Montag, 6. August 2018

WMDEDGT August 2018

Frau Brüllen fragt wie jeden 5. eines Monats seit einigen Jahren "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?". Entstanden ist diese Idee von ihr nach einer ganzen Woche Tagebuchbloggen. Ich war damals bereits dabei und mache inzwischen wieder gerne mit.

Ich wachte auf und war zunächst ein wenig verwirrt – es war bereits hell und ich liege im Urlaubsbett des kleineren großen Kindes. Gestern abend gegen 22 oder 23 Uhr habe ich mich zu ihr gelegt. Und bin dann offensichtlich fest eingeschlafen, denn ich wachte gefühlt in derselben Position auf, in der ich mich abgelegt hatte. Ich stand auf und bemerkte, dass es 5.45 Uhr war. Ich suchte kurz nach dem Lichtschalter in der Küche – HerrNebeL hatte das Licht angelassen, denn hier auf der Insel ist es ein paar Stunden stockfinster. Ein Licht in der Nacht im Haus hat sich bewährt bei wandernden Menschen in der Nacht. Um sechs legte ich mich noch eine Weile hin, schlief aber kaum mehr. Das kleine große Mädchen kam ein halbes Stündchen später zu mir ins Bett, die Sonne kitzelte an der Nase und mein Rücken begann, weh zu tun – das Bett ist doch deutlich weicher als daheim. Gegen acht standen das Mädchen und ich auf. Ich kochte Kaffee und setze mich auf die Terrasse. Gegen halb zehn kam das andere Kind. Irgendwann frühstückten wir das absolute Ferienfrühstück: dänischen Joghurt mit Cornflakes. In diesen ersten Stunden versuchte ich, irgendwie den Gedankenströmen Herr zu werden, die mich derzeit insgesamt von hinten überrennen. Da ist so unglaublich vieles in mir, dem ich bisher versucht habe wenig Raum zu geben, weil deren Durchdenken wenig ändern würde. Die hier herrschende Ruhe und fehlende Struktur öffnet Räume. Ich beschloss, mich erst mal treiben zu lassen, anstatt wieder in Aktivität zu fliehen. Irgendwann muss Ruhe rein, irgendwie muss ich sie wieder in mich lassen. HerrNebeL bemerkte schon mehrfach, dass er angesichts meines steten Aktionismusses und der grade fehlenden Fähigkeit, Ruhe zu „ertragen“, inzwischen Sorge hat, dass ich einfach zusammenklappe. Urlaubschallenge angenommen: Anfreunden mit Ruhe. Wenn nicht hier, wo dann?
HerrNebeL kam erst gegen den frühen Mittag aus dem Bett. Die Nacht vom 3. auf den 4. sind wir beide - ausser klitzekleinen Nickerchen auf dem Beifahrersitz – durchgefahren in den Norden, weil wir uns nicht vorstellen konnten, bei den Temperaturen 10-12 Stunden auf der Autobahn zu stehen. Dementsprechend waren wir recht kaputt.
Es dauerte ein Weichen, bis wir einig waren, wie der Tag ablaufen sollte. Letzlich einigten wir uns, zuerst an unseren absoluten Lieblingsort auf der Insel zu radeln – die Hafenmole an der Ostseite und den Schiffen beim Ein- und Auslaufen zuzusehen. All das mit einer Fischfrikadelle vom hiesigen Fischmann. Es liefen allerdings keine Boote aus und nur ein einziger Segler lief ein – und der hatte dank arger Windstärke ziemliche Probleme und wurde mächtig durchgeschüttelt. Trotz Sonne war der Wind ordentich kalt und nach einem halben Stündchen mussten wir den Standort wechseln: auf zum Spielplatz am Yachthafen. Der Unmut beim kleineren Kind war sehr groß, als das altbekannte Trampolin von weitem bereits nicht zu sehen war. Nach genauerem Hinschauen zeigte sich jedoch, dass es zwei neue gab, die in den Boden eingelassen waren. Die Mädels waren also beschäftigt, der Gatte streunte im Hafen und auf der Mole herum und ich streunte herum auf der Suche nach Pokestops. Gegegn halb sechs kauften wir schnell noch ein fürs Abendessen: Seelachs in Basilikumsahne mit Cousous und Blumenkohl. Der Rückweg wurde, dank wirklich aufgefrischtem Westwind seit der Hinfahrt ziemlich anstrengend. Aber weder das kleinere Kind, das mit HerrnNebeL vorgefahren war, noch das große schimpften, sondern kämpften sich tapfer zurück. Leider scheint das große Kind dermaßen gewachsen zu sein, dass der Fahrradrahmen etwas zu klein geworden zu sein scheint. Ich hoffe, dass wir da erst mal noch etwas gewinnen können mit einem längeren Lenkervorbau.  Ich glaube warlich, das Essen auf ihrer Girechenland Reise enthiel Wachstumshormaone oder so... We´ll see.
Daheim angekommen, fiel mir auf, dass ich meinen Kindle und meine Brille im Etui beim Købmand liegenlassen hatte, weil ich sie oben auf die Einkäufe legen wollte. Stattdessen lagen sie da noch an der Kasse herum... Also fuhr ich nochmals zurück, dank Wind und fortgeschrittener Stunde, mit dem Auto. Als ich alles eingesammelt hatte, wurden schnell noch zwei Arenen gelb gekämpft und dann ging es ab ins Ferienhaus zurück. Dort bemerkten wir dann, dass unser Asupuff scheinbar nicht nur ein Loch hat, wie wir seit der Hälfte des Weges hier hoch vermuteten, sondern, dass das Auspuffrohr vor dem Endtopf quasi abgerostet ist. Da wir aber eh den Besuch bei der Werkstatt für Montag geplant hatten, war das erst mal halb so schlimm.
Ich kochte das Abendessen – und stellte fest, dass der Fisch doch wohl zu viel für uns vier sein würde. So riefen wir spontan die Familienmitglieder an, die ein Kilometerchen entfernt wohnen, ob jemand mitessen möchte. Die liebe Schwägerin kam spontan vorbei geradelt und unterstütze uns tatkräftig. Zudem war es bei einem Gläschen Wein dazu nett und entspannt. Nach dem Essen radelten wir den Kilometer zum Strand, um den Sonnenuntergang zu schauen – allerdings verschwand die Sonne deutlich früher hinter einer Wolkenbank.
Zurück im Ferienhaus gabs einen Gin Absacker bei zwei Runden Rummicub. Gegen 23 Uhr waren zumindest wir Großen schon wieder völlig durch und erschöpft – zu wenig Schlaf zuvor und zuviel frische Luft... Noch vor der Tageswende lagen dann alle im Bett, dieses Mal aber jeder in seinem ;-)

Mehr Tagebuchbloggerei findet ihr hier.


Montag, 2. Juli 2018

Im Juli...

  • wird das kleine Kindelein seine neue Klasse auf der hohen Schule kennenlernen
  •  feiern wir den 9. Geburtstag eben diesen Kindes
  •  verkaufen wir das letzte Kinderfahrrad im Hause, weil K2 nun auch ein 27,5 Zoll Mountainbike bekommt (auch K2 ist eher groß...)
  • veranstaltet die 8. Klasse vom großen Kind ein zwangloses Jahresabschlusstreffen auf dem Schulhof - Tradition seit der 5. Klasse
  • fahre ich zumindest zeitweilig auf ein Hockey-Spass-Turnier für inaktive Damen ab 30 (30!, ha!)
  •  feiern wir den Abschied von der jetzigen, altersgemischten Klasse des kleinen Kindes
  • bekommt HerrNebeL hoffentlich jobtechnisch positive Nachrichten
  •  wenn ja, werden wir Entscheidungen treffen müssen
  • wird die beste Freundin der kleineren Tochter nach Bayern ziehen
  •  nehmen die Kinder - vermutlich zum letzten Mal - an einer großen Tanzvorstellung der Tanz und Ballettschule teil (der neue Sport ist dann Cheerleading...) 
  • bekommen die Kinder Zeugnisse und dann 6 1/2 Wochen Ferien
  • jährt sich der Todestages des Vaters zum ersten Mal
  • wird das große Kind zum ersten mal in ihrem Leben fliegen. Und das ohne uns... (sie reist mit der Familie ihrer Freundin nach Kos) 
  • steht wahrscheinlich ein Notarbesuch an
  • werden wir das große Kind hoffentlich wohlbehalten, vollgetankt mit Sonne und tollen Erlebnissen wieder in Empfang nehmen
  • startet für uns Große ein ruhigerer Alltag - entspannteres Aufstehen, keine festen Termine, zu denen wir die Kinder bringen müssen
  • beginnen wir langsam mit den Vorbereitungen für den Jahresurlaub auf der Lieblingsinsel

.... scheint´s insgesamt recht entspannt zu werden, denn die Termine liegen alle bereits in der ersten Monatswoche. Das klingt ziemlich gut, da können wir uns schon mal auf den dringend nötigen Urlaub eingrooven. Auch wenn ich ein klein wenig in Sorge bin, da meine Schwester zeitgleich im Urlaub und die Mutter somit allein sein wird. Ich fürchte, das haben wir  ziemlich blöd (oder eben gar nicht) geplant - ist nun aber auch nicht mehr zu ändern.

Dienstag, 5. Juni 2018

WMDEDGT - Juni 2018

Frau Brüllen fragt wie jeden 5. eines Monats seit einigen Jahren "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?". Enstanden ist diese Idee von ihr nach einer ganzen Woche Tagebuchbloggen. Ich war damals bereits dabei und mache inzwischen wieder gerne mit.

Das Aufstehen am Morgen ist mehr oder weniger alltäglich. Das kleine Kind liegt bei uns und hört weder Wecker, noch reagiert es auf drölfzig Weckversuche. HerrNebel steht auf, ebenso das große Kind und sie geben sich die Badezimmerklinke in die Hand. Weil das kleinere Kind tendenziell viel Zeit benötigt im Gegensatz zu mir, wecke ich weiter und weiter und weiter, um ihr den Vortritt im Bad zu lassen. Irgendwann ist es geschafft. Das große Kind verlässt derweil das Haus. Hier spielen sich kleinere Dramen ab, weil das kleinere Kind in großer Sorge ist, dass sie ab Sommer ihrem Gefühl nach tagtäglich den Bus zur hohen Schule verpassen wird (wird sie nicht, aber mir wird am Morgen wenig Glauben geschenkt...). Um viertel nach sieben verlassen auch wir verbliebenen Drei das Haus, HerrNebeL fährt zur Arbeit, ich das Kind zur Schule, die einige Kilometer entfernt ist. Von dort fahre ich weiter zur Klinik, in der ich arbeite und bin noch deutlich vor acht Uhr dort. Mein Kollege schneidet gerade vor meinem Fenster die Büsche (er ist der Gärtner...), und wir unterhalten uns über das momentan herrschende Durcheinander, in dem keiner das Gefühl hat, dass mit offenen Karten gespielt wird. Von oben gibt es nur einen Haufen subtile Statements, Gespräche und Handlungen, deren Sinn sich leider oft nicht erschließt. Inzwischen ist fast nur noch Thema, in wie weit der Einzelne sich instrumentalisieren lässt und wie damit umzugehen ist, um sich nicht aufzureiben. Schon recht frustirerend, wenn ich genauer drüber nachdenke. Anschließend checke ich meinenTagesplan, lese Befunde und Therapieverläufe und plane meinen Tag. Dann düse ich noch schnell in die Wäschevergabe und bestelle mir endlich neue Arbeitskleidung, weil die alten viel zu groß geworden sind. So werde ich in einigen Wochen wieder persönliche Shirts und Hosen haben, die im Rregalfach 613 herumliegen werden. Momentan muss ich mir immer Hosen und Shirts aus der "PoolWäsche" für Praktikanten herausfischen. Dummerweise sind die Hosen beispielsweise gern auch mal zu kurz - ich muss halt nehmen, was da ist, wenn ich etwas Neues brauche. Und Hosen mit langen Beinen scheinen immer sehr schnell in meiner Größe vergriffen.
Mit Kaffee sitze ich um viertel vor neun im Stationszimmer, es gibt eine Übergabe. Zwischen neun und zwölf Uhr dreißig behandele ich Patienten, nach der Pause ebenso bis gegen drei Uhr. Dann habe ich noch eine Weile Zeit zum dokumentieren.
Ich fahre zur Schule des kleineren Kindeleins und hole sie ab; das große Kind ist dienstags bereits vor uns zuhause, weil sie nur bis 15 Uhr Schule hat; normalerweise hat sie - außer freitags - bis knapp 16 Uhr Unterricht. 
Ich schmeiße die Kaffeemaschine an und fülle mir meinen Kaffeebecher für unterwegs, weil kaum später die älteste Hockeyfreundin vorbei kommt, um mich abzuholen. Das große Kind schließt sich an, das kleinere bleibt daheim. Sie hat um 17.30 Uhr in der Musikschule gegenüber Gitarrenunterricht, zu dem sie selbständig hingeht. Wir anderen fahren gemeinsam mit dem Sohn der ältesten Sportfreundin zum hiesigen Sport discounter. Im Juli steht ein "Seniorinnen" Turnier in der Nachbarstadt an, zu dem wir gemeldet sind. Bedingung: die Spieler müssen über 30 sein (dass dies bei  mir und der Freundin schon lange, sehr sehr lange der Fall ist, und die 3 auch schon recht lange vorüber ist, fürchte ich, wir müssten uns bald gar nach einem "Oldie" Turnier umsehen....). Für dieses testeten wir verschiedene Shirts, die als Trikots beflockt werden sollen. Das große Kind brauchte noch dies und das und wir verbrachten am Ende doch mehr Zeit dort als eigentlich geplant.
Dann  bin ich nur zehn Minuten daheim, um mich zum Sport umzuziehen und die Tasche zu packen. Ein Päckchen kam an, was ich schnell noch auspacke - ein "neues" Parfum. Ich mag Parfum an mir selten, und so nutze ich meines seit mindestens 15 Jahren. Bals ist es leer, sodass ich mir einfach dasselbe erneut kaufen wollte. Dies gestaltete sich schwierig, da es gar nicht mehr hergestellt wird. In den Tiefen des www war es natürlich trotzdem noch irgendwo zu bekommen. Nachdem ich die Flasche ausgepackt habe, beschließe ich, doch besser direkt auf das neue umzusteigen... Ich denke, es ist außerdem besser, es im Karton auzubewahren.... 

