Montag, 2. Juli 2018

Im Juli...

  • wird das kleine Kindelein seine neue Klasse auf der hohen Schule kennenlernen
  •  feiern wir den 9. Geburtstag eben diesen Kindes
  •  verkaufen wir das letzte Kinderfahrrad im Hause, weil K2 nun auch ein 27,5 Zoll Mountainbike bekommt (auch K2 ist eher groß...)
  • veranstaltet die 8. Klasse vom großen Kind ein zwangloses Jahresabschlusstreffen auf dem Schulhof - Tradition seit der 5. Klasse
  • fahre ich zumindest zeitweilig auf ein Hockey-Spass-Turnier für inaktive Damen ab 30 (30!, ha!)
  •  feiern wir den Abschied von der jetzigen, altersgemischten Klasse des kleinen Kindes
  • bekommt HerrNebeL hoffentlich jobtechnisch positive Nachrichten
  •  wenn ja, werden wir Entscheidungen treffen müssen
  • wird die beste Freundin der kleineren Tochter nach Bayern ziehen
  •  nehmen die Kinder - vermutlich zum letzten Mal - an einer großen Tanzvorstellung der Tanz und Ballettschule teil (der neue Sport ist dann Cheerleading...) 
  • bekommen die Kinder Zeugnisse und dann 6 1/2 Wochen Ferien
  • jährt sich der Todestages des Vaters zum ersten Mal
  • wird das große Kind zum ersten mal in ihrem Leben fliegen. Und das ohne uns... (sie reist mit der Familie ihrer Freundin nach Kos) 
  • steht wahrscheinlich ein Notarbesuch an
  • werden wir das große Kind hoffentlich wohlbehalten, vollgetankt mit Sonne und tollen Erlebnissen wieder in Empfang nehmen
  • startet für uns Große ein ruhigerer Alltag - entspannteres Aufstehen, keine festen Termine, zu denen wir die Kinder bringen müssen
  • beginnen wir langsam mit den Vorbereitungen für den Jahresurlaub auf der Lieblingsinsel

.... scheint´s insgesamt recht entspannt zu werden, denn die Termine liegen alle bereits in der ersten Monatswoche. Das klingt ziemlich gut, da können wir uns schon mal auf den dringend nötigen Urlaub eingrooven. Auch wenn ich ein klein wenig in Sorge bin, da meine Schwester zeitgleich im Urlaub und die Mutter somit allein sein wird. Ich fürchte, das haben wir  ziemlich blöd (oder eben gar nicht) geplant - ist nun aber auch nicht mehr zu ändern.

Dienstag, 5. Juni 2018

WMDEDGT - Juni 2018

Frau Brüllen fragt wie jeden 5. eines Monats seit einigen Jahren "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?". Enstanden ist diese Idee von ihr nach einer ganzen Woche Tagebuchbloggen. Ich war damals bereits dabei und mache inzwischen wieder gerne mit.

Das Aufstehen am Morgen ist mehr oder weniger alltäglich. Das kleine Kind liegt bei uns und hört weder Wecker, noch reagiert es auf drölfzig Weckversuche. HerrNebel steht auf, ebenso das große Kind und sie geben sich die Badezimmerklinke in die Hand. Weil das kleinere Kind tendenziell viel Zeit benötigt im Gegensatz zu mir, wecke ich weiter und weiter und weiter, um ihr den Vortritt im Bad zu lassen. Irgendwann ist es geschafft. Das große Kind verlässt derweil das Haus. Hier spielen sich kleinere Dramen ab, weil das kleinere Kind in großer Sorge ist, dass sie ab Sommer ihrem Gefühl nach tagtäglich den Bus zur hohen Schule verpassen wird (wird sie nicht, aber mir wird am Morgen wenig Glauben geschenkt...). Um viertel nach sieben verlassen auch wir verbliebenen Drei das Haus, HerrNebeL fährt zur Arbeit, ich das Kind zur Schule, die einige Kilometer entfernt ist. Von dort fahre ich weiter zur Klinik, in der ich arbeite und bin noch deutlich vor acht Uhr dort. Mein Kollege schneidet gerade vor meinem Fenster die Büsche (er ist der Gärtner...), und wir unterhalten uns über das momentan herrschende Durcheinander, in dem keiner das Gefühl hat, dass mit offenen Karten gespielt wird. Von oben gibt es nur einen Haufen subtile Statements, Gespräche und Handlungen, deren Sinn sich leider oft nicht erschließt. Inzwischen ist fast nur noch Thema, in wie weit der Einzelne sich instrumentalisieren lässt und wie damit umzugehen ist, um sich nicht aufzureiben. Schon recht frustirerend, wenn ich genauer drüber nachdenke. Anschließend checke ich meinenTagesplan, lese Befunde und Therapieverläufe und plane meinen Tag. Dann düse ich noch schnell in die Wäschevergabe und bestelle mir endlich neue Arbeitskleidung, weil die alten viel zu groß geworden sind. So werde ich in einigen Wochen wieder persönliche Shirts und Hosen haben, die im Rregalfach 613 herumliegen werden. Momentan muss ich mir immer Hosen und Shirts aus der "PoolWäsche" für Praktikanten herausfischen. Dummerweise sind die Hosen beispielsweise gern auch mal zu kurz - ich muss halt nehmen, was da ist, wenn ich etwas Neues brauche. Und Hosen mit langen Beinen scheinen immer sehr schnell in meiner Größe vergriffen.
Mit Kaffee sitze ich um viertel vor neun im Stationszimmer, es gibt eine Übergabe. Zwischen neun und zwölf Uhr dreißig behandele ich Patienten, nach der Pause ebenso bis gegen drei Uhr. Dann habe ich noch eine Weile Zeit zum dokumentieren.
Ich fahre zur Schule des kleineren Kindeleins und hole sie ab; das große Kind ist dienstags bereits vor uns zuhause, weil sie nur bis 15 Uhr Schule hat; normalerweise hat sie - außer freitags - bis knapp 16 Uhr Unterricht. 
Ich schmeiße die Kaffeemaschine an und fülle mir meinen Kaffeebecher für unterwegs, weil kaum später die älteste Hockeyfreundin vorbei kommt, um mich abzuholen. Das große Kind schließt sich an, das kleinere bleibt daheim. Sie hat um 17.30 Uhr in der Musikschule gegenüber Gitarrenunterricht, zu dem sie selbständig hingeht. Wir anderen fahren gemeinsam mit dem Sohn der ältesten Sportfreundin zum hiesigen Sport discounter. Im Juli steht ein "Seniorinnen" Turnier in der Nachbarstadt an, zu dem wir gemeldet sind. Bedingung: die Spieler müssen über 30 sein (dass dies bei  mir und der Freundin schon lange, sehr sehr lange der Fall ist, und die 3 auch schon recht lange vorüber ist, fürchte ich, wir müssten uns bald gar nach einem "Oldie" Turnier umsehen....). Für dieses testeten wir verschiedene Shirts, die als Trikots beflockt werden sollen. Das große Kind brauchte noch dies und das und wir verbrachten am Ende doch mehr Zeit dort als eigentlich geplant.
Dann  bin ich nur zehn Minuten daheim, um mich zum Sport umzuziehen und die Tasche zu packen. Ein Päckchen kam an, was ich schnell noch auspacke - ein "neues" Parfum. Ich mag Parfum an mir selten, und so nutze ich meines seit mindestens 15 Jahren. Bals ist es leer, sodass ich mir einfach dasselbe erneut kaufen wollte. Dies gestaltete sich schwierig, da es gar nicht mehr hergestellt wird. In den Tiefen des www war es natürlich trotzdem noch irgendwo zu bekommen. Nachdem ich die Flasche ausgepackt habe, beschließe ich, doch besser direkt auf das neue umzusteigen... Ich denke, es ist außerdem besser, es im Karton auzubewahren.... 

