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Montag, 5. November 2018

Gut siehst du aus

... oder wie mich drölfzig sicherlich lieb und ehrlich gemeinte Kommentare aus der Bahn werfen.

Der Mann der Besten wurde heute 60 und die Beste organisierte einen kleinen Überraschungs-Umtrunk mit schätzungsweise 30 Gästen. Die Beste und ihren Mann kenne ich, seit ich 16 bin sehr eng, nehme seit Jahren an Familienfeiern teil, ihre Kinder sind meine Patenkinder im Herzen, wenn auch schon beide weit über 20 Jahre alt sind. Demnach kenne ich auch viele der Gäste. Meist aber aber sieht man sich selten; an Feierlichkeiten, an Sport Events, die durchaus seltener geworden sind - zumindest in unserer Altersklasse. 
Am späten Nachmittag machten wir uns nach einem wieder mal aufreibenden Vormittag auf dem Weg dorthin - es gab daheim zwar wenig wirklich zu tun, aber da sind stets Dinge, die mich umtriebig machen, die es zu erledigen gilt und die selten ohne Übellaunigkeit enden.
Ich zog ein neueres Kleid an, freute mich, dass es noch passt, weil hier seit Monaten die Kilos schwinden, somit  manches einfach nicht mehr passt oder aussieht wie ein Kartoffelsack, dem der Gürtel fehlt.
Fünf Mal hörte ich den Kommentar: "gut siehst du aus". Schön, ja wie schön eigentlich.
Aber es haut mich um, macht mich traurig und nachdenklich. Ich mag gut, schön aussehen, weil mein Körper eine ansehnliche Silhouette  hat. Konturen mit Kanten, wo es zuvor jahrelang nur Kurven gab. Nicht, weil ich es selbst so gewählt hätte, sondern weil Medikamente und Hormone meinem Körper zusetzten. Ich habe zu viel gewogen, hatte Bauch, war übergewichtig, wenngleich auch viele sagten: "du bist doch nicht dick". Nein und doch. Ich war viel. Nicht immer. Aber zumindest jahrelang.
Heute bin ich deutlich deutlich weniger, weil ich hineinrutschte in eine mir all zu bekannte Sucht. 
Seit ich in der Pubertät war, stand ich auf Kriegsfuß mit meinem Körper, kanalisierte mein verwundetes Seelenleben in die Körperlichkeit. Bis ich schwanger wurde, war ich gefangen in bulimischer Anorexie, mal mehr, mal weniger. Inklusive monatelangem Klinikaufenthalt. Niemals war ich mir wenig genug, niemals hatte ich ein ausgewogenes, realistisches, gar gesundes Verhältnis zu meinem Körper. Als ich schwanger wurde(wovon ich niemals glaubte, dass mein Körper das nach Jahren der Sucht je schaffen würde), konnte ich all das hinten an stellen. Es galt, für mein Kind zu sorgen und ich konnte ein "normales", ein weitestgehend gesundes Essverhalten zulassen. Es war nach der Geburt nie so richtig perfekt. Mein Selbstbild immerzu zu dick, ganz gleich, ob es 65 oder 80 Kilo waren. Aber ich konnte damit leben, konnte es hinnehmen, ich akzeptierte. Es folgten immer wieder Zeiten mit Gewichtszunahmen aufgrund notwendiger Psychopharmaka. Manche vertrug ich besser, andere eben nicht. Seit einiger Zeit nehme ich nur Notfallmedikationen. Auch hier mal mehr und mal weniger, aber Auswirkungen auf meine Körpermasse hat diese keine.
Seit rund einem Jahr esse ich wenig. Oft sehr wenig. Es schlich sich ein, ich verlor aufgrund viel zu vieler äußeer Anforderungen und Umstände den Appettit - wie so mancher es eben tut. Ist das Leben stressig, traurig, schwierig, anstrengend, reagiert jeder anders. Essen macht mir dann keine Freude mehr. Obwohl ich ein Genuß-Mensch bin. Wie sehr ich gutes Essen doch eigentlich mag! Aber seit dem Tod des Stief-Vaters war es mir gleichgültig, seit Beginn der Erbstreitigkeiten erst recht. Zudem nahmen die Belastungen daheim permanent zu. Wie es dann so ist: das Essen fällt irgendwie hinten rüber. Es dauerte nicht lange und es wandelte sich: es war eben nicht mehr nur ein Appetenzverlust, sondern wurde zur Essensverweigerung. Ich aß nur, wenn ich gesehen wurde, aß nur, um nicht aufzufallen. Jedes bisschen Nahrung in mir war zuviel, fühlte sich an wie ein Stein in mir. Ganz manchmal ertrug ich eine Mahlzeit, die objektiv betrachtet zumeist nicht mal eine wahre Mahlzeit war, nicht in mir und ich erbrach sie. Nicht oft, aber es kam eben vor. Die Waage wurde mir Freund und Feind, der Tag definiert durch einen Gewichtsverlust oder eine Zunahme. Ich verlor weit mehr als ein Viertel meines Gewichtes. Ich bin heute (wieder) schlank. 2-3 Kleidergrößen Unterschied zu letzten Herbst. Ich halte mich fest en meinen Knochen, die Hüftknochen stehen heraus, man sieht die Schlüsselbeine. Oftmals habe ich eben diese in der Hand, streiche darüber, spüre ihre so wunderbare Härte. 
