürmen mag. Und wenn ich genau hinsehe, sind da derer viele; viele die gar nicht auffallen, viele die einfach da sind, wiederkehrend Tag um Tag, Woche um Woche, Monat um Monat, Fest um Fest. Wenn sie denn aber nicht wären, so würde ich sie wohl zumeist schmerzlich vermissen und noch mehr Halt suchen als es ohnehin der Fall ist.

Freitag, 28. Oktober 2011

Schulstart - die ersten Ferien

Das grosse Kindelein hat Herbstferien. In der letzten Woche war sie in der offenen Ganztagesbetreuung, die in den Herbst und Osterferein einiges an Ausflügen machen. Meine Planung, zumindest den Morgen jedoch etwas entschleunigter angehen zu lassen - wenn ich daheim arbeite, ist es ja eh meinem Zeitmanagement überlassen, wann ich beginne - wurde zugunsten eines Radioprojektes über den Haufen geworfen. 7 Kinder - Dritt und Viertklässler - der Schule trafen auf  7 weitere Dritt- und Viertklässler einer anderen Grundschule und führten diese Woche lang ein Radioprojekt durch, in dessen Rahmen sie lernten, wie man ein Interview führt, mit den Radiogeräten umgeht, wie gesammeltes Material geschnitten wird und eine Sendung entsteht. Es war relativ kurzfristig ein Platz frei geworden und das grosse Kind durfte mit gehen, weil sie die Voraussetzungen - Lesen und Schreiben können - mitbringt. Ein weiteres Kind aus Ihrer Klasse ging ebenfalls mit, was das Ganze noch ein bisschen erleichterte.
So brachte ich sie die gesamte Woche bereits um 07.40 Uhr zur Schule... aber die nächste Woche steht unter dem Zeichen : ausschlafen. Zumindest das kleine Mädchen und ich. Das grosse Mädchen steht eh meistens mit den Hühnern auf - egal ob da Ferien sind oder nicht.
Die ersten Schulwochen waren wenig spektakulär, sie geht gern zur Schule, auch wenn sie noch immer ein wenig mit "sich zurechtfinden" beschäftigt ist. Der Sprung in so eine Klasse ist sicher nochmal ein ganz andeer als der in eine Regelklasse. Verschiedene Jahrgänge haben verschiedene Aufgaben zu erledigen, verschiedene Lernmaterialien, verschiedene Stundenpläne. Alle Kinder haben auch Jahgangsunterricht, sodass die Gruppe  in der Klasse ansich variiert - mal nur 1/2 Klasse, meist aber alle und dann Raumwechsel zum eigenen Jahrgangsunterricht - Sport, Religion, Sachunterricht, zusätzlich 2 Std Mathe die ab Januar von Englisch abgelöst werden, Musik und eine Stunde Deutsch. Den Grossteil des Deutsch und Mathe Pensums erledigen die Kinder in 3 Stunden Freiarbeit täglich weitestgehend selbständig. Das sind eine Menge Eindrücke, die verarbeitet werden wollen und ziemlich viel Raum, in den die Kinder hineinwachsen müssen. Ich denke, das gelingt unserem Mädchen bis jetzt recht gut; ich bin dennoch gespannt, was ich auf dem Elternsprechtag hören werde. Ich vermute, dass sie oft noch nicht so recht weiss, was sie wann tun soll, aber im Zweifelsfall wird sie lesen. Oder sich umgucken :).
Ihr erklärtes Schulziel - das Lernen von Schreibschrift - hat sie noch nicht erreicht, sodass sie immer noch darauf hin fiebert. Ihre Lesekompetenz erstaunt laut ihrer Lehrerin nicht nur sie, sondern auch andere Kollegen; wobei auch darauf geachtet wird, dass die Aufgaben ums Lesen herum sorgfältig erledigt werden. Das Kindelein nämlich will lieber lesen, wenn es liest und dem Erledigen von Aufgaben dabei ("Male in die linke Ecke ein Männchen, die Wiese auf der es steht grün. Am Himmel sind Wolken und rechts steht ein roter Tisch, unter dem 3 Mäuse sitzen....) scheint sie dann nicht sonderlich gern viel Zeit zu widmen. Neulich wollte sie unter eine Aufgabe, bei der sie etwas ausmalen sollte,  sogar "das möchte ich jetzt nicht machen" drunter schreiben, was ich noch zu verhindern wusste ... .
Insgesamt macht Schule ihr Freude und ich habe auch den Eindruck, dass die Form der Freiarbeit für sie passt. An Hausaufgaben gibt es bisher keine konkreten Auftäge - die Kinder sollen in ihren Lernheften weiter frei arbeiten.- je 15 Minuten Deutsch und Mathe müssen gemacht werden. Das Ende darf prinzipiell offen sein - solange das Kind möchte, darf es weiterarbeiten. Sie macht ihr Zeitpensum in der Betreuung an Hausaufgaben; am Abend möchte sie von sich aus dennoch oft noch  mehr machen.  Wir hindern sie nicht ;).
Ich hoffe einfach, das es weiterhin so bleibt und sie mit Spass und Freude in die Schule geht.
Rückblickend war die Umstellung deutlich weniger spektakulär als gedacht; der positive Nebeneffekt ist, dass das Kind am Abend deutlich eher schläft als in den letzten Monaten, als sie häufig noch bis halb elf  wach und schlaflos war. Sie blieb dennoch im Bett, durfte dann aber lesen. Unter der Woche gibts das nun nicht mehr, aber meistens schläft sie inzwischen vor 21 Uhr. Beides hätte ich auch niemals gedacht, da es hier immer ein recht striktes Tagesende - etwa um 19 Uhr herum - gab. Bis das Kind eben wachte und wachte und nicht müde zu kriegen war. von einem Tag auf den anderen. Und dennoch am Morgen vor allen anderen aufstand.
Meine Befüchtung, ICH könnte dem früheren Tagesbeginn nicht gewachsen sein, hat sich nicht wirklich bestätigt, selbst wenn ich weiterhin die letzte bin, die aus dem Bett taumelt. Ich jedoch schlafe nicht früher, was mir unterm Strich wohl die sechste bis siebte Stunde Schlaf der Nacht raubt. So sind es im Schnitt 6 Stunden Schlaf - eigentlich selten mehr, eher weniger.
Aber nächste Woche sollen es bittesehr mindestens "Acht - Uhr - Tage" werden - so nennen wir die Wochenendstage, da die Kinder sich vor 8 eben nicht melden (sollen :)). Die Grosse steht halt leise auf und die Kleine schläft, wenn man sie lässt, sowieso. Gegen "Zehn-Uhr-Tage" hätte ich aber auch gar nichts...