                                     Der Zahn der Zeit hat hier wohl arg dran genagt...


Nach dem Asupacken hole diesmal  ich die Sportfreundin ab und wir fahren zum CardioBoxen Kurs ins Fitness Studio. 45 Minuten Boxbewegungen im Takt zu Musik abwechselnd mit Ausdauerherumgehampel macht viel Spaß, auch wenns zwischenzeitlich ganz schön anstrengt. Wir treffen dort meine Schwester. WIr beide tauschen diverse zu erledigende Dinge im Eiltempo aus - darin sind wir zwischenzeitlich sehr geübt. Kurz Neuigkeiten und to-dos besprechen und verteilen. Die heutige Ausgabe drehte sich um Steuern, Notar, Termine, Geschenke, Bankgeschäfte und Finanzen. Ausnahmsweise waren die nervenden Erbstreitigkeiten (die leiblichen Kinder meines Vaters, die seit Jahren quasi kontaktlos waren, gegen meine Mutter. Mit wundersamen Fragen und Vorwürfen. Vor allem eben unglaublich nervtötend) dieses Mal kein Thema. Nach einer kurzen Pause besuchen wir noch den folgenden Kurs - Bauch, Rücken und Stabilisationsübungen.
Nach dem Sport bringe ich die Freundin heim. Wir quatschen noch ein wenig vor der Tür, bevor ich selber nach Hause fahre. Nach ihrem Tipp, was unsere derzeitige Fernsehstörung verursacht haben könnte, steige ich, wie neulich schon, aufs Dach und schraube die Anschlüsse der Satellitenschüssel ab. Leider sehen diese ganz hervorragend intakt aus, dennoch mache ich sie neu, entisoliere die Kabel und schraube sie erneut fest. Der erhoffte Effekt bleibt aus und das Fernsehen still. Uns stört das nicht so sehr, die Mutter unter uns leider schon. Schuld war möglicherweise der Sturm und Starkregen letzte Woche, der unsere Stadt ziemlich arg gebeutelt hat.
Früher ließ mein Vater sich das Herumsteigen auf dem Dach nicht nehmen; er selber hat die Anlage auch installiert - und besprüht. 

Der Gatte ist noch weniger schwindelfrei und höhenängstlicher als ich - also mach es es halt. Zuletzt siehts nun aber so aus, als wäre das Einbestellen eines Fachmannes die klügere und zielführendere Lösung. Der Nachbar wird auf mich aufmerksam, als er mit dem Blick seinem aus dem Dachfenster in meine Richtung kläffenden Hund folgt. Ich bin nicht sicher, was ich davon halte, als er sich kaputt lacht und nicht mal grüßt....Dabei er ist genau so alt wie ich. Zudem leben wir seit Kindertagen nebeneinander und haben durchaus ne Menge Scheißelkram gemacht. Außerdem ist er derjenige, der einfach ein Kabel von der Satelliten Schüssel wild übers Dach und den Balkon laufen hat, während wir unseres in Gemeinschaftsarbeit vor vielen Jahren fein durchs Dach und hinter den Wänden verlegt haben. Also hat er mal gar nicht zu lachen, find ich so.


                       Der Blick jedenfalls ist auch mit blödem Kalbel ziemlich nett.
 
Ich beschließe, dass es mir schwer egal ist und steige irgendwann wieder durch mein Dachfenster über den Nähtisch nach unten.
Das große Kindelein kommt nochmal aus dem Zimmer und bittet mich, ihre neue Sporthose doch vielleicht bis morgen früh zu waschen - was mir um 22 Uhr aber ein klein wenig zu spät ist. Ich denke, dass es wohl auch eine andere Hose tun wird.
Bevor ich noch ein Weilchen lese, werde ich nun duschen, oder gleich in der Wanne lesen und versuchen, vor 0.00 Uhr im Bett zu liegen - wie jeden Abend. Und wie jeden Abend wird es wohl bei dem - erfolglosen - Versuch bleiben....