Da sind Menschen, die sich sorgen. Menschen, die meine Geschichte kennen. Ich belüge die, die mir nahe stehen in der Regel nicht mehr. Zur Not lasse ich sie gar kontrollieren, wie mein Gewicht ist, wenn sie mir nicht glauben mögen, was die Zahl auf der Waage sagt. Ich gehe offensiv zum Hausarzt und kläre Blutwerte, lasse Mangelernährungszustände checken. Loslassen kann ich aber nicht. Ich bin im unteren Mittel des Normalgewichtes, aber ich bin mir zu viel. Ich schwanke zwischen dem objektiven Wissen, der objektiven Betrachtung und kann dennoch mein Empfinden von Körperschema nicht positiv beeinflussen. Ich bin mir zuviel. Und ich weiß, dass mein Vorsatz, mir nicht mehr zuviel zu sein, wenn ich Gewicht xy erreicht habe, keinen Bestand haben wird. Auch dann werde ich mir zuviel sein. Ich bin gefangen in der Sucht, auch und obwohl ich so vieles weiß, so vieles durchschaue. Ich halte fest an ihr und ich halte mich an ihr fest. Ich sehe momentan keine Auswege, kann momentan keine Hilfen annehmen. Wobei ich reden kann. Thematisieren kann. Wobei ich nicht verleugne. Zumindest einem ausgewählten Personenkreis gegenüber. Das ist weit mehr als früher. Ich erkenne, habe früh erkannt. Dagegen wirken konnte ich dennoch nicht.  
Sie ist nur eines von vielen Übeln, diese Sucht. Oder ein Resultet viel zu vieler Anforderungen, viel zu vieler Entgleisungen im Außen, die ich nicht beeinflussen kann, sondern tragen und obendrein managen muss. Aber sie zehrt selbstredend. Ich gewinne - anscheinend zumindest - Kraft durch Kontrolle, Kraft durch Erfolg im Gewichtsverlust. De facto aber verliere ich an körperlicher Substanz. Das Leben ist anstrengend, alles was mich umgibt fordert. Sehr. Oft permanent. Ich setze durch die Sucht noch einen oben drauf.
Da sind Massen an ambivalenten Gefühlen. Gefühle, die die Sucht mir eintrichtert, Gefühle, die die objektive Betrachtungseise mit sich bringt. Und viele Gefühle, die die Reaktionen von außen in mir auslösen.
Allem voran: das Ding mit dem Essen oder Nicht Essen ist meins. Mir wäre es lieb, wenn das einfach keiner sieht oder mitbekommt. Weder was und wieviel ich esse, noch wie mein Körper sich verändert. Auch wenn ich (noch ein bisschen) fern bin vom Untergewicht: knapp 30 Kilo Gewichtsverlust seit letzten Sommer lassen sich nicht verbergen. Nicht die veränderten Körperformen, nicht das spitze Gesicht, nicht die eingefallenen Wangen.  Auch wenn ich alles gern verbergen würde. Ich möchte gar nicht, dass jemand auf die Idee kommt, Rückschlüsse zu ziehen.
 Andererseits aber bin ich schockiert.
"Gut siehst du aus". Wer sagt das - und wann? Ich kann mich kaum erinnern, häufig Kommentare zu meinem Aussehen bekommen zu haben wenn ich mit 80 Kilo ein Kleid trug. Ein schönes Kleid.  Ich bekomme so oft Kommentare momentan, wie gut und toll ich aussähe. Welche Größe ich jetzt wohl trüge. Und und und.
Warum? Diese Gesellschaft scheint sich nur zu definieren über Super Maße, oftmals sogar wohl die Frau in dieser Gesellschaft scheint all zu oft darüber definiert zu sein. Ist denn die Frau über der "Norm" nicht schön? Bin ich denn wertvoller, wenn ich Kleidung in 36 oder 38 tragen kann, als wenn ich zur 44 greifen muß? Es ist so grenzüberschreitend, eben dies gefragt zu werden. Was geht denn beispielsweise die Schwägerin der Besten meine Kleidergröße an? Natürlich kann und muss ich da meine Grenzen stecken. Es schockiert mich aber so unglaublich, wie sehr Anerkennung verbunden zu sein scheint mit dem Körper; zudem, wie sehr ein Körper schlanken Erscheinungsbildes suggeriert, dass eben alles gut ist.
Nichts ist gut und eigentlich liegt mir ja auch fen, das in aller Öffentlichkeit zu diskutieren.Ich weiß doch, dass die Menschen, die mir ferner sind und die so etwas sagen, ein Kompliment intendieren. Natürlich fühlt es sich gut an, gespiegelt zu bekommen, "gut" aus zu sehen. Ich kann das durchaus heute auch so hinnehmen und glauben, was ich füher niemals tat. Deckungsgleich mit meiner eigenen Empfindung ist das trotzdem nicht. Ich bin mir  zu viel. Deutlich zu viel. Darum gehts es mir gerade aber nicht, sondern darum, dass ich so fassunglos bin, wie sehr Klischees verankert sind, wie sehr das Außen Ton angebend ist für das  Innen eines Menschen.  Wie viel wertvoller "Schlank sein" zu sein scheint, als es eben nicht zu sein.
Mein Innen, meine Geschichte binde ich nicht jedem auf die Nase, keineswegs. Trotz gewonnener Offenheit in all den Jahren mit Erkrankung bin ich weiterhin gern im Team "Klappe halten". Ich kann allerdings ehrliche Nachfragen ab,  verstecke meine Geschichte ansich nicht. Jeder darf immer fragen, und beonders Menschen, die mir nahe stehene, bekommen ehrliche Antworten und ich scheue auch nicht das Gespräch. Aber ich falle auch nirgends mit der Tür ins Haus.
Es ist komplex, es wundert mich einfach sehr, wie es eben so ist. Sicherlich triggert das auch etwas in mir an, wenn eben vielleicht zufällig gehäuft ernst gemeinte Komplimente kommen, die ohne Hintergedanken sind. Aber weiter darüber nachgedacht, bestürzt mich eben das Bild, was in der Gesellschaft vorzuherrschen scheint. Möglicherweise bin ich empfindlich momentan, weil das Leben gerade in seiner Gänze ier kein Einfaches ist und eine bestehende Auswegslosigkeit uns alle ein klein wenig oder ein klein wenig mehr lähmt.
Vielleicht versuche ich einfach das "du siehst gut aus" in mich hinein zu nehmen und es für gut zu nehmen, als die Abwesenheit der Kommentare bei 25 Kilos plus. Manchmal ist es wohl besser, sich das tollste Stück Kuchen abzuschneiden und den Anderen die matschigen Reste zu überlassen. Ich verscuh das mal - sonst wird der Start in die neue Woche wohl eher bescheiden...