Montag, 19. April 2010

Hier so

Hier ists stille. Aber nur scheinbar. Hier wird gelebt. Alltag mit kleineren Hindernissen. Vielen kleinen und etwas grössern konkreten und abstrakten Denkbaustellen, viel Zeit in Anspruch nehmenden Alltäglichkeiten, drölfzig angedachte, begonnene und noch wartende Näharbeiten.
Mittendrin ein Babylein, dessen Aktionsradius sich schlagartig erweitert; was des Nächtens weiterhin, immernoch oder wiedermal gerne 1 - 1 1/2 stündlich erwacht und gestillt sein will. Letzteres ist mir prinzipiell recht - wenns denn nicht mit so arg gestörtem Schlaf einhergehen würde...
Ein grosses Kind, dessen Schulanmeldung mir jetzt schon Kopfzerbrechen bereitet - was um alles in der Welt sollen wir mit einem 2011 einzuschulenden Kindelein machen, was jetzt schon Dinge liest wie: "Die Welt ist bunt wie Gottes Regenbogen" - aktuell gestern auf einer Erstkommunionskarte fürs Nachbarkind. Vorzeitiges Einschulen ist kein Thema; nur die Wahl der Schule scheint mir momentan schwer. Und die steht im Sommer an. Und die Frage, was tun, wenn wir dann nicht an der Schule der Wahl genommen würden... Und dies. Und das.
All sowas halt. Nichts gar tragisches. Aber irgendwie ... füllend.