Weitere Tagebuchbloggerei findet sich hier.

Sonntag, 13. Mai 2018

Aufregend

Eine aufregende Woche liegt hinter mir.
Letzten Sonntag feierte das kleine Kindelein seine erste heilige Kommunion. Es war eine wunderbare und recht lockere Messfeier. Das Kind sang allein einen Teil am Altar vor (Gänsehaut pur! inklusive Tränchen), und wieder trugen alle Mädchen trotz der Tatsache, dass  die Kinder in der Gemeinde seit Jahren Alben nutzen, ein weißes polyesterlastiges Kommunionkleid. Weil das große Kindelein sich damals als einziges Mädchen mit fröhlich buntem Kleid aus der Albe pellte und darüber sehr, sehr traurig war, trug dieses Mal auch unser Kind ein wahres Kommunionkleid. Immerhin war der Bolero dazu von mir selbstgenäht....



Die Feier daheim war entspannt, das Wetter toll und alle verteilten sich in Wohnzimmer und Garten. 

Anschließend mußten das kleine Kindelein und ich unsere Taschen fertig packen, da wir am Montag auf Klassenfahrt fuhren. Ich begleitete die Klasse und Klassenlehrerin als Betreuungsperson. Es ging nicht weit, nur 30 Minuten entfernt in ein kleines Städtchen. Der Doppeldecker Bus fuhr am Montag Morgen mit über 70 Kindern - 3 Klassen, 5 Lehrern und mir - los und holte uns am Mittwoch Morgen wieder dort ab. Dazwischen lagen eine Menge Spaß mit allesamt tollen Kindern unserer Klasse (die Klassen waren räumlich und unternehmungsmäßig getrennt), sehr niedlichen Situationen, vielen - natürlich auch durchaus nervigen, aber vor allem eben vielen - Fragen, nur kleinen, behebbaren Ausfallerscheinungen und wenig Schlaf. Am Mittwoch Morgen bekam ich anlässlich meines Geburtstages ein Ständchen von 26 Kindern beim Frühstück, inklusive eines Geburtstagsmuffins mit Geburtstagskerze und Lieblingsschokolade. Das hatte schon was ziemlich Besonderes.

Daheim angekommen ging wohl fast alles schief, was schief gehen konnte. Der Wunsch nach entspannter, gemeinsam verbrachter Zeit mit dem kleinen Kindelein und  HerrnNebeL - und später auch dem großen Kindelein (sie besucht eine Ganztagsschule und hatte Unterricht bis 16.00 Uhr) - wurde vereitelt davon, dass die Mutter den Fensterputzer bestellt, sich das Datum aber leider falsch notiert hatte, sodass in Windeseile das ganze Haus Fensterputztauglich herzurichten war. Letzlich platzte das mitten ins gemütlich gedachte Geburtstagsfrühstück mit Geschenke auspacken. Zudem brauchte die Mutter dann  bei diversen Dingen unauffschiebbar und zeitwaufwändig Hilfe. Weiterhin erreichte uns  zwar erwartete, aber unpassend kommende Anwaltspost bezüglich des seit letzten Sommers schwelenden Erbstreites. Darin standen dann wirklich wundersame Vorwürfe, über die ich mit Abstand nur lachen kann - letzte Woche jedoch sah das noch anders aus. Der Rest - Tag war demnach komplett verkorkst und ich war 2 Stunden nach der Ankunft daheim genervter als nach 2 1/2 Tagen Klassenfahrt mit 26 Kindern von 6-10 Jahren. Glücklicherweise rettete mich die längste Hockeyfreundin, indem sie uns spontan zum Grillen einlud, und wir so ein bisschen runterkommen und dann doch noch einen wirklich netten Abend verbringen konnten. Freunde - so unbezahlbar.

Nach einer kurzen Stippvisite am Freitag bei der Arbeitsstelle machten das große Kindelein und ich uns auf zur Gartyparty nach Nierstein. So weit weg ist das gar nicht vor hier, aber dennoch fuhren wir bereits am frühen Nachmittag los, um ein wenig stressiges Wochenende verleben zu können.
Angekommen im Hotel gings erst mal in das kleine Hotelschwimmbad und für mich kurz in die Sauna. Dort trafen wir auch "alte Bekannte", aus dem www. Schon seit Jahren lasen und lesen wir uns auf verschiedenen Kanälen. Wir verabredeten uns, nach dem Duschen gemeinsam zu Frau Mutti zu laufen, um das Wochenende dort "einklingen" zu lassen mit bereits zuvor angereisten Gästen und Freunden und Nachbarn. Neben Pizza, nettem Beisammensein auf der tollen Terasse und zwanglosem Kennenlernen gab es eine Führung über die "Ländereien" und ich muss sagen, ich bin wirklich sehr beeindruckt von Haus und Garten. Groß, verwinkelt, mit so vielen netten Eckchen und so viel Liebe zum Detail. Das Kindelein bekam von Frau Brüllen und Frau Mutti Nagellacke geschenkt, die diese übrig hatten und war sehr, sehr glücklich damit. Die eigentlich für die Nacht geplante Nagellacksession verschoben wir dann auf den Morgen, weil ich schlicht und ergreifend schnell nach der Ankunft Hotel eingeschlafen bin.

Morgens also wurde lackiert - das Kind in GlitzerGlamour und ich nahm fröhliches grau (weder maus-, noch staub, noch aschgrau, sondern chinchilly, son neumodischer Essie-Grauton), dann gings erneut zum Schwimmen und zum Frühstück, bevor wir zur eigentlichen Gartyparty aufbrachen.