Mittwoch, 25. April 2018

Der Job und so

Bei der Arbeit bleibt mir manchmal nurmehr ein müdes Lächeln, ein hysterisches Lachen, ein resignierendes Hinnehmen all der Zustände, die mir die Arbeit dort verleiden. Meist geschieht dies nacheinander, am Ende steht meistens die Resignation. Nach wie vor betrifft das nicht die Kontakte mit meinen Patienten. Ich arbeite gerne mit den Menschen, mag die Begegnungen und werde oft ein Stück getragen von den mir entgegengebrachten Rückmeldungen. Ich mag es, den Menschen nahe zu kommen, sie zu begleiten ein Stück, ihnen helfend zur Seite zu stehen. Ich mag es, oft auch mit ihnen gemeisam in schweren Situationen lachen zu können, wie heute, als ein Aphasiker versuchte, ein Bild zu benennen und dabei herauskam: "Er pulst die Adern" (auf dem Bild horchte ein Arzt einen Jungen mit dem Stethoskop ab). Natürlich ist es heikel, wenn ein Mensch sich oftmals nicht mehr anders äußern kann, dem mit Humor zu begegnen. Dafür aber lese ich schon so lange in den Menschen, dass es mir oft gelingt, eben diese Gratwanderung zu gehen - immer aber nur gemeinsam mit dem Betroffenen. Manchmal, manchmal da weine ich auch gemeinsam mit dem ein oder anderen - auch wenn ich professionell bin als Therapeutin. Aber eben auch Mensch. Eigentlich ist mein Job mit eben diesem Klientel ganz wunderbar.
Es sind die Rahmenbedingungen, die nicht stimmen. Diese vielen Kleinigkeiten, die sich summieren. Und es ist da ein Stück weit wiederkehrende Resignation - weil ich einfach nicht viel machen kann. Ich bin kein Entscheider. Ich bin nicht mal jemand, der gefragt wird. Es entsteht manchmal der Eindruck, als würden die, die vermutlich auch nur Entscheidungen des Konzerns, Entscheidugnen der Wirtschaftlichkeit ausführen, uns, die wir Tag für Tag am und mit den Menschen arbeiten, fragen. Wenn man dann aber genau hinsieht, Revue passieren lässt, so scheint es doch nur, als würden sie ein wenig Honig verteilen, damit die bittere Medizin, die subtil, aber unweigerlich doch später folgt, ein wenig süßer schmeckt. Da werden sukzessive die Dinge, in denen viel Herzblut eines gesamten Teams und vor allem 2 Personen steckt, die den Laden vor gerade einem Jahr in den Ruhestand verlassen haben, unterwandert, um sie wieder anzugleichen an ein mehr schlecht als recht funktionierendes System. Aber da ist niemand mehr, der seine schützende Hand über ein Konzept hält, was nah an den Patienten ist. Ein Konzept, was effektiv ist, ein Rahmen, der Möglichkeiten bietet in vielerlei Richtungen. Ein Konzept, das einen großen Teil der Patienten weit mehr profitieren lässt als alles, was bisher war. Dafür aber muss der Einzelne im Team sicherlich zu manchem bereit sein. Teamarbeit eben, Flexibilität, Absprachefähigkeit, Interdisziplinarität, Begleiten von Gruppensettings und viel Arbeit auf der Beziehungsebene. Das gelingt nicht allen - auch das macht es schwer, denn wenn diese Voraussetzungen fehlen, wünscht sich der Therapeut eigentlich die Rückkehr ins starre System, in dem ich einfach nach vorgegebenem Plan arbeite, ohne Rücksicht nehmen zu müssen auf die Belange der Menschen, die wir behandeln. Solche Theraoeuten werden aber vielleicht viel mehr befragt, weil sie wohl eben diesesn Weg ebnen, zu dem das Haus augenscheinlich zurück will. Denn das starre System bietet mehr Raum für wirtschaftliche Transparenz. Mehr Raum auch für messbare Entwicklung. Standartisierte Punktesysteme. Systeme, die die Menschen nicht weiter abbilden. Tatsächlich aber fragt genau danach niemand mehr. Da kann auch ein Chefarzt mehrmals versichern, dass es wichtig, gut und richtig, gar wünschenswert sei, individuell auf den Einzelnen einzugehen, individuelle Forschritte zu dokumentieren. Der Konzern  an vorderster Front und seine Umsetzer jedoch postulieren mehr und mehr standartisierte Verschriftlichungen zur Deskription erfolgter Fortschritte im Rehaaufenthalt. Die Liebsten sind mir die Menschen in Positionen über mir, die eben dies in den höchsten Tönen loben: "Standarts benötigen weniger Zeit, alles wird doch so viel einfacher, es macht so viel weniger Arbeit!" Es bleibt mehr Möglichkeit, Therapien abzurechnen, die Zeit drumerhum wird durch das Ersetzen von Fließtext durch Zifferneingabe minimiert. Eine ganz großartige Neuerung. Wundersam, dass ebendiese Leute auf der Ebene der Empathie und der Ebene der eigenen Meinungsbildung irgendwie anders ticken. Dorthin aber geht der Weg.  Frustran.
Im Großen nimmt das in meinem Alltag nicht viel Raum ein derzeit - weil ich dennoch so arbeite, wie ich es gut mit mir, meinen Anforderungen an meine Arbeit, Therapie, Dokumentation und  meinen Vorstellungen zum Umgang miteinander und den Patienten vereinbaren kann.  Das kostet mich trotz eng getaktetem privatem Zeitplan zwar Woche für Woche im Schnitt 3 Überstunden, die weder bezahlt noch abgegolten werden, aber mir geht es gut damit. Jedoch wenn ich genau hinsehe, wird die Tragweite all dessen größer und größer. Es ist schon eine Kunst, mich da abzugrenzen. Zu akzeptieren, dass ich wenig Handlungsspielram habe. Ich schweige nicht und ich nehme auch nicht hin. Ich sage was wichtig ist, spreche, wo es mir möglich ist. Und es ist auch nicht so, als gäbe es keine Fürsprecher. Aber auch der neuen Oberärztin, die noch am nächsten von allen dran ist und die an vielen Stellen durchaus vieles objektiv passend beurteilt, sind gegen Konzernwünsche und deren Umsetzungen, so subtil sie sich auch einschleichen mögen, die Hände gebunden. 
Es ist also Tag für Tag ein Mix zwischen Besonnenheit, Akzeptanz und  Initiative gefordert, der dennoch einer großen Portion Abgrenzung bedarf, um mich nicht aufzureiben an Zuständen. Ich bringe mich ein und wende auch Energie auf, aber wenn es zu schwierig wird, wird auch mein Energiereservoir, das ich für die alltäglichen und zehrenden Dinge des Lebens außerhalb meiner Arbeit brauche, angezapft. Im Moment läuft es gut, ich komme gut zurecht und fühle mich nicht so sehr belastet, weil ich mich in Gelassenheit übe. Ich hoffe sehr, dass das noch ein ganzes Weilchen so bleiben wird. Obwohl mir das derzeit so gut gelingt, merke ich, wenn ich genauer hinschaue, dass auch das ein verdammt hartes Stück Arbeit ist.