                                     Der Zahn der Zeit hat hier wohl arg dran genagt...


Nach dem Asupacken hole diesmal  ich die Sportfreundin ab und wir fahren zum CardioBoxen Kurs ins Fitness Studio. 45 Minuten Boxbewegungen im Takt zu Musik abwechselnd mit Ausdauerherumgehampel macht viel Spaß, auch wenns zwischenzeitlich ganz schön anstrengt. Wir treffen dort meine Schwester. WIr beide tauschen diverse zu erledigende Dinge im Eiltempo aus - darin sind wir zwischenzeitlich sehr geübt. Kurz Neuigkeiten und to-dos besprechen und verteilen. Die heutige Ausgabe drehte sich um Steuern, Notar, Termine, Geschenke, Bankgeschäfte und Finanzen. Ausnahmsweise waren die nervenden Erbstreitigkeiten (die leiblichen Kinder meines Vaters, die seit Jahren quasi kontaktlos waren, gegen meine Mutter. Mit wundersamen Fragen und Vorwürfen. Vor allem eben unglaublich nervtötend) dieses Mal kein Thema. Nach einer kurzen Pause besuchen wir noch den folgenden Kurs - Bauch, Rücken und Stabilisationsübungen.
Nach dem Sport bringe ich die Freundin heim. Wir quatschen noch ein wenig vor der Tür, bevor ich selber nach Hause fahre. Nach ihrem Tipp, was unsere derzeitige Fernsehstörung verursacht haben könnte, steige ich, wie neulich schon, aufs Dach und schraube die Anschlüsse der Satellitenschüssel ab. Leider sehen diese ganz hervorragend intakt aus, dennoch mache ich sie neu, entisoliere die Kabel und schraube sie erneut fest. Der erhoffte Effekt bleibt aus und das Fernsehen still. Uns stört das nicht so sehr, die Mutter unter uns leider schon. Schuld war möglicherweise der Sturm und Starkregen letzte Woche, der unsere Stadt ziemlich arg gebeutelt hat.
Früher ließ mein Vater sich das Herumsteigen auf dem Dach nicht nehmen; er selber hat die Anlage auch installiert - und besprüht. 

Der Gatte ist noch weniger schwindelfrei und höhenängstlicher als ich - also mach es es halt. Zuletzt siehts nun aber so aus, als wäre das Einbestellen eines Fachmannes die klügere und zielführendere Lösung. Der Nachbar wird auf mich aufmerksam, als er mit dem Blick seinem aus dem Dachfenster in meine Richtung kläffenden Hund folgt. Ich bin nicht sicher, was ich davon halte, als er sich kaputt lacht und nicht mal grüßt....Dabei er ist genau so alt wie ich. Zudem leben wir seit Kindertagen nebeneinander und haben durchaus ne Menge Scheißelkram gemacht. Außerdem ist er derjenige, der einfach ein Kabel von der Satelliten Schüssel wild übers Dach und den Balkon laufen hat, während wir unseres in Gemeinschaftsarbeit vor vielen Jahren fein durchs Dach und hinter den Wänden verlegt haben. Also hat er mal gar nicht zu lachen, find ich so.


                       Der Blick jedenfalls ist auch mit blödem Kalbel ziemlich nett.
 
Ich beschließe, dass es mir schwer egal ist und steige irgendwann wieder durch mein Dachfenster über den Nähtisch nach unten.
Das große Kindelein kommt nochmal aus dem Zimmer und bittet mich, ihre neue Sporthose doch vielleicht bis morgen früh zu waschen - was mir um 22 Uhr aber ein klein wenig zu spät ist. Ich denke, dass es wohl auch eine andere Hose tun wird.
Bevor ich noch ein Weilchen lese, werde ich nun duschen, oder gleich in der Wanne lesen und versuchen, vor 0.00 Uhr im Bett zu liegen - wie jeden Abend. Und wie jeden Abend wird es wohl bei dem - erfolglosen - Versuch bleiben....

Weitere Tagebuchbloggerei findet sich hier.

Sonntag, 13. Mai 2018

Aufregend

Eine aufregende Woche liegt hinter mir.
Letzten Sonntag feierte das kleine Kindelein seine erste heilige Kommunion. Es war eine wunderbare und recht lockere Messfeier. Das Kind sang allein einen Teil am Altar vor (Gänsehaut pur! inklusive Tränchen), und wieder trugen alle Mädchen trotz der Tatsache, dass  die Kinder in der Gemeinde seit Jahren Alben nutzen, ein weißes polyesterlastiges Kommunionkleid. Weil das große Kindelein sich damals als einziges Mädchen mit fröhlich buntem Kleid aus der Albe pellte und darüber sehr, sehr traurig war, trug dieses Mal auch unser Kind ein wahres Kommunionkleid. Immerhin war der Bolero dazu von mir selbstgenäht....



Die Feier daheim war entspannt, das Wetter toll und alle verteilten sich in Wohnzimmer und Garten. 

Anschließend mußten das kleine Kindelein und ich unsere Taschen fertig packen, da wir am Montag auf Klassenfahrt fuhren. Ich begleitete die Klasse und Klassenlehrerin als Betreuungsperson. Es ging nicht weit, nur 30 Minuten entfernt in ein kleines Städtchen. Der Doppeldecker Bus fuhr am Montag Morgen mit über 70 Kindern - 3 Klassen, 5 Lehrern und mir - los und holte uns am Mittwoch Morgen wieder dort ab. Dazwischen lagen eine Menge Spaß mit allesamt tollen Kindern unserer Klasse (die Klassen waren räumlich und unternehmungsmäßig getrennt), sehr niedlichen Situationen, vielen - natürlich auch durchaus nervigen, aber vor allem eben vielen - Fragen, nur kleinen, behebbaren Ausfallerscheinungen und wenig Schlaf. Am Mittwoch Morgen bekam ich anlässlich meines Geburtstages ein Ständchen von 26 Kindern beim Frühstück, inklusive eines Geburtstagsmuffins mit Geburtstagskerze und Lieblingsschokolade. Das hatte schon was ziemlich Besonderes.

Daheim angekommen ging wohl fast alles schief, was schief gehen konnte. Der Wunsch nach entspannter, gemeinsam verbrachter Zeit mit dem kleinen Kindelein und  HerrnNebeL - und später auch dem großen Kindelein (sie besucht eine Ganztagsschule und hatte Unterricht bis 16.00 Uhr) - wurde vereitelt davon, dass die Mutter den Fensterputzer bestellt, sich das Datum aber leider falsch notiert hatte, sodass in Windeseile das ganze Haus Fensterputztauglich herzurichten war. Letzlich platzte das mitten ins gemütlich gedachte Geburtstagsfrühstück mit Geschenke auspacken. Zudem brauchte die Mutter dann  bei diversen Dingen unauffschiebbar und zeitwaufwändig Hilfe. Weiterhin erreichte uns  zwar erwartete, aber unpassend kommende Anwaltspost bezüglich des seit letzten Sommers schwelenden Erbstreites. Darin standen dann wirklich wundersame Vorwürfe, über die ich mit Abstand nur lachen kann - letzte Woche jedoch sah das noch anders aus. Der Rest - Tag war demnach komplett verkorkst und ich war 2 Stunden nach der Ankunft daheim genervter als nach 2 1/2 Tagen Klassenfahrt mit 26 Kindern von 6-10 Jahren. Glücklicherweise rettete mich die längste Hockeyfreundin, indem sie uns spontan zum Grillen einlud, und wir so ein bisschen runterkommen und dann doch noch einen wirklich netten Abend verbringen konnten. Freunde - so unbezahlbar.

Nach einer kurzen Stippvisite am Freitag bei der Arbeitsstelle machten das große Kindelein und ich uns auf zur Gartyparty nach Nierstein. So weit weg ist das gar nicht vor hier, aber dennoch fuhren wir bereits am frühen Nachmittag los, um ein wenig stressiges Wochenende verleben zu können.
Angekommen im Hotel gings erst mal in das kleine Hotelschwimmbad und für mich kurz in die Sauna. Dort trafen wir auch "alte Bekannte", aus dem www. Schon seit Jahren lasen und lesen wir uns auf verschiedenen Kanälen. Wir verabredeten uns, nach dem Duschen gemeinsam zu Frau Mutti zu laufen, um das Wochenende dort "einklingen" zu lassen mit bereits zuvor angereisten Gästen und Freunden und Nachbarn. Neben Pizza, nettem Beisammensein auf der tollen Terasse und zwanglosem Kennenlernen gab es eine Führung über die "Ländereien" und ich muss sagen, ich bin wirklich sehr beeindruckt von Haus und Garten. Groß, verwinkelt, mit so vielen netten Eckchen und so viel Liebe zum Detail. Das Kindelein bekam von Frau Brüllen und Frau Mutti Nagellacke geschenkt, die diese übrig hatten und war sehr, sehr glücklich damit. Die eigentlich für die Nacht geplante Nagellacksession verschoben wir dann auf den Morgen, weil ich schlicht und ergreifend schnell nach der Ankunft Hotel eingeschlafen bin.

Morgens also wurde lackiert - das Kind in GlitzerGlamour und ich nahm fröhliches grau (weder maus-, noch staub, noch aschgrau, sondern chinchilly, son neumodischer Essie-Grauton), dann gings erneut zum Schwimmen und zum Frühstück, bevor wir zur eigentlichen Gartyparty aufbrachen.