Wir verbrachten bei wunderbarem Wetter den gesamten Tag dort und kehrten erst kurz vor Ende des Tages ins Hotel zurück. Es war ein entspannter und schöner  Tag voller Begegnungen. Begegnungen mit Menschen, denen ich schon im Netz lange folgte, Menschen, die immer mal wieder den Weg kreuzten, Menschen, die ich gar nicht kannte, Menschen, denen ich bereits im real life begegnet war. Lustigerweise stellte sich heraus, dass eine der vielen Menschen dort als Kind viel Zeit in meiner Heimattadt verbracht hatte. Die Welt ist so klein! Überall entwickelten sich nette Gespräche, hier länger und da kürzer. Es wurde zwanglos gegrillt, für Getränke und deren Ausschank  war ausreichend und liebevoll gesorgt. Es gab ein tolles Buffet mit,  wie mir gesagt wurde, legendärem leckeren Glasnudelsalat. Lecker war überhaupt absolut alles was ich kostete, üppig war es vor allem. Eine riesige Käseplatte aus der Schweiz hat ebenso beeindruckt, wenn ich mir auch tatsächlich den Geruch im Vorfeld als deutlich ärger vorgestellt hatte und mir fast sicher war, dass die Sorten, die arg riechen würden noch nicht aufgetischt seien. Vermutlich verflog der Geruch in der offenen Küche bei geöffneter Terassentüre, denn als ich zu fortgeschrittener Stunde an einzelnen  Exemplaren roch, war da doch eindeutig mehrfach recht strenger Geruch zu finden. Was ich probiert habe, schmeckte auch mit Geruch ganz schön gut. 
Es war schön, sich unter so vielen eigentlich fremden Menschen zu sein und sich einfach wohl zu fühlen. Ich hätte gerne noch Gelegenheit gehabt, mehr und länger zu reden, aber bei so vielen Leuten und so vielen Eindrücken reicht zumindest für mich die Kapazität gar nicht aus, alles in mich aufzunehmen. Rein zeitlich ist der Raum natürlich auch begrenzt, selbst wenn es  viele, viele Stunden waren. Das Kindelein wollte sogar am Ende am liebsten gar nicht mehr heim. Son ganz bisschen schuld daran war nebem dem Wohlfühlfaktor und den netten Menschen so ein kleines bisschen auch die wunderbar tolle Tupfenlola (naja, und die Schaukel, der Garten, das Gartenhüttchen und, und, und... ;-))





Am Morgen tranken wir zum Abschied am späten Vormittag noch einen Kaffee in der Grünen Villa, natürlich nicht, ohne dass das Kind zuvor  noch eine Schwimmrunde eingelegt hätte. Sowas muss ja ausgenutzt werden ;-).

Schön wars. Wirklich richtig schön.


Erwartungsgemäß war die Rückfahrt nach dem langen Wochenende etwas länger als die Hinfahrt, Regen gabs zudem, aber wir ließen uns nicht stressen und machten und irgendwann einfach ein Hörbuch an, das wir beide nicht kannten, und verbrachten die restliche Heimfahrt trotz Stau, Stauumfahrung und Schlechtwetter entspannt.

Viele Eindrücke der letzten Woche dürfen nun sacken und ich hoffe, es folgt nun eine Weile ereignisloser Alltag, damit genau dafür ein wenig Ruhe und Muße übrig bleiben.

Sonntag, 6. Mai 2018

WMDEDGT - Mai 2018

Frau Brüllen fragt seit langem an jedem 5. eines Monats: Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag? 

Ich wache um 06.40 Uhr vor dem Weckerklingeln auf,  drehe mich aber nochmal um. Um 07.20 stehe ich dann auf, ebenso das kleine Kind. Ich mache mir einen Kaffee und beginne in der Küche zu werkeln. Ich bereite Couscous Salat vor, ausserdem muss ich noch eine Suppe ansetzen. Morgen hat nämlich das kleine Kindelein seine erste heilige Kommunion, die wir hier bei uns, beziehungsweise bei der Mutter im Wohnzimmer und im Garten feiern. Ein Stündchen später wecke ich den Gatten, der sich parat macht und zum Metzger fährt. Ich schnippele und werkele weiter, schreibe To Do Listen für den heutigen Tag, brate irgendwann 2,5 kg Hackfleisch an, als der Gatte zurück kommt und mache den Rest der Suppe soweit fertig. Mittendrin koordiniere ich mit der längsten SportFreundin die Fahrt zum letzten Heimspiel der Saison des BVB. Um 10.30 Uhr sitze ich im Auto und sammele die Freundin und ihren Partner ein. Wir fahren gemeinsam nach Dortmund zu einem Mitglied des Fussballfanclubs, dem wir angehören. Er bereitet traditionell zum Saisonschluss Braten mit Brötchen und Krautsalat für alle Fan Club Mitglieder vor. Es ist tolles Wetter und wir sitzen und stehen in seinem Garten in der Sonne. Gegen 14 Uhr machen wir uns gestärkt auf den Weg in den Signal Iduna Park. Bevor wir ins Stadion gehen, treffen wir uns  davor noch am Bierstand auf ein Getränk.
Im Stadion angekommen, freue ich mich auch heute wieder über einen etwas anderen Platz, der mir  gut gefällt. 