Montag, 29. April 2013

Loslassen

Das Kind, das große, freute sich in den letzten Tagen ausgiebig. Mal quietschend, mal mich dabei fest umarmend, mal einfach nur lachend und Augen blitzend. Heute begann endlich das, worauf sie sich so sehr freute: ihre erste Klassenfahrt. Fünf Tage lang ist sie nun auf Reiter- und Abenteuerferien mit ihrer und der Parallelklasse. Ein, zwei klitzekleine ängstliche Momente hatte sie schon, dass sie vielleicht auch ein wenig Heimweh bekommen könnte, so wie sie es von den beiden Erstklässlern, die mit ihr und anderen grösseren Mädchen auf dem Zimmer sind, vermuten. Einen Schlachtplan haben die Großen entworfen, wer sich dann um wen kümmert und mein Mädchen hat ein Geschichtenbuch zum Vorlesen am Abend für die beiden eingepackt. Dennoch wette ich, dass es sicher den ein oder anderen kleinen Moment geben wird, wo sie selber wird schlucken müssen. Das erste Mal länger fort von daheim. Aber sie wird das schon machen.
Und ich? Ein paar Tränchen musste ich mir am Morgen verkneifen, als sie in den Zug stieg. Und es werden sehr sonderbare Tage werden ohne sie. Und es wird mir sehr schwerfallen. Dieses nun so geballte Loslassen, obwohl es sich sowieso immer mehr abzeichnet, dass es da viele kleinere und manchmal grössere Schrittchen hin zum Loslassen müssen gibt. Eigentlich aber will ich festhalten. Loslassen ist wichtig. Und richtig. Aber so schwer.

Sonntag, 9. Oktober 2011

Löchriges Sieb

Mein Kopf ist ein löchriges, kaputtes Sieb. Verschollene Erinnerung. Ungläubiges, erstauntes, erschrecktes Staunen bei den Erzählungen der alten Freundinnen, was ich erlebt haben soll, von dem ich nahezu nichts mehr weiss. Allenfalls kurze Momentsfetzen ohne Handlungshintergrund in meinem Bewusstsein. Sonst ist da nichts. Weg. Versunken im leeren Raum stehe ich da, höre zu und bekomme grosse Augen - denn da ist einfach nichts.
Schwarze, dunkle Leere. Ausradierte Zeit. Vorbeigezogenes, nicht wahrgenommenes Erleben.

Verhungertes Sein.

Beängstigend.