Wir verbrachten bei wunderbarem Wetter den gesamten Tag dort und kehrten erst kurz vor Ende des Tages ins Hotel zurück. Es war ein entspannter und schöner  Tag voller Begegnungen. Begegnungen mit Menschen, denen ich schon im Netz lange folgte, Menschen, die immer mal wieder den Weg kreuzten, Menschen, die ich gar nicht kannte, Menschen, denen ich bereits im real life begegnet war. Lustigerweise stellte sich heraus, dass eine der vielen Menschen dort als Kind viel Zeit in meiner Heimattadt verbracht hatte. Die Welt ist so klein! Überall entwickelten sich nette Gespräche, hier länger und da kürzer. Es wurde zwanglos gegrillt, für Getränke und deren Ausschank  war ausreichend und liebevoll gesorgt. Es gab ein tolles Buffet mit,  wie mir gesagt wurde, legendärem leckeren Glasnudelsalat. Lecker war überhaupt absolut alles was ich kostete, üppig war es vor allem. Eine riesige Käseplatte aus der Schweiz hat ebenso beeindruckt, wenn ich mir auch tatsächlich den Geruch im Vorfeld als deutlich ärger vorgestellt hatte und mir fast sicher war, dass die Sorten, die arg riechen würden noch nicht aufgetischt seien. Vermutlich verflog der Geruch in der offenen Küche bei geöffneter Terassentüre, denn als ich zu fortgeschrittener Stunde an einzelnen  Exemplaren roch, war da doch eindeutig mehrfach recht strenger Geruch zu finden. Was ich probiert habe, schmeckte auch mit Geruch ganz schön gut. 
Es war schön, sich unter so vielen eigentlich fremden Menschen zu sein und sich einfach wohl zu fühlen. Ich hätte gerne noch Gelegenheit gehabt, mehr und länger zu reden, aber bei so vielen Leuten und so vielen Eindrücken reicht zumindest für mich die Kapazität gar nicht aus, alles in mich aufzunehmen. Rein zeitlich ist der Raum natürlich auch begrenzt, selbst wenn es  viele, viele Stunden waren. Das Kindelein wollte sogar am Ende am liebsten gar nicht mehr heim. Son ganz bisschen schuld daran war nebem dem Wohlfühlfaktor und den netten Menschen so ein kleines bisschen auch die wunderbar tolle Tupfenlola (naja, und die Schaukel, der Garten, das Gartenhüttchen und, und, und... ;-))





Am Morgen tranken wir zum Abschied am späten Vormittag noch einen Kaffee in der Grünen Villa, natürlich nicht, ohne dass das Kind zuvor  noch eine Schwimmrunde eingelegt hätte. Sowas muss ja ausgenutzt werden ;-).

Schön wars. Wirklich richtig schön.


Erwartungsgemäß war die Rückfahrt nach dem langen Wochenende etwas länger als die Hinfahrt, Regen gabs zudem, aber wir ließen uns nicht stressen und machten und irgendwann einfach ein Hörbuch an, das wir beide nicht kannten, und verbrachten die restliche Heimfahrt trotz Stau, Stauumfahrung und Schlechtwetter entspannt.

Viele Eindrücke der letzten Woche dürfen nun sacken und ich hoffe, es folgt nun eine Weile ereignisloser Alltag, damit genau dafür ein wenig Ruhe und Muße übrig bleiben.

Sonntag, 6. Mai 2018

WMDEDGT - Mai 2018

Frau Brüllen fragt seit langem an jedem 5. eines Monats: Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag? 

Ich wache um 06.40 Uhr vor dem Weckerklingeln auf,  drehe mich aber nochmal um. Um 07.20 stehe ich dann auf, ebenso das kleine Kind. Ich mache mir einen Kaffee und beginne in der Küche zu werkeln. Ich bereite Couscous Salat vor, ausserdem muss ich noch eine Suppe ansetzen. Morgen hat nämlich das kleine Kindelein seine erste heilige Kommunion, die wir hier bei uns, beziehungsweise bei der Mutter im Wohnzimmer und im Garten feiern. Ein Stündchen später wecke ich den Gatten, der sich parat macht und zum Metzger fährt. Ich schnippele und werkele weiter, schreibe To Do Listen für den heutigen Tag, brate irgendwann 2,5 kg Hackfleisch an, als der Gatte zurück kommt und mache den Rest der Suppe soweit fertig. Mittendrin koordiniere ich mit der längsten SportFreundin die Fahrt zum letzten Heimspiel der Saison des BVB. Um 10.30 Uhr sitze ich im Auto und sammele die Freundin und ihren Partner ein. Wir fahren gemeinsam nach Dortmund zu einem Mitglied des Fussballfanclubs, dem wir angehören. Er bereitet traditionell zum Saisonschluss Braten mit Brötchen und Krautsalat für alle Fan Club Mitglieder vor. Es ist tolles Wetter und wir sitzen und stehen in seinem Garten in der Sonne. Gegen 14 Uhr machen wir uns gestärkt auf den Weg in den Signal Iduna Park. Bevor wir ins Stadion gehen, treffen wir uns  davor noch am Bierstand auf ein Getränk.
Im Stadion angekommen, freue ich mich auch heute wieder über einen etwas anderen Platz, der mir  gut gefällt. 

Vor dem Spiel wird Roman Weidenfeller verabschiedet, der sein letztes Bundesliga Heimspiel bestreitet. Ich mag es, im Stadion zu sitzen. Vor noch nicht all zu langer Zeit schien mir das undenkbar - so viele Leute auf einem Haufen machen mir eigentlich eher ein wenig Angst. Nachdem ich mir vor rund 1 1/2 Jahren aber ein Herzchen fasste und es mit der Freundin ausprobierte, hab ich gemerkt, dass alles super organisiert ist, nirgends schlimmes Gedränge herrscht und ich die Atmosphäre insgesamt sehr mag. Natürlich rennen unter den 81.000 Menschen auch ein paar herum, die sich für meinen Geschmack ordentlich daneben benehmen, aber auch das war bisher im Rahmen, zumindest dort, wo ich es erlebt habe.
Leider ist das Spiel heute das erste Spiel im Stadion, wo ich wirklich enttäuscht bin. Aber auch solche Spiele gibt es, ich kenne das nur zu gut vom eigenen sportlichen Werdegang mit der Mannschaft. Im Stadion hats mir wie immer trotzdem gefallen. Nach dem Spiel treffen wir uns erneut am Bierstand mit den Fanclub Mitgliedern, schwatzen und lachen noch eine Weile und fahren dann mit der Bahn zurück zum etwas ausserhalb geparkten Auto.
Ich bringe einen Kollegen heim, der sich uns für die Rückfahrt angeschlossen hatte, suche für den Partner der Freundin eine Notdienst Apotheke, weil er noch etwas besorgen muss. Danach fahre die beiden heim.
Bei mir zu Hause angekommen war eigentlich der Plan, nur noch die Tische zu dekorieren und einzudecken Leider hatte der Rest der Familie nicht alles geschafft, sodass wir doch noch gemeinsam bis halb elf herumwuseln mussten, damit es morgen nach der Kirche nicht mehr viel zu tun gibt, als das Essen zurecht zu stellen. 


Erst dann bestellen wir noch eine Pizza, ich blogge und der Gatte bügelt. Das kleine Mädchen schläft derweil wartend in unserem Bett ein und möchte zunächst gar nicht mehr für ihre Pizza aufstehen. Das tut sie am Ende doch noch und wir essen auf Behelfsstühlen, weil alle anderen Stühle bei der Mutter im Wohnzimmer stehen. Das kleine Kind verschwindet um 0.00 Uhr in unserem Bett, das große Kind in ihrem. Ich werde nun noch baden gehen und mir anschliessend die Nägel aufhübschen. Und ich hoffe jetzt schon, dass ich die nächsten Tage mit halbwegs ausreichend Schlaf überstehen werde - bis morgen wird es wenig Schlaf geben und am Montag begleite ich die Klasse des kleineren Kindes als Betreuungsperson auf Klassenfahrt. Aber zunächst mal morgen:
Kommunion. Das Kind wird vorsingen und ich habe schonmal Taschentücher eingepackt.

Weitere Tagebucheinträge von heute wie immer bei Frau Brüllen.

Montag, 30. April 2018

Oberbekleidung

Heute vor einem Jahr habe ich den Tag in der Küche verbracht, um eine Grillage Torte vorzubereiten. Baiser, bestrichen mit Schokolade in mehreren Schichten und dazwischen eine Creme. Das Ganze kam über Nacht in die Eistruhe, da diese Torte halbgefroren serviert wird.
Es war die letzte Geburstagstorte für meinen Vater und ich habe es genau gewusst.
So viele Dinge, von denen ich wusste, es würden die letzten sein, jähren sich nun. Manchmal ist es so wundersam, wie mein, unser Leben "einfach" weiterlief und -läuft, wie nirgends die Zeit stehenblieb, als seine zu Ende ging.

Heute hatte ich ansich einen guten Arbeitstag, an dem eine nette Praktikantin mich begleitete und mir vieles selbstverständlich abnahm. Nette Begegnungen, eine entdeckte Spur einer ehemaligen lieben Kollegin. Nebenher offene Worte, von denen ich hoffe, dass sie in irgendeiner Form Anklang finden werden, um endlich die unleidliche Teamsituation zu verbessern. Und ich hatte die Aussicht auf einen ruhigen Start in den morgigen Tag, weil wir einfach alle ausschlafen können.

Vermiest wurde mir Tag allerdings dadurch, dass ich mich aufmachen musste, Damenoberbekleidungswäsche zu kaufen.
Den einzigen BH den ich je besessen habe, kaufte ich mit Anfang 20 zur Hochzeit eines engen Freundes, weil das Kleid schulterfrei war und da irgendwas drunter gehörte. Ich ließ mich im Fachhandel beraten und gab ein Vermögen aus. Das Ding liegt noch in meinem Schrank und wäre auch noch tragbar. Allerdings wog ich damals etwa 20 Kilo weniger - sodass er heute sogar dem Tochterkind nahezu zu eng ist, weil sie trotz Normalgewicht mehr wiegt als ich damals. Seitdem besteht meine Wäsche aus vorwiegend schwarzen Sportoberteilen, Bustiers oder Tops mit eingearbeiteten Bustiers. Fertig. Am Sonntag aber trage ich wieder ein hübsches Kleidchen, wenn auch ganz und gar nicht schulterfrei, aber mit Sporttop drunter ist das schon... nicht soo hübsch. Also blockte ich mir den Spätnachmittag zum Shoppen.
Eigentlich wusste ich es schon vorher - aber heute hat es sich eindrücklichst bestätigt: Ich finde BHs schrecklich. Unbequem. Viel zu viele viel zu nutzlos, weil ich mich - trotz angeblich guter Passform und richtiger Größe - so fühle, als würde einfach die Hälfte rausfallen, sodald ich mich bewege. Die Träger sind an vielen Teilen zu kurz, obwohl ich gar nicht wirklich groß bin.  Die meist ja ganz  hübsch anzusehende Spitze  kratzt und piekt oft, und ich fühlte mich Astrid Lindgrens Lotta sehr verbunden, die Löcher in den kratzigen Pullover schnitt. Kratziger Kram auf der Haut geht einfach gar nicht. Die große Wäsche Abteilung war zudem vorwiegend nach Farbe sortiert und ich durfte mich durch gefühlte 1000 Stück auf der Suche nach der passenden Größe durchwühlen, die in keiner Form größengeordnet waren, so dass ich schon vor Betreten der Umkleidekabine komplett genervt war. Natürlich hätte ich auch ein Fachgeschäft besuchen können statt des Kaufhauses und die Beratung und Hilfestellung wären vermutlich besser gewesen. Ich kannte in der Stadt aber keines. Ich habe in rund 2 Stunden etwa 58 Oberteile anprobiert und am Ende ist es doch ein "ich bin eigentlich ein Bustier, möchte aber gerne ein BH sein" geworden, der zumindest den gewünschten Zweck erfüllt und auch noch hübsch aussieht (schwarz halt. Aber mit n bisschen Schnickeldi ;-)). Ich mag Klamotten in Umkleiden anprobieren per se nicht sonderlich gerne und bin spätestens ab Kleidungsstück 3 hochgenervt, hab die Nase voll und beginne zudem mit Selbstgesprächen, aber das heute war wirklich eine höllische Tortur. Ich hab freundlicherweise auch jedes probierte Stück wieder fein säuberlich auf den Bügel gehängt und alle Häkchen und Ösen verschlossen, so wie sie es auch vor der Anprobe waren. Ich finde, das gehört so, auch wenn die  Zustände der Umkleiden und Stellen, an denen wegzusortierende Kleidungsstücke hängen oder liegen, eine andere Einstellung der meisten Mitmenschen vermuten lässt... Es wurden viele Selbstgespräche. Oder genauer gesagt viel Flucherei neben ungläubigen Selbstgesprächen. 
Zugegebenermaßen bin ich nicht in das Preissegment über 50 Euro vorgedrungen, aber ich habe diverse Marken und  diverse Modelle in ähnlicher Größe anprobiert und bin fast überzeugt davon, dass dieser, mein zweiter (Möchte-gern) BH vermutlich mein Letzter sein wird. Ausserdem mache ich drei Kreuze, dass meine körperliche Konstitution nicht zwingend einen BH erfordert, sondern ganz hervorragend mit dem anderen Kram leben kann. Und obenrum so richtig hübsch muss oder möchte ich auch nur im Kleidchen mit Anlass sein. Und bevor hier blöde Fragen aufkommen: ja, der Gatte kann auch ganz hervorragend mit dem anderen Kram leben. Also an mir meine ich. Nur so fürs Protokoll.