Vor dem Spiel wird Roman Weidenfeller verabschiedet, der sein letztes Bundesliga Heimspiel bestreitet. Ich mag es, im Stadion zu sitzen. Vor noch nicht all zu langer Zeit schien mir das undenkbar - so viele Leute auf einem Haufen machen mir eigentlich eher ein wenig Angst. Nachdem ich mir vor rund 1 1/2 Jahren aber ein Herzchen fasste und es mit der Freundin ausprobierte, hab ich gemerkt, dass alles super organisiert ist, nirgends schlimmes Gedränge herrscht und ich die Atmosphäre insgesamt sehr mag. Natürlich rennen unter den 81.000 Menschen auch ein paar herum, die sich für meinen Geschmack ordentlich daneben benehmen, aber auch das war bisher im Rahmen, zumindest dort, wo ich es erlebt habe.
Leider ist das Spiel heute das erste Spiel im Stadion, wo ich wirklich enttäuscht bin. Aber auch solche Spiele gibt es, ich kenne das nur zu gut vom eigenen sportlichen Werdegang mit der Mannschaft. Im Stadion hats mir wie immer trotzdem gefallen. Nach dem Spiel treffen wir uns erneut am Bierstand mit den Fanclub Mitgliedern, schwatzen und lachen noch eine Weile und fahren dann mit der Bahn zurück zum etwas ausserhalb geparkten Auto.
Ich bringe einen Kollegen heim, der sich uns für die Rückfahrt angeschlossen hatte, suche für den Partner der Freundin eine Notdienst Apotheke, weil er noch etwas besorgen muss. Danach fahre die beiden heim.
Bei mir zu Hause angekommen war eigentlich der Plan, nur noch die Tische zu dekorieren und einzudecken Leider hatte der Rest der Familie nicht alles geschafft, sodass wir doch noch gemeinsam bis halb elf herumwuseln mussten, damit es morgen nach der Kirche nicht mehr viel zu tun gibt, als das Essen zurecht zu stellen. 


Erst dann bestellen wir noch eine Pizza, ich blogge und der Gatte bügelt. Das kleine Mädchen schläft derweil wartend in unserem Bett ein und möchte zunächst gar nicht mehr für ihre Pizza aufstehen. Das tut sie am Ende doch noch und wir essen auf Behelfsstühlen, weil alle anderen Stühle bei der Mutter im Wohnzimmer stehen. Das kleine Kind verschwindet um 0.00 Uhr in unserem Bett, das große Kind in ihrem. Ich werde nun noch baden gehen und mir anschliessend die Nägel aufhübschen. Und ich hoffe jetzt schon, dass ich die nächsten Tage mit halbwegs ausreichend Schlaf überstehen werde - bis morgen wird es wenig Schlaf geben und am Montag begleite ich die Klasse des kleineren Kindes als Betreuungsperson auf Klassenfahrt. Aber zunächst mal morgen:
Kommunion. Das Kind wird vorsingen und ich habe schonmal Taschentücher eingepackt.

Weitere Tagebucheinträge von heute wie immer bei Frau Brüllen.

Montag, 30. April 2018

Oberbekleidung

Heute vor einem Jahr habe ich den Tag in der Küche verbracht, um eine Grillage Torte vorzubereiten. Baiser, bestrichen mit Schokolade in mehreren Schichten und dazwischen eine Creme. Das Ganze kam über Nacht in die Eistruhe, da diese Torte halbgefroren serviert wird.
Es war die letzte Geburstagstorte für meinen Vater und ich habe es genau gewusst.
So viele Dinge, von denen ich wusste, es würden die letzten sein, jähren sich nun. Manchmal ist es so wundersam, wie mein, unser Leben "einfach" weiterlief und -läuft, wie nirgends die Zeit stehenblieb, als seine zu Ende ging.

Heute hatte ich ansich einen guten Arbeitstag, an dem eine nette Praktikantin mich begleitete und mir vieles selbstverständlich abnahm. Nette Begegnungen, eine entdeckte Spur einer ehemaligen lieben Kollegin. Nebenher offene Worte, von denen ich hoffe, dass sie in irgendeiner Form Anklang finden werden, um endlich die unleidliche Teamsituation zu verbessern. Und ich hatte die Aussicht auf einen ruhigen Start in den morgigen Tag, weil wir einfach alle ausschlafen können.