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Vorsätze

Vorsätze habe ich nicht viele, zumal es eh immer ein schwieriges Unterfangen ist, sich zum Jahreswechsel dies, das und jenes vorzunehmen um dann letzlich doch an all den gutgemeinten Gedanken zu scheitern.
Aber eines nehme ich mir genau jetzt vor, weil es einfach passt, Jahreswechsel hin oder her.

Ich möchte mich von nun an mehr auf mich selber und meine Gefühle verlassen, meine Intuitionen und mein Bauchgefühl. Und egoistisch sein und Dinge tun, die für mich, unsere Kinder und uns als Familie gut sind.

Und mir Urlaub nehmen.

Dienstag, 22. Dezember 2009

Angekommen

Gestern sind wir nach recht entspannter Fahrt - winkend in und um HH herum nach hier und da und einer lieben Freundin zu - im Ferienhaus an der dänischen Nordseeküste angekommen. Und tatsächlich mussten wir für die allerletzten 50 m noch Schneeketten (!) aufziehen. Ansonsten hätten wir nämlich all den Kram aus dem Auto und der Dachbox durch dichtes Schneegestöber ins Haus schleppen müssen.
Im Haus wars schon warm und behaglich und ein warmes leckeres Abendessen stand quasi schon auf dem Tisch, weil der Rest der Familie bereits Samstag und Sonntag angereist war.
Dank mit gereistem W-LAN Router (liebsten Dank an meinen GruselWichtel, der lieben KollegInnnen, der mir Samstag Abend eben diesen zukommen liess ;-)) sind wir nun auch überall im Hause im www unterwegs.
Und gleich, gleich dann heisst es ab an den Strand bei rund 20 cm Neuschnee (und es schneit noch immer!), ein paar Dinge eingekauft und nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken geht es dann noch auf, einen Tannenbaum zu besorgen...

Sonntag, 8. November 2009

Vier

Vier Monate ist unser Fröschlein heute.
Und einfach wunderwunderwunderbar.

Samstag, 17. Oktober 2009

Herbstlichwarm

Nachdem heute morgen der Ingenieur im Haus ein wenig Hand anglegen musste, um den Transport meiner Nähmaschine wieder zu richten, konnte ich endlich dem grossen NichtenKind die bestellte KleinPellworm nach farbenmix in dunkelblau nähen. Und ich muss ehrlich zugeben, dass mich die Gestaltung des Kragens ein klein wenig Zeit kostete. Beim ersten Modell fürs Kindelein hier - sie nennt es liebevoll "Daumenloch Jacke" in fröhlichem Schwarz (auf eigenen Wunsch, ich war das nicht!), hab ich nämlich sowas von gepfuscht, weil mir die Kragen geschichte einfach viel zu kompliziert war. Heut wollte ich mich aber da durchbeissen - weil die gepfuschte Lösung nicht wirklich schön aussieht. Es hat gedauert. Länger sogar. Aber als ichs dann hatte, war es eigentlich völlig klar und logisch. Ich hab nur das Vorgehen rein schriftlich nicht verstanden und in der Detailanleitung auf der homepage fand sich nur die Kapuzenversion, die mir auch nicht weiterhalf.
Aber tatatataaaaa, hier ist sie:

Und das Kindelein hier beschwerte sich bitterlich, was denn bittesehr mit ihr wäre, sie würde ja niiee etwas bekommen und eine lila Daumenlochjacke hätte sie ja auch noch nicht, dabei wolle sie eine solche aber doch so gern.... Und das kommt aus ihrem Mund, während sie die hier trägt. Und gestern ein sehr grandioses Mützchen für ihren Dickkopf, dicken Kopf , grossen Kopf bekommen hat....