Samstag, 4. Juni 2011

Bürokratie

Jahr um Jahr dasselbe:
ungeheuerliche Bürokratie. Zusammensuchen und Einreichen vieler vieler Zahlen. Völlig egal, ob ebendiese Zahlen längst vorliegen. Doppelt und dreifaches Zettelchen hin und herschieben ist hier die Devise. 
Die Steuererklärung lässt uns jedesmal die Haare raufen, entlockt uns mehr als eine wüste Beschimpfung der zuständigen Ämter, verantwortlichen Politiker und derer, die im Entferntesten mit diesem Zustand zu tun haben.

Jedes Jahr zudem mehrfach das Einreichen aller Einkommensnachweise, die doch eh schon längst in der Maschinerie vorliegen. Aber ach, ja, oh, an anderer Stelle, natürlich. Im anderen Haus.  Zwar der Stadt vorliegen, aber ach, das Jugendamt, das gehört zwar zur Stadt, natürlich, aber die möchten dann bitte danke dieselben Nachweise nochmals haben. Erst im Voraus und dann noch einmal rückwirkend. Auch hier wieder doppelt und dreifach gemoppelt. Erst dann wird der Kindergartenbeitrag berechnet. Vorläufig versteht sich. Denn nachher wird derselbe ja nochmals rückwirkend berechnet. 
Und in diesem Jahr geht es noch eine Stufe weiter:

"Werte Familie NebeLeben!
Bitte reichen Sie  Ihre Einkommensnachweise ein. Rückwirkend versteht sich, für das Kindergartenjahr, das am 31.07.2010  in der Einrichtung A endete. (Weil das ja auch noch gar nicht  berechnet worden ist. Zumindest quasi. Eigentlich erst zweimal. Einmal im Vorjahr des angegebenen Kindergartenjahres und einmal im letzten Jahr. Und nun berechnen wir das besser noch einmal. Weil die letzten Abrechnungen auch erst im Herbst eingegangen sind. Oder ach, war es Winter? Jedenfalls zu lange her).
Dann reichen Sie bitte noch die Einkommensnachweise für das Kindergartenjahr, das am 01.08.2010 in der Einrichtung B begann (wir wechselten ja die Einrichtung aufgrund verschiedener grausiger Zustände) ein.  Das muss ja auch berechnet werden. Rückwirkend diesmal. Weil die Berechnungen  im letzten August und Oktober waren ja Vorausberechnungen. Nun müssen wir aber bitte nochmal nachberechnen."

Soso. Ich erlaube mir dann mal, alles in einen Umschlag zu packen. Tatsächlich erhielt ich nämlich bitte danke am selben Tage 2 Briefe zu den beschriebenen Vorgängen. Von demselben Verantwortlichen. 

"Ach, Familie NebeLeben, bitte reichen Sie uns zudem unverzüglich Einkommensnachweise ein. Für die Berechnung der Schulbetreuung. Im Voraus."

Sie ahnen es - das war natürlich ein gesonderter Brief. Versteht sich ja von selbst.
Ich bin dann mal kopieren. Und tief durchatmen.

Freitag, 18. Juni 2010

Sowas

Da gehe ich heut abend zum ersten Mal seit langem wieder aus. Und was ist? Ich will eigentlich gar nicht. Prinbzipiell schon; eine liene Freundin feiert spontan ihren Geburtstag. Andererseits grauts mir jetzt schon vor vielen Leuten und dem dazwischen stehen, weil ich in keine der Grüppchen wirklich reingehöre. Viel lieber würde ich eine lange Weile für mich am Maschinchen sitzen, Ideen verwirklichen, die Nähliste nach und nach abhaken und einfach mal lange lange nähen, ohne von irgendwem oder irgendwas gestört zu werden.
Ist doch sonderbar.

Montag, 24. Mai 2010

Das Fräulein Overlock und der Martini

Manche Dinge versteh ich nicht. So gar nicht. Zum Beispiel, warum das Fräulein Overlock sich erst mit dem roten Garn anfreundet, als ich verkünde, dass ich, wenn es diesmal nicht klappt nach dem Einfädeln (es war das circa 23. Mal), einen Martini trinken würde. Stillen hin, stillen her, es ist ja diverser Ersatz im Haus. Da freue ich mich quasi schon auf meinen Lieblingsdrink, den ich nun seit fast 2 Jahren nicht mehr getrunken habe - und was macht das Madamchen? Sie läuft nach dem Fädeln mit schickem, knallroten Garn, als hätte sie nie was anderes gemacht. Sowas.
Und ich schwöre: ich habe nichts anders gemacht als all die 23 Male davor. Zumindest nicht wissentlich.
Also gibts heut abend keinen Martini. Aber dafür eine schnurrende Overlock.