Vermiest wurde mir Tag allerdings dadurch, dass ich mich aufmachen musste, Damenoberbekleidungswäsche zu kaufen.
Den einzigen BH den ich je besessen habe, kaufte ich mit Anfang 20 zur Hochzeit eines engen Freundes, weil das Kleid schulterfrei war und da irgendwas drunter gehörte. Ich ließ mich im Fachhandel beraten und gab ein Vermögen aus. Das Ding liegt noch in meinem Schrank und wäre auch noch tragbar. Allerdings wog ich damals etwa 20 Kilo weniger - sodass er heute sogar dem Tochterkind nahezu zu eng ist, weil sie trotz Normalgewicht mehr wiegt als ich damals. Seitdem besteht meine Wäsche aus vorwiegend schwarzen Sportoberteilen, Bustiers oder Tops mit eingearbeiteten Bustiers. Fertig. Am Sonntag aber trage ich wieder ein hübsches Kleidchen, wenn auch ganz und gar nicht schulterfrei, aber mit Sporttop drunter ist das schon... nicht soo hübsch. Also blockte ich mir den Spätnachmittag zum Shoppen.
Eigentlich wusste ich es schon vorher - aber heute hat es sich eindrücklichst bestätigt: Ich finde BHs schrecklich. Unbequem. Viel zu viele viel zu nutzlos, weil ich mich - trotz angeblich guter Passform und richtiger Größe - so fühle, als würde einfach die Hälfte rausfallen, sodald ich mich bewege. Die Träger sind an vielen Teilen zu kurz, obwohl ich gar nicht wirklich groß bin.  Die meist ja ganz  hübsch anzusehende Spitze  kratzt und piekt oft, und ich fühlte mich Astrid Lindgrens Lotta sehr verbunden, die Löcher in den kratzigen Pullover schnitt. Kratziger Kram auf der Haut geht einfach gar nicht. Die große Wäsche Abteilung war zudem vorwiegend nach Farbe sortiert und ich durfte mich durch gefühlte 1000 Stück auf der Suche nach der passenden Größe durchwühlen, die in keiner Form größengeordnet waren, so dass ich schon vor Betreten der Umkleidekabine komplett genervt war. Natürlich hätte ich auch ein Fachgeschäft besuchen können statt des Kaufhauses und die Beratung und Hilfestellung wären vermutlich besser gewesen. Ich kannte in der Stadt aber keines. Ich habe in rund 2 Stunden etwa 58 Oberteile anprobiert und am Ende ist es doch ein "ich bin eigentlich ein Bustier, möchte aber gerne ein BH sein" geworden, der zumindest den gewünschten Zweck erfüllt und auch noch hübsch aussieht (schwarz halt. Aber mit n bisschen Schnickeldi ;-)). Ich mag Klamotten in Umkleiden anprobieren per se nicht sonderlich gerne und bin spätestens ab Kleidungsstück 3 hochgenervt, hab die Nase voll und beginne zudem mit Selbstgesprächen, aber das heute war wirklich eine höllische Tortur. Ich hab freundlicherweise auch jedes probierte Stück wieder fein säuberlich auf den Bügel gehängt und alle Häkchen und Ösen verschlossen, so wie sie es auch vor der Anprobe waren. Ich finde, das gehört so, auch wenn die  Zustände der Umkleiden und Stellen, an denen wegzusortierende Kleidungsstücke hängen oder liegen, eine andere Einstellung der meisten Mitmenschen vermuten lässt... Es wurden viele Selbstgespräche. Oder genauer gesagt viel Flucherei neben ungläubigen Selbstgesprächen. 
Zugegebenermaßen bin ich nicht in das Preissegment über 50 Euro vorgedrungen, aber ich habe diverse Marken und  diverse Modelle in ähnlicher Größe anprobiert und bin fast überzeugt davon, dass dieser, mein zweiter (Möchte-gern) BH vermutlich mein Letzter sein wird. Ausserdem mache ich drei Kreuze, dass meine körperliche Konstitution nicht zwingend einen BH erfordert, sondern ganz hervorragend mit dem anderen Kram leben kann. Und obenrum so richtig hübsch muss oder möchte ich auch nur im Kleidchen mit Anlass sein. Und bevor hier blöde Fragen aufkommen: ja, der Gatte kann auch ganz hervorragend mit dem anderen Kram leben. Also an mir meine ich. Nur so fürs Protokoll.