Immerhin gab es anschließend noch einen neuen Nagellack, um den ich schon länger herumschlich. Ab Freitag habe ich fast eine Woche frei, sodass sich das "chinchilly" farbige Nägellackieren wenigstens lohnt. Und vielleicht merkt an dem halben Arbeitstag vor dem Wochenende darauf gar niemand, dass meine Nägel lackiert sind. Mal schauen. Und dann, dann lass ich es mir einfach ein Wochenende gut gehen. So ist zumindet der Plan.



Mittwoch, 25. April 2018

Der Job und so

Bei der Arbeit bleibt mir manchmal nurmehr ein müdes Lächeln, ein hysterisches Lachen, ein resignierendes Hinnehmen all der Zustände, die mir die Arbeit dort verleiden. Meist geschieht dies nacheinander, am Ende steht meistens die Resignation. Nach wie vor betrifft das nicht die Kontakte mit meinen Patienten. Ich arbeite gerne mit den Menschen, mag die Begegnungen und werde oft ein Stück getragen von den mir entgegengebrachten Rückmeldungen. Ich mag es, den Menschen nahe zu kommen, sie zu begleiten ein Stück, ihnen helfend zur Seite zu stehen. Ich mag es, oft auch mit ihnen gemeisam in schweren Situationen lachen zu können, wie heute, als ein Aphasiker versuchte, ein Bild zu benennen und dabei herauskam: "Er pulst die Adern" (auf dem Bild horchte ein Arzt einen Jungen mit dem Stethoskop ab). Natürlich ist es heikel, wenn ein Mensch sich oftmals nicht mehr anders äußern kann, dem mit Humor zu begegnen. Dafür aber lese ich schon so lange in den Menschen, dass es mir oft gelingt, eben diese Gratwanderung zu gehen - immer aber nur gemeinsam mit dem Betroffenen. Manchmal, manchmal da weine ich auch gemeinsam mit dem ein oder anderen - auch wenn ich professionell bin als Therapeutin. Aber eben auch Mensch. Eigentlich ist mein Job mit eben diesem Klientel ganz wunderbar.
Es sind die Rahmenbedingungen, die nicht stimmen. Diese vielen Kleinigkeiten, die sich summieren. Und es ist da ein Stück weit wiederkehrende Resignation - weil ich einfach nicht viel machen kann. Ich bin kein Entscheider. Ich bin nicht mal jemand, der gefragt wird. Es entsteht manchmal der Eindruck, als würden die, die vermutlich auch nur Entscheidungen des Konzerns, Entscheidugnen der Wirtschaftlichkeit ausführen, uns, die wir Tag für Tag am und mit den Menschen arbeiten, fragen. Wenn man dann aber genau hinsieht, Revue passieren lässt, so scheint es doch nur, als würden sie ein wenig Honig verteilen, damit die bittere Medizin, die subtil, aber unweigerlich doch später folgt, ein wenig süßer schmeckt. Da werden sukzessive die Dinge, in denen viel Herzblut eines gesamten Teams und vor allem 2 Personen steckt, die den Laden vor gerade einem Jahr in den Ruhestand verlassen haben, unterwandert, um sie wieder anzugleichen an ein mehr schlecht als recht funktionierendes System. Aber da ist niemand mehr, der seine schützende Hand über ein Konzept hält, was nah an den Patienten ist. Ein Konzept, was effektiv ist, ein Rahmen, der Möglichkeiten bietet in vielerlei Richtungen. Ein Konzept, das einen großen Teil der Patienten weit mehr profitieren lässt als alles, was bisher war. Dafür aber muss der Einzelne im Team sicherlich zu manchem bereit sein. Teamarbeit eben, Flexibilität, Absprachefähigkeit, Interdisziplinarität, Begleiten von Gruppensettings und viel Arbeit auf der Beziehungsebene. Das gelingt nicht allen - auch das macht es schwer, denn wenn diese Voraussetzungen fehlen, wünscht sich der Therapeut eigentlich die Rückkehr ins starre System, in dem ich einfach nach vorgegebenem Plan arbeite, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf die Belange der Menschen, die wir behandeln. Solche Theraoeuten werden aber vielleicht viel mehr befragt, weil sie wohl eben diesesn Weg ebnen, zu dem das Haus augenscheinlich zurück will. Denn das starre System bietet mehr Raum für wirtschaftliche Transparenz. Mehr Raum auch für messbare Entwicklung. Standartisierte Punktesysteme. Systeme, die die Menschen nicht weiter abbilden. Tatsächlich aber fragt genau danach niemand mehr. Da kann auch ein Chefarzt mehrmals versichern, dass es wichtig, gut und richtig, gar wünschenswert sei, individuell auf den Einzelnen einzugehen, individuelle Forschritte zu dokumentieren. Der Konzern  an vorderster Front und seine Umsetzer jedoch postulieren mehr und mehr standartisierte Verschriftlichungen zur Deskription erfolgter Fortschritte im Rehaaufenthalt. Die Liebsten sind mir die Menschen in Positionen über mir, die eben dies in den höchsten Tönen loben: "Standarts benötigen weniger Zeit, alles wird doch so viel einfacher, es macht so viel weniger Arbeit!" Es bleibt mehr Möglichkeit, Therapien abzurechnen, die Zeit drumerhum wird durch das Ersetzen von Fließtext durch Zifferneingabe minimiert. Eine ganz großartige Neuerung. Wundersam, dass ebendiese Leute auf der Ebene der Empathie und der Ebene der eigenen Meinungsbildung irgendwie anders ticken. Dorthin aber geht der Weg.  Frustran.
Im Großen nimmt das in meinem Alltag nicht viel Raum ein derzeit - weil ich dennoch so arbeite, wie ich es gut mit mir, meinen Anforderungen an meine Arbeit, Therapie, Dokumentation und  meinen Vorstellungen zum Umgang miteinander und den Patienten vereinbaren kann.  Das kostet mich trotz eng getaktetem privatem Zeitplan zwar Woche für Woche im Schnitt 3 Überstunden, die weder bezahlt noch abgegolten werden, aber mir geht es gut damit. Jedoch wenn ich genau hinsehe, wird die Tragweite all dessen größer und größer. Es ist schon eine Kunst, mich da abzugrenzen. Zu akzeptieren, dass ich wenig Handlungsspielram habe. Ich schweige nicht und ich nehme auch nicht hin. Ich sage was wichtig ist, spreche, wo es mir möglich ist. Und es ist auch nicht so, als gäbe es keine Fürsprecher. Aber auch der neuen Oberärztin, die noch am nächsten von allen dran ist und die an vielen Stellen durchaus vieles objektiv passend beurteilt, sind gegen Konzernwünsche und deren Umsetzungen, so subtil sie sich auch einschleichen mögen, die Hände gebunden. 
Es ist also Tag für Tag ein Mix zwischen Besonnenheit, Akzeptanz und  Initiative gefordert, der dennoch einer großen Portion Abgrenzung bedarf, um mich nicht aufzureiben an Zuständen. Ich bringe mich ein und wende auch Energie auf, aber wenn es zu schwierig wird, wird auch mein Energiereservoir, das ich für die alltäglichen und zehrenden Dinge des Lebens außerhalb meiner Arbeit brauche, angezapft. Im Moment läuft es gut, ich komme gut zurecht und fühle mich nicht so sehr belastet, weil ich mich in Gelassenheit übe. Ich hoffe sehr, dass das noch ein ganzes Weilchen so bleiben wird. Obwohl mir das derzeit so gut gelingt, merke ich, wenn ich genauer hinschaue, dass auch das ein verdammt hartes Stück Arbeit ist.