Montag, 5. April 2010

Zeiten und Fragen

Da waren Zeiten, in denen schrieb es mich. Nicht wirklich ich schrieb, kein bewusstes, wohlüberlegtes Niederschreiben. Vielmehr nahm ich einen Stift oder setzte mich an den Rechner und schrieb. Es fühlte sich, als nähmen die Worte keinen Weg über meinen Kopf, sie kamen aus dem Herzen, aus dem Bauch und bahnten sich ungefiltert ihren Weg hinaus.
Das, was sich bahnte waren selten Worte über die schönen Dinge. Traurigkeit, Ängste, nagende und zehrende Gefühle waren es, die ich - wenn es denn überhaupt möglich war, sie in irgendeiner Form nach aussen zu lassen - niederschrieb. Die sich schrieben. Die aus mir herausflossen als Gefühle sich irgendwann in mir zu Worten formen konnten.
Noch heute berühren mich all diese Texte - es sind viele - sehr, reissen mich emotional mit in ihren Sog, ich tauche ein und spüre all das nach, was aus mir kam - ob ich es will oder nicht. Sie veränderten sich von Jahr zu Jahr, wurden manchmal präziser, manchmal tiefgründiger, manchmal universell auf so vieles anwendbar wo sie zuvor zumeist um ein Thema kreisten, was einen so grossen Teil meines Lebens ausmachte. Weil ich nicht bereit war zu fühlen, weil ich nicht soweit war, mein Fühlen aushalten zu können. Ich bin dankbar darum, dass es mir gelang zu schreiben, dass es mir gelang mich in die Worte fallen zu lassen. Lange, lange "redete" ich nicht mit meinen Lippen, nur mit meinen Händen und der Tinte. Später dann, las ich es vor mit bedeutungsleerer Stimme. Weil ich wieder nicht bereit war, mich all dem im Hier und Jetzt zu stellen. Nur in meinem kleinen Schutzraum des Schreibens gelang es mir, zu fühlen. Ohne zu denken. Und mehr als einmal war ich nachher überrascht. Schockiert. Überwältigt. Über das, was dort stand, wobei mir aber kaum erinnerlich war, dass ich es selbst verfasst hatte.
Texte voller Tiefe.

Weshalb ich das hier schreibe ist, dass ich immer mal wieder darüber nachdenke, wann und warum es aufgehört hat und mich so oft frage, warum mir all die guten, schönen, kraftvollen Gefühle nicht in einer solchen Form aufs Papier gelingen. Worte über diese innige Liebe zu unseren Töchtern, die tief verwurzelte Liebe zu meinem Ehemann, der so viel Licht und Wärme in mein Leben brachte.
Nur die in der Liebe verborgenen Zweifel, Ängste, Sorgen fliessen derartig aufs Papier. Nicht aber die Liebe selbst. Es ist nicht weiter von grossem Belang, da sie ja da ist, diese Liebe, all das Gute. Sie findet Wege in Gesten, Umarmungen, gesprochenen Worten, nächtlichen Blicken zu den Kindern hin, in eingefangenen Momenten am Tage. Aber sie so beschreiben wie ich es sei t jeher mit all den schwierigen Dingen des Lebens schreibend konnte - gelingt mir einfach nicht. Einfach sonderbar. Oder eben einfach anders. Wie es eben ist.

Samstag, 20. März 2010

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Es gibt Tage die zehren und zerren an mir. Momente, oft gefühlte Stunden, mit dem grossen Kindelein, die zehren meine Energie und zerren an allem was ich habe. Viel zu viele Momente, in denen meine Reaktionen ganz und gar nicht sinnhaft, logisch, richtig oder gut sind. Da steht ein kleines Wutmonster mit all ihrem ungefilterten Leid, mit all der Kraft ihrer Emotionen vor mir und tut das, was irgendwie das ist, was ich eigentlich für richtig halte: sie gehen lassen. Sie raus lassen und in die Welt schreien, sie mir ins Gesicht schreien, weil in Ihren Augen ich die bin, die die Wut in Ihr entfacht. Und statt hinzunehmen, sie bei der Hand zu nehmen, sie wüten zu lassen und ruhig zu bleiben, schlägt sie in mir eine Saite an. Nicht sanft sondern mit aller Gewalt. Und dann stehen wir da und gewittern uns bar jeder Vernunft und mit aller Macht an. Kein einziger Knall sondern eine sich lange fortsetzende und nicht enden wollende Schaukelei. Die Saiten schwingen. Es macht Mühe. Mir und ihr.
So oft wenn ich sie ansehe blicke ich in einen Spiegel. Und sehe Dinge, die ich an mir kaum leiden mag in diesem Kind, was ich so liebe. Vielleicht ist es das, was die meiste Mühe macht - gepaart mit Hilflosigkeit.

Dann wieder andere Tage, die so wunderbar sind.

Oft kommen Fragen auf. Fragen nach dem Warum, Fragen nach dem Miteinander Umgehen, Fragen nach der Wertschätzung. So voller Liebe bin ich, doch warum feit mich diese Liebe nicht vor all diesen schweren Momenten, warum kann ich diesen Momenten nicht liebevoll lächelnd gegenüberstehen? Sind sie in Wahrheit nicht doch so belanglos, wenn es um all die vielen alltäglichen Nichtigkeiten geht? Ich liebe und akzeptiere dieses Kind doch so, wie sie ist. Genau wie auch das Babylein. Wunderbar sind sie, die eine wie die andere. Jede für sich. Manches darf mir und ihr, ihnen beiden mehr Mühe machen als anderes. Aber wie können solche Dinge so manches Mal so beherrschend sein, dass ich einfach das Handtuch werfen will? Oder gar muss, weil ich nicht standhalten kann. Wie kann das sein?
Ich will ihnen das Leben zeigen, Glück und Zufriedenheit in ihre kleinen Herzchen pflanzen. Und all zu oft hab ich Sorge, dass mir dies nicht gelingt, nicht gelingen wird.

Hätte mir je jemand vor der Geburt der Mädchen gesagt, wie schwer es ist, Kinder zu haben - ich hätte nicht geglaubt dass es so schwer ist. Unbestreitbar sind diese Kinder das allerbeste und wunderschönste was mir je passiert ist und ich bin voller Dankbarkeit, sie hier bei uns zu haben. Dennoch bleiben sie meine bisher grösste Herausforderung.

Dienstag, 23. Februar 2010

Das Kindelein...