Dienstag, 8. September 2009

Morgen

Morgen um viertel vor acht guckt sich ein Tischler Fenster an. Unsere Fenster. Im Schlafzimmer. Also steht morgen um 07.45 h ein Tischler quasi neben meinem Bett.
Nu gucken Sie nicht so. ICH hab das nicht so vereinbart. Das war die Hausbesitzerin. Komischerweise hat sie nicht bedacht, dass ich vermutlich um 07.45 noch schwer damit beschäftigt sein werde, 3 weibliche Wohnungsbewohner mit Waschlappen zu bearbeiten und noch anzuziehen. Das müssen Hausbesitzer so ja auch gar nicht wissen, oder? Oder, dass der Alltag manchmal mit minifurzkleinem neuen Säugling nicht immer so berechenbar ist. Und schon gar nicht zu Tageszeiten, wo vorne noch eine sieben steht. Müssen Hausbesitzer nicht.
Ach, sagen Sie, erwähnte ich je, dass die Besitzerin dieses Hauses direkt unter uns wohnt? Und dass sie in engem, ganz engem Verwandtschaftsverhältnis zu uns steht? Nein? Ach, ich dachte.
(Meine Mutter bot an, morgen früh dann auch in meinem Schlafzimmer zu stehen. Sehr nett, aber ich weiss jetzt nicht, wie mir das helfen soll, alle grossen und kleinen Kinder - inklusive dem Kind meiner Mutter - bis dahin parat zu haben... :-) )

Montag, 24. August 2009

Wunderbar?!

Es ist so wunderbar, das kleine Mädchen neben mir atmen zu hören, wunderbar, mit dem großen Mädchen vor dem Schlafen gehen in ihrem Bett zu liegen, zu kuscheln und Lieder zu singen. Es ist wunderbar, zwei gesunde Kinder zu haben, sie zu begleiten, sie aufwachsen zu sehen, sie zu lieben.
Es ist aber auch sonderbar, mehr und mehr zu sehen, dass sich manches wohl wiederholen wird. Immer wieder gibt es Situationen, die bekannt sind. Bekannt, aber vom anderen Standpunkt. Und das, was sich wiederholt, ist das, was wir von unseren Eltern kennen - doch heute tun wir es selbst. Und das was sich wiederholt ist das, was unsere Kinder heute tun und wir als Kinder selber taten. Plötzlich sind da zwei Standpunkte, die mehr als bekannt sind. Und Verständnis und eine Form des Wohlwollens zu den eigenen Eltern tut sich auf. Aber auch ein Fünkchen Angst. Die Fragen, ob wir mit manchem Verhalten unserer Kinder so werden umgehen können, dass es sie nicht auf Dauer schmerzt. So viel Verantwortung liegt in unseren Händen, unserem Kopf, unseren Herzchen. So viel kann das, was wir tun, sagen, wie wir uns geben anrichten an und in unseren Kindern. Das ist ein Teil, der wenig wunderbar ist, weil sich mir der Gedanke aufdrängt, wieviel Macht wir als Große haben, das Leben der Kinder zu beeinflussen. Macht, die wir in der Regel so gar nicht haben wollen. Aber all das was wir und wie wir was tun hat nun mal mächtigen Einfluß. Manchmal macht mir das große Angst und ich hoffe, dass wir es schaffen werden, dieser Verantwortung für das Wunderbarste auf der Welt gerecht zu werden. Unseren Kindern.

Samstag, 15. August 2009

Waldkletterpark

Heute sind wir zum Klettern in den Wald gegangen. Der Waldkletterpark des Nachbarortes ist recht neu und hat neben dem Parcours für Erwachsenen auch einen für Kinder von 4-9 Jahren. Die kleineren Kinder müssen noch von einem Erwachsenen begleitet werden. Kein Problem. Dachte ich mir...