Immerhin gab es anschließend noch einen neuen Nagellack, um den ich schon länger herumschlich. Ab Freitag habe ich fast eine Woche frei, sodass sich das "chinchilly" farbige Nägellackieren wenigstens lohnt. Und vielleicht merkt an dem halben Arbeitstag vor dem Wochenende darauf gar niemand, dass meine Nägel lackiert sind. Mal schauen. Und dann, dann lass ich es mir einfach ein Wochenende gut gehen. So ist zumindet der Plan.



Mittwoch, 25. April 2018

Der Job und so

Bei der Arbeit bleibt mir manchmal nurmehr ein müdes Lächeln, ein hysterisches Lachen, ein resignierendes Hinnehmen all der Zustände, die mir die Arbeit dort verleiden. Meist geschieht dies nacheinander, am Ende steht meistens die Resignation. Nach wie vor betrifft das nicht die Kontakte mit meinen Patienten. Ich arbeite gerne mit den Menschen, mag die Begegnungen und werde oft ein Stück getragen von den mir entgegengebrachten Rückmeldungen. Ich mag es, den Menschen nahe zu kommen, sie zu begleiten ein Stück, ihnen helfend zur Seite zu stehen. Ich mag es, oft auch mit ihnen gemeisam in schweren Situationen lachen zu können, wie heute, als ein Aphasiker versuchte, ein Bild zu benennen und dabei herauskam: "Er pulst die Adern" (auf dem Bild horchte ein Arzt einen Jungen mit dem Stethoskop ab). Natürlich ist es heikel, wenn ein Mensch sich oftmals nicht mehr anders äußern kann, dem mit Humor zu begegnen. Dafür aber lese ich schon so lange in den Menschen, dass es mir oft gelingt, eben diese Gratwanderung zu gehen - immer aber nur gemeinsam mit dem Betroffenen. Manchmal, manchmal da weine ich auch gemeinsam mit dem ein oder anderen - auch wenn ich professionell bin als Therapeutin. Aber eben auch Mensch. Eigentlich ist mein Job mit eben diesem Klientel ganz wunderbar.
Es sind die Rahmenbedingungen, die nicht stimmen. Diese vielen Kleinigkeiten, die sich summieren. Und es ist da ein Stück weit wiederkehrende Resignation - weil ich einfach nicht viel machen kann. Ich bin kein Entscheider. Ich bin nicht mal jemand, der gefragt wird. Es entsteht manchmal der Eindruck, als würden die, die vermutlich auch nur Entscheidungen des Konzerns, Entscheidugnen der Wirtschaftlichkeit ausführen, uns, die wir Tag für Tag am und mit den Menschen arbeiten, fragen. Wenn man dann aber genau hinsieht, Revue passieren lässt, so scheint es doch nur, als würden sie ein wenig Honig verteilen, damit die bittere Medizin, die subtil, aber unweigerlich doch später folgt, ein wenig süßer schmeckt. Da werden sukzessive die Dinge, in denen viel Herzblut eines gesamten Teams und vor allem 2 Personen steckt, die den Laden vor gerade einem Jahr in den Ruhestand verlassen haben, unterwandert, um sie wieder anzugleichen an ein mehr schlecht als recht funktionierendes System. Aber da ist niemand mehr, der seine schützende Hand über ein Konzept hält, was nah an den Patienten ist. Ein Konzept, was effektiv ist, ein Rahmen, der Möglichkeiten bietet in vielerlei Richtungen. Ein Konzept, das einen großen Teil der Patienten weit mehr profitieren lässt als alles, was bisher war. Dafür aber muss der Einzelne im Team sicherlich zu manchem bereit sein. Teamarbeit eben, Flexibilität, Absprachefähigkeit, Interdisziplinarität, Begleiten von Gruppensettings und viel Arbeit auf der Beziehungsebene. Das gelingt nicht allen - auch das macht es schwer, denn wenn diese Voraussetzungen fehlen, wünscht sich der Therapeut eigentlich die Rückkehr ins starre System, in dem ich einfach nach vorgegebenem Plan arbeite, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf die Belange der Menschen, die wir behandeln. Solche Theraoeuten werden aber vielleicht viel mehr befragt, weil sie wohl eben diesesn Weg ebnen, zu dem das Haus augenscheinlich zurück will. Denn das starre System bietet mehr Raum für wirtschaftliche Transparenz. Mehr Raum auch für messbare Entwicklung. Standartisierte Punktesysteme. Systeme, die die Menschen nicht weiter abbilden. Tatsächlich aber fragt genau danach niemand mehr. Da kann auch ein Chefarzt mehrmals versichern, dass es wichtig, gut und richtig, gar wünschenswert sei, individuell auf den Einzelnen einzugehen, individuelle Forschritte zu dokumentieren. Der Konzern  an vorderster Front und seine Umsetzer jedoch postulieren mehr und mehr standartisierte Verschriftlichungen zur Deskription erfolgter Fortschritte im Rehaaufenthalt. Die Liebsten sind mir die Menschen in Positionen über mir, die eben dies in den höchsten Tönen loben: "Standarts benötigen weniger Zeit, alles wird doch so viel einfacher, es macht so viel weniger Arbeit!" Es bleibt mehr Möglichkeit, Therapien abzurechnen, die Zeit drumerhum wird durch das Ersetzen von Fließtext durch Zifferneingabe minimiert. Eine ganz großartige Neuerung. Wundersam, dass ebendiese Leute auf der Ebene der Empathie und der Ebene der eigenen Meinungsbildung irgendwie anders ticken. Dorthin aber geht der Weg.  Frustran.
Im Großen nimmt das in meinem Alltag nicht viel Raum ein derzeit - weil ich dennoch so arbeite, wie ich es gut mit mir, meinen Anforderungen an meine Arbeit, Therapie, Dokumentation und  meinen Vorstellungen zum Umgang miteinander und den Patienten vereinbaren kann.  Das kostet mich trotz eng getaktetem privatem Zeitplan zwar Woche für Woche im Schnitt 3 Überstunden, die weder bezahlt noch abgegolten werden, aber mir geht es gut damit. Jedoch wenn ich genau hinsehe, wird die Tragweite all dessen größer und größer. Es ist schon eine Kunst, mich da abzugrenzen. Zu akzeptieren, dass ich wenig Handlungsspielram habe. Ich schweige nicht und ich nehme auch nicht hin. Ich sage was wichtig ist, spreche, wo es mir möglich ist. Und es ist auch nicht so, als gäbe es keine Fürsprecher. Aber auch der neuen Oberärztin, die noch am nächsten von allen dran ist und die an vielen Stellen durchaus vieles objektiv passend beurteilt, sind gegen Konzernwünsche und deren Umsetzungen, so subtil sie sich auch einschleichen mögen, die Hände gebunden. 
Es ist also Tag für Tag ein Mix zwischen Besonnenheit, Akzeptanz und  Initiative gefordert, der dennoch einer großen Portion Abgrenzung bedarf, um mich nicht aufzureiben an Zuständen. Ich bringe mich ein und wende auch Energie auf, aber wenn es zu schwierig wird, wird auch mein Energiereservoir, das ich für die alltäglichen und zehrenden Dinge des Lebens außerhalb meiner Arbeit brauche, angezapft. Im Moment läuft es gut, ich komme gut zurecht und fühle mich nicht so sehr belastet, weil ich mich in Gelassenheit übe. Ich hoffe sehr, dass das noch ein ganzes Weilchen so bleiben wird. Obwohl mir das derzeit so gut gelingt, merke ich, wenn ich genauer hinschaue, dass auch das ein verdammt hartes Stück Arbeit ist.