... und der Weihnachtsmann. Das war erst grad neulich. Aber, mal ehrlich: bei dem wilden, wiederkehrenden Schneegewusel muss ja jeder ein wenig durcheinander kommen. Selbiger Weihnachtsmann war schon wieder mit vollbepacktem Sack auf dem Weg... Nach guten Zureden legte er sich dann doch nochmal nieder zur ganz bestimmt bald kommenden Frühlings und Sommerpause. Bei den Pflasterfarben, die das Kindelein zur Schau trägt, kann er ja auch gar nicht anders, der Frühling, als endlich mal einzuschneien hervorzukommen.

Und wer lockt sonst noch so den Frühling?

Samstag, 20. Februar 2010

So Zweifelei

Es ist schwer in Worte zu fassen derzeit mein Zweifeln. Es hängt im Herzchen, fest verankert. Aber was es genau ist, kann ich nicht wirklich greifen.
Das grosse Kindelein ist es. Sie zehrt. Oder besser ihr Tun zerrt an meinen Nerven und zehrt sie auf. Regeln übertreten. Voller Energie, immer wieder und wieder. Wissentlich, bei Erinnerung erst recht und so manches Mal mit einem kleinen aber sehr sichtbaren Lächeln.
Im Sprachgebrauch nutzt sie plötzlich falsche Vergangenheitsformen, längstens bekannte und sicher gebrauchte unregelmässige Verben werden wieder übergeneralisiert als "regelmässige" genutzt.
Babysprache ist auch immer mal wieder gern gebräuchlich.
Was sie vor allem viel tut ist jammern, jammern und zetern. Bei kleinsten Kleinigkeiten.
Und ich, ich stehe so oft da und verzweifle. An mir, an ihr, an uns gemeinsam. Ich komme nicht ran und fühle mich so weit von ihr entfernt. Oft kann ich sie nicht erreichen. Noch öfter bin ich hilflos und fühle mich wie ein begossener Pudel.
Ich weiss nicht was los ist, ich weiss nicht was ich tun soll, weiss nicht, wie ich ihr helfen kann und vor allem wobei.
Ich bin ihr gegenüber wohl oft unausgeglichen, sehr oft meckernd an ihr. Und finde es selber schrecklich. Ich bin nicht gelassen. Und wäre es so gern.
Und ich zweifele an mir, an dem was ich tue, an meinem Umgehen mit Ihr, an meinem Mutter sein.

Freitag, 12. Februar 2010

Belanglosigkeiten

Da sind so viele Belanglosigkeiten, die in dem Moment des Erlebens oftmals nicht solche sind. Jedoch im Grossen und Ganzen betrachtet, verlieren sie an Wichtigkeit. Die Wertigkeiten verschieben sich in besonderen Momenten - als würden plötzlich die Augen und das Herzchen aufgehen für die Dinge, die wirklich von Belang sind oder es sein sollten. De facto treten aber genau diese im Alltag so oft zurück, der Horizont der eigenen Wahrnehmung schrumpft. Warum kann ich die Gefühle, Einsichten und Ansichten, die ich in besonderen Momenten klar in mir habe, nicht halten im Alltag? Warum treten sie zurück und lassen die kleinen Belanglosigkeiten an Wichtigkeit zunehmen? Sind die wahrhaft wichtigen Dinge immer nur dann präsent, wenn man Gefahr läuft sie zu verlieren? Und wenn dem so wäre, ist es dann zu schmerzlich, sie dauerhaft wertzuschätzen, weil sie auch dann wohlmöglich mit einem allzu drohendem Verlust in Zusammenhang stehen? Wobei die Wertschätzung ist eigentlich immer da, tief innen. Nur eben nicht im Alltag; dieser geht seinen Gang und viele viele andere Dinge nehmen ihn ein. Ist es das? Der Blick aufs Ganze ist verschleiert durch all die alltäglichen Details?
Manchmal fällt es mir schwer. Insbesondere dann, wenn ich mich an alltäglichen Kleinig- oder Grossigkeiten selber aufreibe. Anstatt gelassen sein und bleiben zu können. Weil eigentlich, eigentlich sind es Belanglosigkeiten. Aber eben so präsent.

Mittwoch, 10. Februar 2010

Vorrat

Manchmal scheints mir, dass das Kindelein einen Buntstifte Vorrat hat, der bis zum Abschluss eines Hochschulstudiums reichen wird. Mindestens. Und ich habe davon sage und schreibe kein einziges Päckchen gekauft.

Freitag, 8. Januar 2010

Schaufenstergefühle

Vor dem Urlaub da gab es noch dies und das in meinem Köpfchen, was einen Eintrag wert gewesen wäre. Wie die Schaufenstergefühle.
Neulich erging es mir so. Ich war auf einer Veranstaltung mit mir eigentlich recht vertrauten Menschen, manche sind es mehr, manche weniger. Aber alles in allem Menschen, die mir lange fast täglich begegneten, mit denen ich mich über verschiedenste Dinge austauschte, mit denen ich einfach Zeit verbrachte.
Aber dann gibt es Ereignisse, die diese Vertrautheit, diese Normalität aussetzen. Und plötzlich bin ich zwar noch dabei, aber tatsächlich schaue ich nur zu. Stehe vorm Schaufenster und blicke hinein. Sehe, was geschieht, und höre auch, was gesprochen wird. Aber wirklich drinnen bin ich einfach nicht mehr. Es ist nicht mehr, derzeit nicht meins. Meins ist anders, meins ist draussen und deren ist drinnen. Es fühlt sich sehr sonderbar und komisch an, eigentlich dabei zu sein, aber nur zu beobachten, nicht wirklich teilzunehmen - und das dazu bei klarem Verstand. Bisher war mir nur bekannt, durch meine Mauern zu sehen, gefangen zu sein im eigenen Ich, vernebelte Sinne zu haben. Der Nebel damals war aber kaum beeinflussbar, nicht selbst gewählt. Die Schaufenstergefühle jedoch sind ein Stück weit bewusste Entscheidung. Zum einen eine Entscheidung für meine veränderte Position und zum anderen die bewusste Entscheidung, überhaupt zum Schaufensterbummel zu gehen. Dennoch bleibt da letzlich ein wenig Wehmut. Wehmut über die Erkenntnis, wie schnell sich Lebenszusammenhänge und Zugehörigkeiten wandeln.