Samstag, 14. April 2018

Kompliziert

Es ist kompliziert, dieses Leben im Moment an vielerlei Stelle. Kompliziert und kraftraubend, bestürzend und sich viel zu schnell drehend. Zuviele Baustellen an zu vielen Fronten. Manches betrifft mich direkt, manches mittelbar und bei manchem bin ich einfach nur nah dran, auch wenn es mich -eigentlich- kaum betrifft. Vieles von all dem wirft Fragen auf und Sorgen, die sich immer mal wieder ins Unermessliche steigern, bis ich es irgendwie schaffe, diese wieder zu relativieren - oder stoisch zu akzeptieren - ohne momentan viel dagegen tun zu können.
Die Situation zu Hause ändert bleibt auf einem ähnlich schwierigen Level - das tagtägliche Zusammenleben mit der Mutter zeigt eben auch tagtäglich schwindende Strukturen. Schwindendes Wissen. Schwindende Fähigkeiten. Zunehmende Hilfsbedürftigkeit. Zunehmendes Verschwimmen der Lebensräume, Verlust meines, unseres eigenen Schutzraumes, wenn denn da überhaupt noch einer ist. Es ist selbstverständlich, dass ich da bin und dass ich mich kümmere. Aber dennoch gibt es Tage, an denen es schwer ist. Und ich weiß, dass es nur noch schwerer werden wird. Allein zu diesem Thema müsste ich vieles erledigen. Manches gelingt mir und meiner Schwester. Und vieles bleibt liegen. Weil wir neben unserer Mutter eine Familie haben. Einen Job. Ein Haus. Und vielerlei andere Dinge, die Zeit und Raum fordern. Wir machen. Und lassen liegen, was nicht all zu dringlich ist. Oder was wir einfach nicht mehr schaffen. Eigentlich renne ich nur hinterher und trage dennoch kaum etwas ab vom Aufgabenberg.
Der Erbstreit. Er nimmt skurrile Formen an. Und ich frage mich nach wie vor, wofür. Ich verstehe die Beweggründe nicht. Habgier? Rache? Jedenfalls erfordert auch dieser immer wieder Handeln. Er fordert mich heraus, begleitet meine Gedanken, läuft mir über die Bettdecke, auch wenn ich das gar kein bisschen möchte. Die Abgrenzung fällt schwer. Auch hier liegt alle Handlungsnotwendigkeit bei der Schwester und mir. Letztere ist derzeit beruflich aber so eingespannt, dass sie nur wenig übernehmen kann.
Mittendrin der leibliche Vater mit einem Schlaganfall. Das Outcome war wunderbarst, alles könnte gut sein. Wenn denn nicht bekannt wäre, woher der Schlaganfall gekommen ist. Der Großteil der hirnverorgenden Arterien ist verschlossen, in eine Arterie konnte ein Stent gelegt werden. Schleichend suchte sich das Blut über die Jahre Wege, wärhend die eigentlich wegweisenden Bahnen sich mehr und mehr verengten. Ein Pulverfass.
Es tun sich viele kleine Baustellen am Eigenheim auf, die allesamt ordentlich auf uns lasten. Zuerst die Feststellung, dass viele Versicherungsauflagen nicht eingehalten werden. Die Kündigung der zusätzlichen, gemieteten Garage (wegen Eigenbedarf), die ein großes Platzproblem mit sich bringt. Die Entdeckung eines großen Schimmelfleckes im Arbeitsraum im Keller an einer Außenwand. Einige Tage später eine weitere Schimmelentdeckung in der eigenen Garage, die mit hoher Wahrscheinlichkeit vom undichten Fallrohr herrührt, das zwischen unserem und dem Haus unseres Nachbarn nach unten geführt ist. 
Die nahende Kommunion des kleinen Kindes. Ein schönes Fest, ja. Aber es will auch gestemmt und organisiert sein. 
Die Situation am Arbeitsplatz ist ...  ich nenne es mal irgendwie unglücklich. Das wichtigste passt - ich arbeite gern mit meinen Patienten. Sehr gern. Aber das Klima am Arbeitsplatz selber ist schwierig. Bedingt durch das Arbeiten im Gesundheitswesen ansich, was einfach unglaublich viele Tücken birgt aufgrunddessen, dass Klinik mehr Wirtschaftsunternehmen denn Klinik ist. Es krangt überall. Wundersame Methoden zur Herstellung von angeblicher Transparenz, um Erfolge messbar zu machen und die Wirtschaftsecke zu füttern. Der Mensch ansich verschwindet hinter Zahlencodes. Mangelnde Bezahlung vieler. Solcherlei Kram. Darüber hinaus mein Status im Team, emotional zurückgezogen nach dem letztjährigen Desaster mit der direkten Chefin. Die komplette Trennung meines Privatlebens von allen, einfach weil es mir anders dort nicht mehr möglich ist.  Ich bin ganz gut abgegrenzt inzwischen, und prinzipiell ist es okay so. Leider aber beruht es auf einer der größeren menschlichen Enttäuschengen, die mir widerfahren sind und ich werde tagtäglich darauf gestoßen.
Das Leben mit Familie ist wunderschön. Aber all zu oft verlangt es mir viel ab; das Umgehen mit zwei Mädchen in und nahe an der Pubertät rauben - trotz aller Liebe - Kraft.
Der Partner einer besten Freundin erhielt gerade die fast sichere Diagnose Krebs. 
Mitten in all dem Durcheinander übe ich Abgrenzung gegenüber mir zwar lieben, aber energieraubenden Begegnungen. Ob diese Menschen deswegen auf der Strecke bleiben, weil ich sie zu arg vor den Kopf stoße, weiss ich nicht. Aber ich weiß, wenn dem so ist, dann war da nicht genug Tragfähigkeit. Und nicht genug Empathie in meine Richtung. Dann bin ich wohlmöglich traurig darüber, aber unterm Strich wird es richtig gewesen sein. Leicht fällt mir das nicht, mich belastet ein schlechtes Gewissen, selbst wenn ich stolz darauf bin, ehrlich gewesen zu sein und stolz darauf, meine Grenzen aufgezeigt zu haben. Aber auch das zehrt dennoch.
Ich bin leistungsfähig. Ich kann aushalten. Und in großen Teilen halte ich gerade gut aus. Ich suche einzelne Eckpunkte zum Ausgleich. Klitzekleine zwar, aber immerhin. Ich weiß dennoch, dass ich, selbst wenn es gerade gut funktioniert, nah am Limit bin. Ich weiß, dass ich noch lange nah am Limit gehen kann. Aber ich weiß auch, dass der Punkt kommen wird, wo ich nicht mehr können werde. Maßnahmen sind viele durchgesprochen, durchgekaut. Ich mit mir, dem Gatten, meinem behandelnden Psychiater, meiner Therapeutin, Freundinnen. Unterm Strich mit demselben Ergebnis: mir sind die Hände gebunden, es bleibt einfach kaum mehr als weitermachen, es gibt keine wirklichen Alternativen. 
All dies zusammen laugt mich aus, im Innern und körperlich. Darüberhinaus - oder aufgrunddessen - halte ich mich an einer alten Bekannten fest, die meinem Körper die Masse raubt. Ich bin mir dessen mehr als bewusst, aber da sind gerade genug Fronten, an denen ich kämpfe. Hier kann ich derzeit keinen Kampf aufnehmen, sondern - erst mal - nur den Nutzen begrüßen, ihr Dasein akzeptieren und ein Fortschicken auf später vertagen.
Ich gehe weiter,  jeden Tag, Schritt für Schritt. Manchmal zügig und sicher, oft überfordert. Manchmal verzweifelt, zumeist mehr als resigniert, stets sorgenvoll. Aber mir bleibt keine Wahl, wie so vielen da draußen aus ganz verschiedenen Gründen auch.  Ich hoffe nur, dass ich irgendwann ankommen werde an einer Stelle voll Ruhe und Zuversicht.

Montag, 5. März 2018

WMDEDGT - März 2018

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Der Tag startet wie so typische Montage: ich habe schlecht und zu wenig geschlafen. Ein Weilchen vor mir haben sich HerrNebeL und das kleine Kindelein aus unserem Bett aufgerafft, ich falle dann eben daraus, als das grosse Kindelein sich bereits verabschiedet. Ein paar Minuten nach dem Aufstehen ist alles gut - ich schaffe es trotzdem nicht eher und bin froh, dass HerrNebeL die Morgenroutine mit den Kindern gemeinsam verbringt und ich eine Randfigur bleibe. Immerhin koche ich ihm heute den Kaffee für die Fahrt und nehm ihm so ein paar Minuten Vorbereitung ab. Man muss ja auch die kleinen Dinge sehen ;-).
Um viertel nach sieben verlassen auch HerrNebeL, das kleine Kindelein und ich das Haus. Ich fahre los zum Supermarkt und kaufe für die nächsten Tage in der Klinik ein: Kaffee, kalte Getränke, Milch und dergleichen. Auf der Hälfte der Fahrt zur Klinik klingelt mein Handy und HerrNebeL fragt, ob ich seinen Garagendrücker möglicherweise mitgenommen habe. Habe ich nicht, aber ich habe einen in seinem Auto liegenlassen, was IN der Garage steht. Der andere Drücker ist ebenso verschollen und die Garage ist mit dem Notschlüssel nicht aufzubekommen. Da ich da aber auch nichts weiter tun kann, fahre ich weiter zur Arbeit. Währenddessen leiht HerrNebeL sich spontan der Mini meiner Mutter (hochpraktisch, dass wir zusammen wohnen in diesem Falle) und schaffft das Kind noch rechtzeitig zur Schule und bringt auch 2 Stückchen der Regenbogentorte, die das große Kindelein gestern gebacken hat, noch bei der Freundin des kleines Kindes vorbei. Ich sitze derweil bereits umgezogen im Büro, checke meinen Tagesplan und plane die Therapien. Auf dem Weg zur Station mache ich mir noch einen Kaffee und habe dann eine kurze Übergabebesprechung mit dem Therapeutenteam, dem Arzt und einer Pflegekraft der Station. Hier kommen manchmal wunderliche Dinge ans Licht und derzeit schwanke ich quasi täglich zwischen hysterischem Lachen, dem Bestreben, bloß nicht weiter nachzudenken und ziemlich klaren Meinungsäußerungen. Ob die allerdings jemand hört oder ernst nimmt bin ich mir derzeit meistens nicht sicher. Ich halte mich nicht geschlossen, sondern sage immer wieder, was ich denke, aber darüber hinaus ist es eine gewisse Form von Selbstschutz, mir das alles nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Hier könnte ich langwierige Diskussionen einfügen über das Gesundheitswesen als Wirtschaftsunternehmen, den Pflegekraftmangel, chaotische Teamzusstände, mangelnde Zusammenarbeit, Reduktion der Patientenindividualität auf Punkte- und Zeiterfassungssysteme undundund. Aber ich lasse es lieber, weil es zu nichts weiter führt als Frust. 
Von 09:00 bis 12:00 Uhr behandele ich Patienten auf der geschützten Station. Heute bedarf es zwischendurch immer wieder kleineren und größeren Sequenzen der Intervention nebenher - weil die eine Patientin permanent durch alle Zimmer läuft und dort Dinge verräumt oder mitnimmt - die ihr nicht gehören. Der andere Patient findet aufgrund von Orientierungsschwierigkeiten und nur noch sehr wenig Sehkraft sein Zimmer nicht und rollt mit dem Rollstuhl entsprechend aneckend ebenfalls durch viele Zimmer. Der dritte Patient ist aufgrund eines Keimes isoliert, kann das aber nicht behalten, verlässt mehrmals sein Zimmer und muss dann leider zurückgeschickt oder begleitet werden mit einer entsprechenden Erklärung. Zuletzt ist ein Patient sehr ungehalten, weil er nicht versteht, warum die Stationstüre verschlossen ist. Er droht mir im Gespräch vehement, dass er alle Anwesenden der Reihe nach verprügeln wird, die ihn hier festhalten. Nach einiger Zeit und einigen Worten lässt er sich aber dann doch darauf ein, Platz zu nehmen und erst mal auf das kommende Mitttagessen zu warten. Die (wiederholten) Erklärungen zu der geschützten Station sind nicht wirklich bei ihm angekommen - weil er selber keinerlei Wahrnehmung dazu hat, dass er aufgrund eines neurologischen Ereignisses erkrankt ist und er sich auch in keiner Form beeinträchtigt fühlt. Tatsächlich behält er nur, dass er in einer Klinik ist - aber auch das weiß er nicht immer. Würde er die Station verlassen können, würde er auch die Klinik verlassen. Allerdings wüsste er weder, wo er wäre, noch wo er hinmüsste - selbst wenn er klar benennen könnte, dass er nach Hause will. Manchmal erinnert er die Stadt, in der er wohnt, oft ist es aber auch die falsche. Aber dass dem so ist, nimmt er auch nicht wahr. Aufgrund solcher durch neurologische Erkrankungen entstandene Eigengefährdungen ist unsere Station geschützt. Neben dem Löschen solcher Brände hier und da behandele ich mehrere Patienten in meinem Büro oder auf deren Zimmer. Im Regelfall - so auch heute - bin ich dabei insgesamt sehr entspannt und geduldig und mag es sogar sehr, auf dieser Station zu sein - auch wenn manches so durcheinander zu laufen scheint. Vor der Mittagspause kommt noch ein Patient von einer anderen Station zu mir. 
Mittags sind wir dann im Teamraum recht wenige Sprachtherapiekolleginnen, 3 haben regulär frei, 2 oder 3 weitere sind krank und die  anderen Kolleginnen verbringen die Pause anders oder haben bereits frei.
Anschließend gibt es eine einstündige Teambesprechung, in der wir mehr Zeit für den einzelnen Patienten aufwenden und auch nochmal über den Herrn sprechen, der schon seit einigen Tagen zunehmend agggressiver wird. Währenddessen schneiden wir einlaminiertes Therapiematerial aus - etwa 700 Karten im Spielkartenformat habe ich laminiert - aber alleine ausschneiden mag ich die nicht. Also helfen die ein oder andere Kollegin.
Danach habe ich noch zwei weitere Patienten, bevor ich dann noch kurze Dokumentationen am Rechner erledige. Bevor ich gehe, quatsche ich noch ein paar Minuten mit der lieben Kollegin. 
Heute fahre ich nicht das kleine Kindelein abholen, sondern muss zum Zahnarzt. Die im letzten Jahr begonnene Implantatversorgung kommt heute endlich zum Abschluss: nach einigen Jahren ohne große Backenzähne links unten werden diese heute dort eingesetzt. Bevor der Zahnarzt das allerdings macht, habe ich noch eine komplett unerwartete neue Füllung an dem Prämolar davor gewonnen - die Füllung schien nicht mehr ganz in Ordnung und der Doc machte Nägel mit Köpfen, weil er diesen Zahn später nur deutlich umständlicher würde füllen können. Nach den letzen Malen, wo zumeist eine Auszubildende mithalf und viele Abläufe völlig unrund waren, weil sie vielerei Erklärungen bedurften, behandelt mich heute ein komplett eingespieltes Team. An der Decke hängt ein Fernseher, auf dem unablässig Naturfilme gezeigt werden, was zwischendurch wirklich ziemlich entspannend ist. Nach einer Stunde ist der kleine Backenzahn gefüllt, die Schrauben in die Implantate eingeschraubt, die Brücke ist daraufgesetzt und einzementiert. Und wenn ich Glück habe, muss ich nun erst mal eine ganze Weile nicht mehr dorthin....
Bevor ich heimfahre, muss ich zwei Einschreiben aufgeben. Nach wie vor begleitet uns ein Erbstreit mit den leiblichen Kindern meines Vaters, der im letzten Sommer verstarb. Es ist zermürbend und es fällt mir ziemlich schwer, mich hier emotional zu distanzieren. Meist begleiten mich Gedanken dazu bei fast jedem Aufwachen, am Abend und oft auch auf den ruhigen Autofahrten, bei denen meine Gedanken Zeit und Raum haben, abzuschweifen und keiner gerichteten Konzentration bedürfen. Ich fürchte, dass das auch noch eine ziemliche Weile so bleiben wird. All zu oft frage ich mich, wie Menschen so wundersam sein können, so habgierig und hinterhältig. Mir fehlt vor allem der Vater und ich möchte die Dinge möglichst so regeln, wie er sie mir auftrug. Allerdings ist es manchmal schwer, genau daran nicht zu zerbrechen. Wenn all das einst ausgestanden sein wird, werde ich vermutlich eine große Party feiern.
Auf dem Heimweg beschließe ich spontan, mir ein paar Maki vom Sushi Mann meines Vertrauens zu gönnen. Hier ist es heute ziemlich leer (ich beschließe, ab jetzt nur noch montags her zu kommen - sonst wartet man auch gern mal eine Stunde auf Mitnahmegerichte), sodass ich um kurz nach sechs zeitgleich mit HerrnNebeL zu Hause ankomme. Die Garage ist inwzischen geöffnet . dank weiteren Versuchen mit dem Notschlüssel - und der zweite Garagenöffner ist auch wieder aufgetaucht - den hatte nämlich HerrNebeL selbst im Auto liegen lassen und die Garage gestern  mit einem Schalter geschlossen. 
Ich treffe im Haus auf zwei fernsehende Mädchen - die eine wurde von der Tante heimgebracht, die andere kam um 17 Uhr mit dem Bus von der Schule. Ich briet Schupfnudeln, welche die Kinder dann mit Zimt, Zucker und Apfelmus aßen. HerrNebeL nahm lieber den Streukäse.
Ich machte die ersten Kauversuche mit den Implantaten und meinem Sushi - alles noch sehr gewöhnungsbedürftig möchte ich mal sagen. Ich habe gar jetzt noch das Gefühl, dass da links unten etwas ist, was da einfach nicht hingehört. Aber das ist auch nicht verwunderlich nach vielen Jahren ohne Backenzähne. 
Ich beginne nach dem Essen zu bloggen und bringe zwischendurch das kleine Kindelein ins Bett. Das dauert eine ausgedachte Geschichte (mit immer denselben Protagonisten, die häufig Dinge angelehnt an das erleben, was wir oder das Kind hier auch erlebt hat/haben) und ein paar Lieder lang. Anschließend blogge ich weiter und bin inzwischen ziemlich genervt von neuen Mundgefühl und gönne mir deswegen ein Gläschen Wein, bevor ich gleich im Bett meinen trivialen Fantay Roman weiterlesen werde. 