Als erstes "Anziehen":

Man ist durchgehend gesichert und die Kinder müssen sich nicht ums Karabiner - Haken umherstecken kümmern. Zu Beginn waren es nur ein paar Meter Höhe, aber später würden es immer mehr und mehr....

Ganz schön grün und ganz schön hoch...

Die Höhe, in der man klettert, geht bis zu 13 m hinauf. Prinzipiell gehen die Kinder, wie oben schön zu sehen ist, allein von Plattform zu Plattform (ich steh gerade hinter dem Baumstamm links) und warten dann dort auf ihre Begleitung. Und wenn ich diesem Kindelein nicht stetig gut zugesprochen hätte - ich hätte gerettet werden müssen. Ehrlich. Wohingegen sie an mancher Stelle gar noch ein wenig herumhampelte und die Geschehnisse um sie herum betrachtete oder dem Papi zurief....

Irgendwie wirklich sehr hoch....

An 2 Stellen hatte sie zuerst etwas Angst, aber nach gutem Zuspuch der Betreuerin des Kinderparcours hat sie weiter gemacht (und an der ersten Stelle hatte ich mich gar wirklich gefreut, da wir genau dort auch einfach hätten verkürzen und den Parcours über die "Seilbahn" hätten verlassen können. Mist verflixter, da traut sich das Kind doch tatsächlich noch weiter....). Die beiden letzten Stationen hat ihr die Betreuerin dann geholfen und die auf dem Seil an die Hand genommen. Ich hingegen musste allein weiter....

Endspurt!!!!
Fazit:
Ich bin unglaublich stolz aufs Kindelein. Wie sie sich traute und dennoch vorsichtig und konzentriert rund 1 1/2 Stunden dort oben in schwindelnden Höhen herumgeklettert ist, wie sie ihre Angst an manchen Stellen überwunden hat. Und ich habe ihr klipp und klar gesagt: ohne sie hätt ich mich das da oben nicht getraut.
Wer keine Höhenangst hat sollte sowas unbedingt mal tun. Für 4 Jährige finde ich persönlich es allerdings ganz schön heftig. Wobei Ida deutlich weniger Probleme hatte als ich. Kleinere Kinder könnten aber Schwierigkeiten mit den Schrittlängen und den Abständen zum Festhalten bekommen - Ida ist ja ein eher großes Kind.
Es war wunderschön überhaupt dort im Wald, nicht so heiss wie in der prallen Sonne, schöne Farben und lauer Wind.
Der Erwachsenen Parcours erstreckt sich über mehrere Stationen, den würde ich aber ehrlich gesagt nicht klettern wollen. Höchstens unter der Woche mal mit ganz, ganz viel Zeit und liebevoller Begleitung durchs Personal. Weil der nochmal schwieriger und noch etwas höher ist. Aber mal so ganz unter uns: eigentlich bin ich ja auch ein ziemlicher Angsthase ;-)

Mittwoch, 29. Juli 2009

Plus acht und neun

Plus acht
Der Tag plus acht war der, an dem die Hebamme und ich uns sozusagen zum Cocktailtrinken verabredet hatten. Es war vereinbart, dass ich um 17 Uhr dies hier nett vermixt zu mir nehmen sollte.
Was ich zu dem Zeitpunkt, als ich das Ganze dann zusammenmischte und zu trinken begann, nicht wusste (weil ich den Anrufbeantworter nicht abgehört hatte) , war, dass es einen "Stau" im hiesigen Geburtshaus gab. Am späten Nachmittag war gerade eine Frau dort um entbunden zu werden und eine weitere war quasi schon auf dem Weg dorthin... Eigentlich hätte ich mit dem Trinken noch warten sollen - oder zuhause entbinden ;-).
Nun denn, als ich gerade Glas eins intus hatte und bemerkte, dass sich das Öl schon ganz schön ekelig überall in Mund, Speiseröhre und Magen verteilt, trank ich das Glas wieder rückwärts. Gleichzeitig rief die Hebamme an, gab "Stau-Entwarnung" und dann dazu den Tipp, einen Ouzo nebenher zu trinken. Gabs nicht, aber Ramazotti tats auch und das ölig schleimige Gefühl wurde aushaltbar und der Cocktail blieb drin.