Samstag, 14. April 2018

Kompliziert

Es ist kompliziert, dieses Leben im Moment an vielerlei Stelle. Kompliziert und kraftraubend, bestürzend und sich viel zu schnell drehend. Zuviele Baustellen an zu vielen Fronten. Manches betrifft mich direkt, manches mittelbar und bei manchem bin ich einfach nur nah dran, auch wenn es mich -eigentlich- kaum betrifft. Vieles von all dem wirft Fragen auf und Sorgen, die sich immer mal wieder ins Unermessliche steigern, bis ich es irgendwie schaffe, diese wieder zu relativieren - oder stoisch zu akzeptieren - ohne momentan viel dagegen tun zu können.
Die Situation zu Hause ändert bleibt auf einem ähnlich schwierigen Level - das tagtägliche Zusammenleben mit der Mutter zeigt eben auch tagtäglich schwindende Strukturen. Schwindendes Wissen. Schwindende Fähigkeiten. Zunehmende Hilfsbedürftigkeit. Zunehmendes Verschwimmen der Lebensräume, Verlust meines, unseres eigenen Schutzraumes, wenn denn da überhaupt noch einer ist. Es ist selbstverständlich, dass ich da bin und dass ich mich kümmere. Aber dennoch gibt es Tage, an denen es schwer ist. Und ich weiß, dass es nur noch schwerer werden wird. Allein zu diesem Thema müsste ich vieles erledigen. Manches gelingt mir und meiner Schwester. Und vieles bleibt liegen. Weil wir neben unserer Mutter eine Familie haben. Einen Job. Ein Haus. Und vielerlei andere Dinge, die Zeit und Raum fordern. Wir machen. Und lassen liegen, was nicht all zu dringlich ist. Oder was wir einfach nicht mehr schaffen. Eigentlich renne ich nur hinterher und trage dennoch kaum etwas ab vom Aufgabenberg.
Der Erbstreit. Er nimmt skurrile Formen an. Und ich frage mich nach wie vor, wofür. Ich verstehe die Beweggründe nicht. Habgier? Rache? Jedenfalls erfordert auch dieser immer wieder Handeln. Er fordert mich heraus, begleitet meine Gedanken, läuft mir über die Bettdecke, auch wenn ich das gar kein bisschen möchte. Die Abgrenzung fällt schwer. Auch hier liegt alle Handlungsnotwendigkeit bei der Schwester und mir. Letztere ist derzeit beruflich aber so eingespannt, dass sie nur wenig übernehmen kann.
Mittendrin der leibliche Vater mit einem Schlaganfall. Das Outcome war wunderbarst, alles könnte gut sein. Wenn denn nicht bekannt wäre, woher der Schlaganfall gekommen ist. Der Großteil der hirnverorgenden Arterien ist verschlossen, in eine Arterie konnte ein Stent gelegt werden. Schleichend suchte sich das Blut über die Jahre Wege, wärhend die eigentlich wegweisenden Bahnen sich mehr und mehr verengten. Ein Pulverfass.
Es tun sich viele kleine Baustellen am Eigenheim auf, die allesamt ordentlich auf uns lasten. Zuerst die Feststellung, dass viele Versicherungsauflagen nicht eingehalten werden. Die Kündigung der zusätzlichen, gemieteten Garage (wegen Eigenbedarf), die ein großes Platzproblem mit sich bringt. Die Entdeckung eines großen Schimmelfleckes im Arbeitsraum im Keller an einer Außenwand. Einige Tage später eine weitere Schimmelentdeckung in der eigenen Garage, die mit hoher Wahrscheinlichkeit vom undichten Fallrohr herrührt, das zwischen unserem und dem Haus unseres Nachbarn nach unten geführt ist. 
Die nahende Kommunion des kleinen Kindes. Ein schönes Fest, ja. Aber es will auch gestemmt und organisiert sein. 
Die Situation am Arbeitsplatz ist ...  ich nenne es mal irgendwie unglücklich. Das wichtigste passt - ich arbeite gern mit meinen Patienten. Sehr gern. Aber das Klima am Arbeitsplatz selber ist schwierig. Bedingt durch das Arbeiten im Gesundheitswesen ansich, was einfach unglaublich viele Tücken birgt aufgrunddessen, dass Klinik mehr Wirtschaftsunternehmen denn Klinik ist. Es krangt überall. Wundersame Methoden zur Herstellung von angeblicher Transparenz, um Erfolge messbar zu machen und die Wirtschaftsecke zu füttern. Der Mensch ansich verschwindet hinter Zahlencodes. Mangelnde Bezahlung vieler. Solcherlei Kram. Darüber hinaus mein Status im Team, emotional zurückgezogen nach dem letztjährigen Desaster mit der direkten Chefin. Die komplette Trennung meines Privatlebens von allen, einfach weil es mir anders dort nicht mehr möglich ist.  Ich bin ganz gut abgegrenzt inzwischen, und prinzipiell ist es okay so. Leider aber beruht es auf einer der größeren menschlichen Enttäuschengen, die mir widerfahren sind und ich werde tagtäglich darauf gestoßen.
Das Leben mit Familie ist wunderschön. Aber all zu oft verlangt es mir viel ab; das Umgehen mit zwei Mädchen in und nahe an der Pubertät rauben - trotz aller Liebe - Kraft.
Der Partner einer besten Freundin erhielt gerade die fast sichere Diagnose Krebs. 
Mitten in all dem Durcheinander übe ich Abgrenzung gegenüber mir zwar lieben, aber energieraubenden Begegnungen. Ob diese Menschen deswegen auf der Strecke bleiben, weil ich sie zu arg vor den Kopf stoße, weiss ich nicht. Aber ich weiß, wenn dem so ist, dann war da nicht genug Tragfähigkeit. Und nicht genug Empathie in meine Richtung. Dann bin ich wohlmöglich traurig darüber, aber unterm Strich wird es richtig gewesen sein. Leicht fällt mir das nicht, mich belastet ein schlechtes Gewissen, selbst wenn ich stolz darauf bin, ehrlich gewesen zu sein und stolz darauf, meine Grenzen aufgezeigt zu haben. Aber auch das zehrt dennoch.
Ich bin leistungsfähig. Ich kann aushalten. Und in großen Teilen halte ich gerade gut aus. Ich suche einzelne Eckpunkte zum Ausgleich. Klitzekleine zwar, aber immerhin. Ich weiß dennoch, dass ich, selbst wenn es gerade gut funktioniert, nah am Limit bin. Ich weiß, dass ich noch lange nah am Limit gehen kann. Aber ich weiß auch, dass der Punkt kommen wird, wo ich nicht mehr können werde. Maßnahmen sind viele durchgesprochen, durchgekaut. Ich mit mir, dem Gatten, meinem behandelnden Psychiater, meiner Therapeutin, Freundinnen. Unterm Strich mit demselben Ergebnis: mir sind die Hände gebunden, es bleibt einfach kaum mehr als weitermachen, es gibt keine wirklichen Alternativen. 
All dies zusammen laugt mich aus, im Innern und körperlich. Darüberhinaus - oder aufgrunddessen - halte ich mich an einer alten Bekannten fest, die meinem Körper die Masse raubt. Ich bin mir dessen mehr als bewusst, aber da sind gerade genug Fronten, an denen ich kämpfe. Hier kann ich derzeit keinen Kampf aufnehmen, sondern - erst mal - nur den Nutzen begrüßen, ihr Dasein akzeptieren und ein Fortschicken auf später vertagen.
Ich gehe weiter,  jeden Tag, Schritt für Schritt. Manchmal zügig und sicher, oft überfordert. Manchmal verzweifelt, zumeist mehr als resigniert, stets sorgenvoll. Aber mir bleibt keine Wahl, wie so vielen da draußen aus ganz verschiedenen Gründen auch.  Ich hoffe nur, dass ich irgendwann ankommen werde an einer Stelle voll Ruhe und Zuversicht.