Weiter Tagebucheinträge finden sich wie immer hier.

Montag, 12. Februar 2018

Ein Abend mit Herrn Bock

Gestern, da war ich hier und hab ihm, dem Markus, zugehört. Letztes Mal am selben Ort hat es irgendwie nicht gepasst, aber den 11. hatte ich mir schon lange auf den Kalender geschrieben.
Und es war ein schwerer Tag. Ein schwerer Tag, wie sie manchmal so sind, die Tage, an denen es etwas ruhiger wird. 
Ich hab es geschafft und bin irgendwann losgefahren. Ungeduscht - denn das Duschen hab ich nicht geschafft. Aber ganz ehrlich? Ich glaub, das hat einfach niemanden gestört, geschweige denn, dass es irgendwem aufgefallen wäre.

Fast eine Stunde vorher war ich da, und noch war das Cafe Eden ganz dunkel, auch wenn ich hinter dem Tresen wen sah. Ich ging ein paar Schritte weiter die Strasse entlang, auf der Suche nach einem Kaffee und fand ein nettes kleines Lokal, das "Kugelpudel". Der Kaffee wich dem Chai Latte und einer Kaffee Kola von Fritz. 
Um kurz nach halb sechs kehrte ich zurück und setzte mich ins Cafe Eden - und war stolz, es tatsächlich geschafft zu haben.
Es wurde voll, sehr voll. Und ich war froh, gemütlich auf einem Sessel sitzen zu können.


Ich weine nicht. Oder ich weine selten, ich weine fast niemals wegen mir. Nicht, weil ich nicht wollen würde, sondern weil ich es nicht kann. Es gibt Situationen, in denen ich weinen kann - das aber sind wenige und wenige Menschen kennen Tränen von mir wegen mir. Ich kann weinen wegen eines Todes, eines Verlustes. Ich kann weinen aus Freude. Ich kann weinen, weil mir jemand etwas Bewegendes erzählt von sich. Ich kann weinen vor Rührung. 
Aber ich kann nicht weinen aufgrund meiner inneren Traurigkeit, meiner inneren Aufruhr, meiner Verzweiflung, meiner Angst, meiner Ohnmacht. Ich kann nicht weinen, obwohl es so dunkel ist, kann nicht weinen, obwohl ich mein Leben als so wenig lebenswert erachte für mich. Kann nicht weinen, weil mir alles zuviel ist. Vor vielen Jahren schrieb ich, dass es ein ungeweintes Meer gäbe aus Tränen in mir. Und das ist wohl heute noch so.

Gestern aber, da liefen Tränen- Einfach so. Und das nicht nur einmal. Es waren Tränen, weil Markus mich berührte, mit dem, was er erzählte von sich. Aber eben auch, weil er anrührte, was in mir ist. Weil manches sich so gleicht. Und so weinte ich Tränen, die ihm galten, weil mich sein Schmerz berührte - und zugleich weinte ich meine eigenen. Es war okay, und es war auch gut. Nichts daran fühlte sich schlecht an. Ich konnte das einfach so hinnehmen und akzeptieren und zugleich war da nie auch nur der Hauch einer Gefahr, abzustürzen in den Abgrund, es gab nie die Gefahr, dass der Strom nicht versiegen würde, was viele, viele Jahre meine Angst war - wenn ich mir und den Tränen nur einmal nachgeben würde, so wäre ich verloren. War ich nicht. Kein bisschen. Und auch das war gut.

Markus sprach von radikaler Akzeptanz. Selbige lebe ich an vielerlei Stelle schon lange und habe gemerkt, dass ich da stolz drauf sein darf. Weil genau das gut ist. Keine radikale Akzeptanz, die am Weiterentwickeln hindern würde, sondern eine, die vor der inneren Niedermetzelei des eigenen Selbst schützt. Rückblickend gab es dieses Gemetzel lange in mir, als Jugendliche, als junge Erachsene und auch noch als gestandene Frau. Heute hat es sich beruhigt. Weil ich akzeptiere. Was nicht heisst, dass ich beispielsweise mein Verhalten nicht als negativ bewerten und einsehen kann, auch nicht, dass ich mich nicht entschuldigen kann, wenn ich anderen damit wehtue. Ich kann akzeptieren und nur aus eben dieser Akzeptanz heraus mich selber kritisch und konstruktiv hinterfragen und Konsequenzen ziehen. Und das ist wunderbar.

So vieles erschien mir gleich, so vieles ganz anders, so manches ähnelt sich. Jeder hat und trägt seine Geschichte, die doch aber häufig irgendwo irgendwelche Parallelen aufweist. Und es ist zum einen tröstlich, zu wissen, dass dem so ist und zum anderen wunderbar, dass Markus mit seinen Veranstaltungen dafür sorgt, dass dies in der Öffentlichkeit Raum hat. Nicht nur in der virtuellen Welt, nicht nur in der des geschriebenen Wortes, sondern in der Öffentlichkeit, in der  Gesichter sind. In der Begegnungen sind. In der Menschen sind, die betroffen sind, Menschen, die sich interessieren für das Thema Depression, aus vielerlei Grund. Und die aus eben diesem Grund zusammenkommen. Das finde ich toll.

Der Umgang mit dem Thema Suizid ist oft ein schwerer. Ich glaube, ich kenne kaum einen Menschen, in dessen Umfeld sich niemals jemand suizidiert hat. Suizid hat viele Schrecken. Und er ist meist ein Tabu Thema.  Dabei sind da so viele, denen der Gedanke daran nicht fremd ist. Und ja, ich war beeindruckt von Markus Umgang mit eben solchen Gedanken. Gedanken, die mich oft begleiten. Manchmal täglich. Und sicher darf ich mich glücklich schätzen, dass ich nicht ständig jeden Tag mit diesen Gedanken leben muss. Aber sie sind dennoch ein Teil von mir. Was aber noch lange nicht heisst, dass ich - auch in schlimmen Phasen - akut suizidal wäre.
Sinngemäß sagte Markus, dass ich von der Existenz der Gedanken an Suizid nicht sterbe.          Eben.  Sie können viele Funktionen haben, und ich bin sicher, dass dies sich von Mensch zu Mensch unterscheidet. Ob ich sie nun als Indikator dafür sehe, dass ich mich - dringend - um mich kümmern muss, oder ob ich sie akzeptiere und in irgendeiner Form anders darauf reagiere. Sprechen kann ich nur für mich an dieser Stelle. Ich bin mir ihrer bewusst und auch der hinter ihr verborgenen Sehnsucht. Ich bin mir auch bewusst, dass in mir viele Kontrollinstanzen sind, die mich im Leben halten und ich bin mir auch der Dinge bewusst, die mir das Leben lebenswert machen - selbst wenn ich sie oft nicht spüren kann. Aber ich weiß, welche das sind und muss vetrauen und vertraue darauf, dass es besser werden wird. Vielleicht nicht gut. Aber besser.  Wenn ich jedoch an Stellen käme, an denen Gedanken an den selbstgewählten Tod unangeschaut und unreflektiert in mir herumschwirren würden, so wäre die Gefahr der Umsetzung eine ungleich größere. 

Wie Markus bin ich auch ein Teil dankbar für die Depressionen, für den Weg, für das, was genau deswegen aus mir geworden ist. Ohne meine psychische Erkrankung wäre ich heute nicht die, die ich bin. Ich bin entfernt davon, mich lieb zu haben. Aber an vielen Stellen mag ich mich heute. An vielen Stellen finde ich mich, meine Ansichten, meine Empfindsamkeit, meine Empathie und manches andere wirklich gut. Und manchmal verteufele ich sie. Aber unterm Strich habe ich vieles gewonnen, weil ich mich durch so viele Dunkelheiten und Abgründe kämpfen musste. Ich habe bis hierher überlebt und werde das auch noch weiter tun. Und ich wünsche mir sehr, dass dieses Überleben irgendwann dauerhafter zu einem Leben wird. Denn es ist anstrengend. Fast jeden Tag kämpfe ich. Verschiedene Kämpfe, oder vielleicht auch ein und denselben Kampf, in dem ich aber  verschiedene Standpunkt einnehme. Ich kämpfe manchmal gegen die Welt da draussen. Meist aber kämpfe ich gegen mich, um einen Weg zu finden, in dieser Welt ankommen zu können. Oder um mir meine eigene, lebenswerte kleine Welt in dieser großen aufzubauen. Oder ich kämpfe mit dem Teil von mir, der erkrankt ist. Mit dem Teil, um mit eben diesem einen Platz in der Welt zu finden. Oder gegen diesen Teil, um dasselbe zu erreichen. Es ist verschieden, je nach dem, wie es gerade ist. Je nach dem, an welcher Stelle ich stehe. Der größere Teil des Kampfes heute ist der, mit der Erkrankung zu leben. Früher kämpfte ich fast ausnahmslos dagegen. Gegen alles. Heute akzeptiere ich oft. Und begrüße vieles wie alte Bekannte. Manchmal begrüße ich auch alte Freunde, die mich ein Stück begleiten, weil sie gekommen sind, um mein Überleben zu sichern. Weil sie eine Funktion haben. Und jedesmal, wenn sie vorbeikommen, bin ich - nachdem sie sich scheinbar von sich aus zurückziehen oder nachdem ich sie manchmal sanf verabschiedet, manchmal bestimmt rausgeworfen habe - ein Stück des Weges weitergegangen, meistens nach vorn. Nicht immer. Ich gehe auch zurück. Aber der Weg nach vorn ist unterm Strich meist der weitere.