Und dann passierte - nix.
So nahezu garnix.
Ich hörte eine neue CD via Kopfhörer, machte Yoga und der Gatte telefonierte lange mit der lieben Freundin.
Um 23 Uhr - rund 5 Stunden nach dem ersten Cocktailschluck gingen wir leicht entnervt und enttäuscht zu Bett.

Plus neun
00:20 Uhr - das Rizinusöl tat seine Wirkung. Mir grummelte der Bauch, ich musste zur Toilette und fand den Aufwand für nix wenig spaßig. Als der Bauch leer war grummelte nichts mehr - aber der Schmerz ging irgendwie nicht weg... Einen kleinen Moment brauchte ich, um zu begreifen, dass es eine Wehe war. Eine richtig echte Wehe. Und kaum später die nächste. Ich hockte mich hin, kniete mich wie ein Fröschlein zu Boden und suchte Stellen zum Festhalten, hineinfallen lassen in die Hocke.
01:00 Uhr - ich weckte den Gatten. Schnell in einer Wehenpause. Veratmen ging schon nicht mehr, ich musste tönen. Aber es fühlte sich gut an. Alles. Der Gatte wollte nach der ersten Wehe die Hebamme anrufen, ich jedoch zögerte und meinte, das müsse noch ewig dauern, bis das was wird. Zwei Wehen später rief er an, nachdem ich mich tönend an den hinteren Teil des Toilettendeckels geklammert in die Hocke fallen ließ.
Wir verabredeten uns für rund 2:00 h ins Geburtshaus, wobei ich sicher war, es dauert noch, so schnell muss ich noch nicht dorthin... Am Ende jedoch waren wir vor der Hebamme da.
Ich weckte - wieder schnell in der Wehenpause - meine Mutter, die unter uns wohnt, dass sie auf das grosse Kindelein schaut und wir machten uns parat. Die liebe Freundin wurde informiert - sie wollte uns durch die Geburt begleiten und das Fröschlein mit in Empfang nehmen.
Der Weg durchs Treppenhaus forderte drei Pausen fürs Wehenverhocken und - tönen (dabei hats insgesamt nur 29 Stufen...), der Weg zum Geburtshaus gelang flott und reibungslos. Nur die letzten Wehen wollte ich ungern auf dem Parkplatz vertönen, also hielten wir kurz vorher an einer einsamen Bushaltestelle. Kaum darauf fuhr die Hebamme vorbei und fragte, ob wir das Kind nun hier im Auto bekämen - aber wir fuhren dann doch schnell die letzten Meter.
Wir kamen an in einem Raum, in dem schon unsere erste Tochter zur Welt kam, genau wie meine Nichten und meine Herzensjungs. In einem Raum, in dem ich einige Wochen zuvor im Geburtsvorbereitungskurs große Lust bekommen hatte auf das Gebären unseres Kindes, unserer Lydia. Es war erst dunkel, dann zündete die Hebamme viele Kerzen an, machte schönes Licht. Um mich herum mein lieber Mann und meine Freundin, die mir Halt gaben in den Wehen, weil ich mich gegen sie lehnen konnte, weil er meinen Kopf hielt, weil sie mich von vorne stützte. Weil sie da waren.
Ich wechselte zweimal die Positionen und sass am Ende in meines Mannes Schoß im Bett, mir gegenüber auch auf dem Bett - ein 140 cm breites FutonBett - meine Freundin und die Hebamme. Ich spürte mich. Meinen Körper. Wusste ohne Worte, was gut ist, was richtig ist. Wie es geht, wo es hingeht. Wir waren ein Team, mein Körper und mein Gefühl. Beide verließen sich aufeinander und obendrein auf die drei Menschen um mich herum. Dass sie mich halten und bleiben würden, dass sie tun würden, was zu tun ist. Am meisten aber tat ich. Und irgendwo tief drinnen war ich mir dieser gewaltigen Kraft bewußt. Kein Momentchen des Zweifelns, kein Moment der Angst. Kein Moment des nicht mehr Aushalten könnens. Es gab keine Grenze in dieser Nacht im Geburtshaus. Keine einzige Grenze die ich überschreiten musste, wie ich es zur Geburt des ersten Kindeleins getan hatte. Es gab nur ein tiefes Vertrauen zu mir selbst , eine ungeheuerliche Stärke und ein Bewusstsein für beides.
Die Hebamme sagte wenig. Gab kaum Anleitungen was ich tun sollte. Weil es einfach aus mir heraus passierte. Zweimal überraschte sie mich, weil sie mir mit dem Anruf bei der zweiten Hebamme und dem Einschalten des Heizstrahlers deutlich machte, dass schon bald die Zeit gekommen ist. Die Zeit, von der an wir zu viert sein würden. Nur noch wenige Momente trennten uns von unserem Fröschlein. Niemals hätte ich das für möglich gehalten - ich war doch gerade erst angekommen. Sollte das Kind schon so bald in den Kerzenschein hinein geboren werden? Wieviel Zeit genau vergangen war wusste ich nicht. Aber dass es nicht mal annähernd ein viertel der Zeit der ersten Geburt gewesen sein konnte war mir dennoch recht bewusst. Letzlich war es ein sechstel... Beim ersten Kindelein hatte ich 16 Stunden länger in den Wehen gelegen. Hier jedoch lag ich nicht in den Wehen - ich lebte sie. Völlig anders als es damals gewesen war.
Irgendwann tastete ich das Köpfchen und schob es nachfolgend ganz heraus. Ich sah ihren Kopf und streichelte ihn und weinte Freudentränen bevor ich das Mädchen in den nächsten Wehe ganz zu uns, ganz in diese Welt brachte.
Die Hebamme nahm sie zuerst, doch sie, sie gab sie mir auf den Bauch. Sie gab mir das Mädchen zurück unter mein Herz.
Es war 03:14 Uhr als ich wieder Mutter, wir wieder Eltern wurden.
Wunderschön.

Montag, 27. Juli 2009

Reserviert

EDIT:
Vertan haben sie sich. Und das Haus ist nur 2 Wochen frei. Aber 2 Wochen bei rund 12 Stunden Anreisezeit ist nicht so unser Ding. Und 2 Wochen sind überhaupt zuwenig. Und überhaupt... :-(.
Und sooo viele andere Häuser kommen nicht in Frage - doof das.

Soeben habe ich ein Ferienhaus reserviert. Für August. 2010. ...
Der diesjährige, bereits im Sommer 2008 gebuchte Urlaub wäre in einigen Tagen gewesen - aber mit einem wenige Wochen alten Säugling wollten wir nicht 12 Stunden gen Norden auf eine relativ einsame Insel fahren.
Das gewünschte Haus war im nächsten Jahr noch 3 Wochen frei - und zwar genau die drei Kindergartenferienwochen... Und ich hoffe nun, dass uns keiner zuvor gekommen ist. Zumal der Preis in diesem Jahr sehr angenehm ist - die Saison richtet sich immer ein wenig nach den Ferien der nördlichen Bundesländer und ab Mitte August werden dort prinzipiell schon die Bürgersteige hochgeklappt.
Verrückt, wenn ich bedenke, dass dann vermutlich schon das Ende meiner Elternzeit eingeläutet wird - das kleine Kindelein hat ab dem nächsten Kindergartenjahr einen KiTa Platz, ich ab Herbst 2010 beim Arbeitgeber meinen Wunsch nach Teilzeitarbeit angemeldet (es sei denn ich finde bis dahin eine schöne andere Möglichkeit, Geld zu verdienen *träum*).
Noch ist alles so weit weg, das Kindelein ist doch gerade erst geboren, aber am Ende gehts doch schnell vorbei das Jahr bis dahin...