Gestern habe ich innerlich den Kopf geschüttelt, als Markus eine Frage beantwortet hat. Ich sah es anders. Ist es eine Form von Glück, in der Lage zu sein, für sein Leben, für sein Glück zu kämpfen? Und es dadurch erreichen zu können? (Hier fehlt mir ein Teil der Antwort vielleicht, aber letzlich war das der in mir aufgenommene Sinn der Antwort).
Ich dachte nur, nein, das ist es nicht. Es ist anstrengend. Dieser immerwährende Kampf ist anstrengend. Mal mehr und mal weniger, unterm Strich aber eben Tag für Tag. Nein, das ist kein Glück.
Aber nachdenkend kann ich zustimmen. In der Lage zu sein, überhaupt kämpfen zu können und an mancher Stelle auch erfolgreich damit zu sein - kann glücklich machen. Es macht mich tatsächlich an vielen Stellen glücklich, oder vielleicht eher dankbar. Ein wenig glücklich sein ist dabei, aber ich glaube, die Dankbarkeit ist größer. Da ist - vor allem mit dem Glücksding - noch Luft nach oben, oft auch sehr viel Luft nach oben. Und dass eben dieser Kampf nicht anstrengend ist, hat niemand gesagt. Im Gegenteil. Aber es lohnt sich. Auch wenn das nicht immer zu sehen ist. Aber unterm Strich ist das so.

Da war noch so vieles mehr, was sich in mir bewegte und sich noch bewegt.
Dafür sage ich  Danke. Ein Danke, was vielschichtig ist. Und ein Danke, das ganz tief von Herzen kommt.

Und jeder der die Gelegenheit bekommt, ihm zuzuhören, sollte das tun finde ich.





Montag, 5. Februar 2018

WMDEDGT - Februar 2018

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats:"Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Verkorkst ohne nennenswerten Grund könnte ich zu heute  wohl sagen. Vielleicht erschließt sich mir der ja aber im Niederschreiben...
Der Tag startet per se schon mal fürchterlich:Weckerklingeln mit der Notwendigkeit, aufstehen zu müssen, obwohl ich mit Schlafen noch kein bißchen fertig bin. Auch wenn das ein Dauerzustand ist, so ist es halt eben jeden Tag ein blöder Start. Irgendwann aufgestanden geht es, aber bis dahin ist das Leben ansich nicht mein Freund. So eben auch heute. Beim Haus verlassen - gemeinsam mit dem kleinen Kindelein und dem Gatten (das große ist bereits mit dem Bus unterwegs) - wird es nicht besser: die Autos sind vereist. Wieder einmal muss ich tief atmen ob der Tasache, dass da ein tolles Auto völlig sinnfrei in der Garage rumsteht, nur weil die Kinder meines Stiefvaters gerade dabei sind, jedwedes Steinchen, was zu finden ist, rumzudrehen, um doch noch 3,50€ mehr vom Erbe des Mannes zu bekommen, mit dem quasi oder tatsächlich viele Jahre gar kein Kontakt bestand. Bis das geklärt sein wird, wird noch viel Zeit verstreichen - und der Wagen meines Vaters ungenutzt in der Garage rumstehen. Pure Verschwendung (des schönen Autos UND des Garagenplatzes). Und schon startet die gedankliche Dauerschleife, was dazu noch alles zu erledigen ist. Und zu bedenken. Und in Erfahrung zu bringen. Undundund. Noch dazu geht erst mal keine meiner Autotüren au,  und die Eisschicht ist kaum abzukriegen. Ein kleiner Lichtblick ist, dass HerrNebeL mir hilft, nachdem er aus seiner Garage gefahren kommt. Auf der Fahrt zur Arbeit gedankenschleife ich weiter vor mich hin, komme aber dank wieder funktionierendem Spotify mit netter, ruhiger Musik ein klein wenig in die Spur (und in die Melancholie Schleife. Ich habe die Musik offensichtlich doch nicht soo gut gewählt). Ausserdem wird es langsam hell, es ist klar und Morgennebel steigen von den Feldern auf. Ich bin versucht, kurz anzuhalten und ein Bild zu knipsen, verwerfe den Gedanken dann aber doch.
Später als gewollt am Arbeitsplatz habe ich erst mal ein fettes Loch in der Arbeitshosentasche und verliere fast meinen Schlüsselbund. Immerhin nur fast. Zum dritten Mal in einer Woche renne ich in die Wäschereiabteilung, um neue Arbeitskleidung für 6 zu holen - die Aufteilung untereinander funktioniert eben meist so... gar nicht. Da meine Hosen momentan hoffnungslos zu groß sind, suche ich kleinere - die aber alle zu kurz sind. Also laufe ich entweder rum wie ein Depp in zu kurzen Hosen oder wie ein Schlonz in weiter Schlabberkleidung. Insgesamt ist das am Ende aber nur halb so wild, weil wir eh alle... nun ja, nicht so nett ausehen, wie man eben aussehen könnte. Demnach ist das kleine bisschen Depp oder Schlonz auch egal.
In der Frühbesprechung gehts nach dem obligatorischen Gespräch über wichtige aktuelle Patientenbelange um den besiegelten Weggang einer lieben Kollegin. Wieder eine, die (auch) dem blöden System zum Opfer fällt. Dem System, das gute Mitarbeiter gar nicht halten möchte, weil es eben nicht bereit ist, Anreize zu bieten, vor allem in finanzieller Form. Mehr Bezahlung hieße weniger Gewinn. Gesundheitswesen als Wirtschaftsunternehmen. Um Patienten geht es da in der Regel nicht. Um Mitarbeiterzufriedenheit auch nicht. Bezahlung im Gesundheitswesen ist ... unterirdisch, vor allem wenn man jung ist. Nein, vielleicht nicht überall. Aber bei uns. Ich beschränke mich darauf, mich für die Kollegin zu freuen, weil sie quasi neben der Haustür arbeiten UND nach Tarif bezahlt werden wird. Gold wert. Fehlen wird sie mir dennoch, weil es eine ganz liebe und nette Kollegin ist, die zudem gut mit unseren Patienten umgehen kann. 
Der Tag will definitiv weiter düster bleiben, ich bemühe mich aber, genau das abzuschütteln, trinke den Kaffee aus und versuche mich dann pragmatisch am neuen Scanner System: jeder Patientenkontakt muss mit Scanner und individualisierten Barcodes abgescannt werden zur Leistungserfassung. Ich komme mir vor, wie an der Suopermarktkasse - es piept. Und piept. Ein Pfund Butter-piep, ein Kilo Mehl-piep, eine Flasche Cola - piep... Ach, nein, gar nicht. Frau X - piep, Herr Y- piep, Herr Z - piep. Nicht drüber nachdenken, einfach weiter. (Am Ende des Tages stellt sich eh raus, dass da nur 2 Patienten überhaupt qua Scan in meinem System gelandet sind. Klappt ja super.) Nach sieben Patienten, einem langen Gespräch über die drohende Notwendigkeit einer PEG (einer Magensonde durch die Bauchdecke) zur ausreichenden Flüssigkeitssubstitution und vielen großen und kleinen Dingen, die so nebenher laufen, später, wage ich erneut den frustranen Versuch, einen Sachverständigen zur Nachlassbewertung ans Telefon zu bekommen. Anschließend trinke ich einen Kaffee mit den Sprachtherapiekolleginnen, die heute da sind und mache mich anschließend auf zur Teambesprechung. Nach dieser piepe ich mit dem Scanner erneut, um die letzte Patientin in die gewünschte Leistungserfassung zu bringen. Die nach der Therapieeinheit folgenden 30 Minuten  Dokuzeit reichen wieder einmal hinten und vorne nur für die Hälfte dessen, was ich zu erledigen habe. Dementsprechend düse ich wieder mal kurz vor knapp vom Parkplatz und jage über die Autobahn, K2 von der Schule abzuholen. Ich schaff s pünktlich. 
Die Notwendigkeit, dass sich alle Teammitglieder am Überraschungskuchenenessen der Kollegin zum 60. Geburtstag zu beteiligen haben (an dem ich nicht mal anwesend bin), huschen wir noch "mal eben" in die Stadt, treffen dort das große Kind und suchen Tischdeko. Und werden nicht wirklich fündig, benötigen aber viel Zeit. Am Ende sind die Kassen im letzten Laden völlig voll, der Parkscheinautomat kaputt und wir verlassen das Parkhaus deswegen erst um etwa 17 Uhr 12. Es steht eine Heimfahrt von 12-15 Minuten an, ich muss noch Brot kaufen und eigentlich muss ich um 17:45 Uhr fünf Minuten vom Parkhaus entfernt - natürlich in dem Heimweg entgegengesetzter Richtung - sein.
Schweren Herzens cancele ich diesen Terminm - der zwar schaffbar, aber mir nun viel zu stressig geworden ist und fahre zum Bäcker und heim.
Die Kinder zanken daheim, im Hausflur stinkts riecht es nicht so richtig gut, und keiner findet heraus warum. Der Schwager entsorgte beinahe meinen einstmals geliebten, in einer Behindertenwerkstatt gewebten Wollteppich, das große Kind putzt zwar halbfreiwillig seine Winterschuhe - hätte diese aber auch komplett in der vollen Badewanne versenken können. Ich denke, nächsten Sonntag werden sie wieder trocken sein. Vielleicht. 
Natürlich waren alle Kinder später im Bett oder im Kinderzimmer als geplant und noch dazu darüber nicht so richtig amüsiert. Nun, so alles in allem bleibt der Eindruck eines vollen, verkorksten Tages wegen wohl vielerlei Kleinigkeiten. Morgen wirds vielleicht besser, immerhin habe ich abends eine Verabredung zum Singen. Wenn da nicht auch wieder etwas dazwischen kommt. 

Mehr Tagebuchbloggerei wie immer hier.

Donnerstag, 1. Februar 2018

So Gute Dinge

Neben all dem ganzen alltäglichen Durcheinander gibt es durchaus auch so ganz schön gute Dinge. 
Die beiden Kindelein vor allem. Selbstredend ist es durchaus oft laut und so ein klein wenig pubertierend gefärbt, wie soll es anders sein. Aber das ist eben auch son Alltagsding, was überall dazu gehört - und auch dazu gehören muss.
Es ist Zeugniszeit. Das kleine Kind hat sein Zeugnis bereits bekommen, weil der Übergang in die hohe Schule ansteht. Und ich bin mehr als dankbar. Nicht ausschließlich der tollen Noten wegen, sondern vor allem über die Art und Weise, wie sie in die Schule geht. Und zwar schon die gesamten drei Jahre ihrer Grundschulzeit. Sie ist unglaublich selbständig, organisiert und mitten im Thema. DIe Art des jahrgangsgemischten Unterrichts mit viel Freiarbeit hat dies zudem noch gefördert. Ich habe anfangs ein wenig mit geschaut auf die Ordnung im Ranzen, die Erledigung der Hausaufgaben, das Vorankommen in den Wochenplänen. Aber das habe ich schnell aufgegeben - weil es immer passte. Durchgehend. Ich habe ihr nie bei den Hausaufgaben ansich helfen müssen, sie nie erinnern müssen. Auch wenn es dazu Zeit in der Betreuung gibt, sehe ich die Aufgabe schon bei den Eltern, im Ganztag ist das ein zeitlicher Rahmen, aber keine helfende Betreuung in dem Sinne. Es war nehezu immer alles fertig. Und falls nicht, setzte sich das Fröschlein selbständig an den Schreibtisch und arbeitete nach. Bei Fragen kam sie auf uns zu - und das war selten.
Nun muss ich sie an der hohen Schule anmelden und ich bin wehmütig. Wurde das große Mädchen damals gefühlt so schnell - noch - größer. Und das kleine Mädchen ist doch noch so klein... Tatsächlich ist sie das ja auch im Altersvergleich, eben ein Jahr jünger als alle anderen. Und ich weiß, da kommt ganz viel Loslassen auf mich zu - und das ist wahrlich keine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
Das große Kindelein bekommt morgen ihr Zeugnis. Ich werde es allerdings erst am Sonntag sehen, da morgen die Orchesterfahrt des Schulorchsters ansteht, direkt im Anschluss an den Unterricht. Aber auch hier erwarten wir keine sonderlichen Überraschungen. Sie war auch immer schon selbständig und fand zudem im letzten Jahr noch Gefallen daran, aktiv und selbstbestimmt hier und da etwas für den Unterricht zu tun und wurde belohnt - nicht nur was die Noten angeht sondern an vielerlei Stelle vor allem durch Zuspruch in der Schule. Sie kommt auch und bittet um Hilfe, wenn es nötig ist. Häufig ging sie damit zueltzt aber zum Opa - dem Vater von HerrnNebeL - und die beiden verbrachten Nachmittage lernend an deren Esstisch und hatten Freude daran.
Ich muss mich um nichts kümmern und bin auf die beiden Mädchen so unglaublich stolz. Alles was es schulischerseits zu jammern gäbe, wäre auf absolut höchstem Niveau - und mir fällt nicht mal etwas ein, keine Kleinigkeit, die ich  mir im Moment anders wünschen würde.
Das ist eigentlich ein kleines, aber irgendwo in Wahrheit ein riesengroßes Glück. 
   
💗

Mittwoch, 17. Januar 2018

So Sport

Ich bin eigentlich ein bekennender Sport Muffel. Eigentlich. Der Herzensport hat mir schon Spaß gemacht, aber so insgeheim gab es auch dort einen überdimensionierten Schweinehund. Aber beim Mannschaftssport konnte ich den ganz gut überwinden. Ich fand nur nie einen Alternativsport. In Ansätzen gefällt mir Rad fahren. Mountainbiken - in gemäßigtem Tempo. Aber die Berge und die Ausdauer - und der Schweinehund machen es mir nicht so leicht.
Nun gibt es aber ein Ziel. Einen Zeitpunkt im Sommer und viele Leute, die mit machen. Das Ziel ist ziemlich verrückt und ziemlich dreckig. Und irgendwann erzähl ich auch davon. Und dieses Ziel führt zu diversen regelmäßigen Sportverabredungen.

Gestern twitterte ich dies:



Und ging zum Sport. Und eigentlich lag ich da nur rum. Es war sogar auch ganz nett. Aber ich habe wirklich nur auf der Matte gelegen und n bisschen rumgehampelt.

Heute nun bin ich mir meines Rumpfes (und der Fehlentscheidung!!) recht bewusst. Und habe an so wundersamen Stellen offensichlichen Muskelkater, wo ich noch niemals Muskelkater hatte. Dass sich nach Crunches halt ein wenig Bauchmuskelkram einstellen würde, da war ich ja drauf gefasst. Aber die Rippen? Die Hüften? Mannomann.

Morgen geh ich da vermutlich verabredet erneut hin (Aber vielleicht stell ich einfach das Telefon und die Klingel aus und tu so, als wär ich gar nicht da). Auf Dauer könnte ich ja einfach  die Hoffnung hegen, dass das nach ein paar Malen möglicherweise keine schmerzhafte Rumpfbewusstheit mehr nach sich zieht. Raus komm ich aus der Nummer sowieso nicht mehr. Aber so ganz eigentlich soll das ja sogar gut sein, so Sport. Ich versuche in den nächsten Monaten dann mal, ein wenig Gefallen daran zu finden. Ich fürchte, das wird n hartes Ding.

Montag, 8. Januar 2018

Vom Übergang

Wir sind nun nicht so die großen Party Menschen. Vielleicht auch einfach nicht mehr. Und irgendwie war das letzte Jahr sicherlich keines der allerbesten. Und auch, wenn ich nix davon halte, das neue, kommende, noch unverbrauchte Jahr irgendwie zu glorifizieren aka  "alles wird besser", war ich eingestellt auf einen recht ruhigen Übergang im Kreis lieber Menschen. 
Aber so ganz kurzfristig änderte sich der Plan - und das war so gar keine Option für mich. Ich brach ziemlich zusammen und suchte, nachdem ich mich halbwegs gefangen hatte, Alternativen. Daheim bleiben wäre eine Option gewesen. So prinzipiell. Wenn wir denn alleine leben würden.  Alles in mir schrie aber nach Abstand, nach meinem Leben, nach meinen Wünschen. Und keine der noch bestehenden Alternativen passte.

Letzlich verbrachte ich den Übergang allein unter Fremden. Aber eigentlich vor allem allein mit mir. Im alten Gemäuer eines Landgutes, umgebaut zum recht großen Tagungshotel. Mit zwar vielen Zimmern - aber nahezu alle Gäste hatten ein Silvesterarrangement gebucht. Mit Frei Essen und Trinken, mit live Musik und Tanz und Bar. 
So war das bis 23.30 geöffnete Spa quasi meines. Und nach dem zweiten Versuch "Dinner for one" - auf NDR lief es tatsächlich in Farbe! Frevel - besuchte ich zwischen halb sieben und 23 Uhr mehrfach Sauna, Sole Sauna, Sole Dampfbad, die Ruheliegen, das Schwimmbad und wieder von vorn. Dabei las ich ein langes Buch und war einfach nur mit mir.
Gegen 23.45 Uhr setzte ich mich frisch geduscht und warm eingepackt in den langen gemauerten, überdachten Eingang mit meinem Piccolo aus der MiniBar vor eine Feuerschale und sah den in einiger Entfernung stehenden Menschen des Arrangements beim Wunderkerze halten zu. Diese gingen fast alle schnell wieder hinein, weil es arg kalt war und das kleine Schwarze dann doch recht dünn zum in der Kälte herumstehen.
Ich las weiter, trank noch ein Sektchen und setzte mich auf dem Weg zum Zimmer anschliessend noch ungeplant ein Stündchen vor dem Kamin, der auf dem Weg lag.

Ein halber Tag nur ich und meine Bedürfnisse. Nicht perfekt - aber schon ziemlich gut. Entstanden aus einem prinzipiell blöden Grund, aber ich habs gelöst. Gut gelöst. HerrNebeL war stolz auf mich, die Kinder haben mich ein wenig vermisst (aber nur ein wenig). Dennoch hatten alle anderen der Familie am ursprünglich geplanten Ort in erweiterter Besetzung einen sehr schönen Abend.

Ein kleiner Anfang vielleicht für ein bisschen mehr "ich" in meinem Leben.



Freitag, 5. Januar 2018

WMDEDGT - Januar 2018

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats:"Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Das kleine Kind weckt mich, als es zu mir ins Bett kommt und sich ankuschelt. Weil die Kinder noch Ferien haben, kann ich noch ein Weilchen mit ihr kuscheln, bevor ich aufstehe und mich fertig mache. Der erste Gang führt - wie jeden Morgen - zum Supermarkt um die Ecke, wo ich dasselbe kaufe wie jeden Morgen (Limo und kalten Kaffee). Heute ist der stellvertretende Geschäftsführer im Frühdienst, was er sonst selten ist. Wir lachen wieder einmal über dieselben belangosen Dinge, was ich aber sehr mag. Überhaupt gefällt es mir, dass mich alle Mitarbeiter dort kennen. Dann fahre ich zur Arbeit und finde es - wie ebenfalls jeden Morgen derzeit - viel zu dunkel und überhaupt gehört Auto fahren im Dunkeln irgendwie nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung. Ein Lied im Radio erinnert mich an die in Neuseeland weilende Freundin, die "workt and travelt" und ich vermisskniepere ein wenig.
Im Büro sitze ich um zehn vor acht, und weil das Handy auf spotify hängt, plane ich meinen Tag mit "Alles passiert" von den Toten Hosen in Dauerschleife. Die jüngste Kollegin bringt mich auf den neuesten Stand des Teams - das Team Treffen findet immer an meinem freien Tag statt und heute bin ich darüber wieder einmal sehr sehr froh - weil viel zu viel schief lief und Verantwortlichkeiten scheinbar recht unreflektiert von a nach b nach c verschoben wurden, sodass am Ende alle einen Scheiss Tag gehabt haben. (Ausser mir, weil ich ja frei hatte und mit den Kinder bowlen war. ).
Auf Station war leider auch einiges schief gelaufen, was ich dann wieder gerade bügeln durfte. Hierzu entwarfen die direkte Kollegin und ich dann aber später eine Handlungskonsequenz in der Hoffnung, das die wieder ein bisschen Struktur in das Chaos bringen wird. We´ll see.
Bis zum Mittag behandelte ich 7 Patienten, erledigte dann ein Telefongespräch mit einem Notarbüro und setze mich noch ein Viertelstündchen zu den Kolleginnen der Abteilung. Relativ schnell fragte ich mich jedoch, warum ich um alles in der Welt da sitze, anstatt allein und in Ruhe in meinem Büro. Ich denke, der Grund ist momentan einzig und allein die Kaffeeemaschine. Viel mehr gibts dazu grad wohl auch nicht zu sagen.
Anschliessend noch 2 Stunden Therapie, eine kurze Weile Dokumentationszeit und n Haufen Orga Kram, bevor ich - mal wieder - später als Feierabend das Haus verlasse. Vergütungen gibts dafür nicht, geschweige denn Überstunden. Pro Woche schenke ich dem Unternehmen mindestens 3 Stunden meiner Zeit - weil ich meinen Job gern und gewissenhaft mache. Aber manchmal macht mich das schon ärgerlich, dass das eigentlich keinen interessiert, geschweige denn, dass das irgendwer honoriert. Natürlich kann ich Dienst nach Plan machen, laufe dann aber Gefahr, dass ich beim stets wechselnden Patientengut nicht gut informiert bin, keine Therapie geplant habe, und eigentlich keinem gerecht werde. Manch eine arbeitet so. Ist aber halt nicht meins.
Ich komme zeitgleich mit einer befreundeten Mutter zu Hause an, mit der ich verabredet bin. Wir trinken Kaffe, quatschen über unsere Kinder, die an mancher Stelle so ähnlich ticken und freuen uns über die Möglichkeit des Austausches, der nicht wirklich selbstverständlich ist, weil die Kinder halt sind wie sie sind - eben irgendwie anders (aber toll!).
Mittendrin muss ich ein bisschen veratmen, weil die unter uns lebende Mutter dringend ad hoc und auf der Stelle Termine abklären muss und vor allem will und mir die Tür vor der Nase zuknallt, als ich aufgrund von Besuch darum bitte, dies später zu besprechen, weil sich eben keine sofortige Klärung hinbekommen lässt. 
Gegen sieben geht die Freundin, ich kläre dies und das mit dem Gatten und beginne zu bloggen. Aufgrund einer mir völlig unerklärlichen Tastenkombination lösche ich den fast fertigen Post unwiderruflich (vermutlich war ich nur zu blöd) und beginne neu. Herr NebeL fährt los und holt das kleine Kind bei einer Freundin ab, ich lausche der lauten Musik vom großen Kind, tippe weiter und vergesse dabei, Pizza zu bestellen. Jetzt ist es dafür gleich neun Uhr, ich habe nichts zu Essen hier und auch noch nichts geordert und überlege, ob ich nicht eh lieber auf #Freitagabendalk umsteigen soll. Das allerdings ist wohl für den Gatten und das große Kind eher keine Option, sodass ich nun wohl doch den Pizza Mann anschreiben werde.
Anschließend werd ich heute in der Wanne verschwinden, die Kinder noch circa drölfzig Mal erinnern, dass es trotz Wochenende so etwas wie eine kinderfreie Zone gibt - aufbleiben ist erlaubt, aber irgendwann halt im Kinderzimmer - und vermutlich meine vor Trivialität triefende Fantasy Trilogie dann doch mit nem Gläschen Wein leer lesen, anschliessend dasselbe mit dem Internet tun und irgendwann zwischen 1 und 3 im Bett landen. Aber das ist dann schon der 6. :-)

Weitere Tagebuchbloggerei wie immer hier, bei Frau Brüllen.