Montag, 4. Januar 2010

Vom Lernen

Lernen ist wohl ein Prozess, der uns ein Leben lang begleitet oder begleiten sollte. Tag für Tag ist es deutlich zu sehen an den Kindern. Das Babylein schafft nahezu jeden Tag ein klein wenig Neues, kommt ein klein wenig höher, dreht sich ein klein wenig weiter, schneller. Erkennt ein klein wenig mehr.
Aber auch das grosse Kindelein macht so seine Erfahrungen und lernt die Welt kennen, begreifen und auch, sie für sich zu verändern. Ihre kleine Welt.
Manchmal stellen sich dazu Fragen. Was soll sie lernen und wie soll sie lernen zum Beispiel. Beide Fragen sind inzwischen für mich, für uns im Alltag in den Hintergrund gerückt. Einfach, weil sie momentan sehr vieles lernt, was sie lernen will; sie lernt, weil es sich aufgrund verschiedener Ereignisse so ergibt. Sie lernt, weil sie lebt, die Augen und Ohren offen hat und sich heraussucht, was sie reizt. Dem geben wir nach, darauf steigen wir ein, antworten auf Fragen, erklären, zeigen. Manchmal mit der Taschenlampe als Sonne und der Mandarine als Mond, manchmal als zeigender Finger, manchmal mit Worten.
Ob das gut sei fürs Kind fragt da manchmal mancher. Und ich frage mich - warum sollte das schlecht sein? Ein Kind, das interessiert ist an Farben wird sie sehen, suchen, zusammenbringen. Es wird sicherlich Farben verschiedenster Art besitzen, bekommen: an und in den Dingen sowie als Farbe im künstlerischen Sinne: Stifte verschiedener Arten, Wasserfarben, Plakafarben, Kreide. Wer würde dem Drang zu malen, Bilder zu schauen, zu beschreiben, Farben zu mischen Einhalt gebieten? Und wieso sollte man?
Ein Kind, das sich gerne bewegt, was Spass hat am Klettern, Rennen und Ballspielen wird sich austoben dürfen. Der eine im Verein, der andere im Garten.
Ein Kind, was früh fasziniert ist von Buchstaben und Zahlen, was diese findet, ohne zu suchen, irgendwann dann auch zu suchen beginnt und noch mehr findet, was fragt, was wissen will, sollten ihm Antworten verwehrt werden? Nein, warum auch?
Soll es ein Grund sein, nicht zu antworten, weil das Kind noch klein ist? Weil es noch längst nicht zur Schule geht und es weder Buchstaben noch Zahlen lernen muss? Weil es dann irgendwann später genau dies erst in der Schule lernen soll? Wird es ihm sonst nicht in der Schule langweilig werden?
Sollten wir aus solchen Gründen das Kind in seinem Interesse bremsen? Ihm ausweichend antworten oder gar keine Antworten geben?
Nein.
Ich denke, genau damit würden wir dem Kind keinen Gefallen tun. Ich anworte auf ihre Fragen, ich fördere Interesse, das sie mir zeigt. Ich schenke dem Kind so Buchstaben und Zahlen Dinge. Und es gibt Zeiten, da saugt sie sie auf und Zeiten, da legt sie sie weg. Ich setze mich nicht mit ihr hin, um ihr Lesen beizubringen. Ich setze mich zu ihr und sie liest. Und wenn sie nicht mehr weiss, wo sie ist und mich um Hilfe bittet, leihe ich ihr meinen Finger, zeige ihr wo und wie es weitergeht.
Was ist dabei? Gut, sie ist 4 Jahre alt. Und? Sie ist wie sie ist. Ich finde toll, wie sie ihre Welt begreifen will, wie sie sie für sich verändert. Ich habe mir nicht gewünscht, dass sie lesen lernt. Sie aber. Und sie tut es. Warum sollte ich ihr das wegnehmen? Sie hat genauso Interesse an vielen anderen Dingen. Rollenspiele, malen, sich bewegen, an Geschichten.
Wie es sein wird, wenn sie zur Schule geht - wie kann ich das jetzt wissen? Vielleicht wird sie sich langweilen, vielleicht aber auch nicht. Nur weil es sein könnte, würde ich sie aber in ihrem lernen wollen nicht bremsen. Es geht ihr gut dabei. Sie ist ausgeglichener, wenn ich sie lasse. Lesen lasse, schreiben lasse, zählen lasse, ihr Zahlenzusammenhänge zeige. Ich würde ihr wohl kaum einen Gefallen damit tun, ihr zu sagen: "ach, dafür bist Du noch zu klein" oder ihr Interesse daran einfach unter den Teppich fallen zu lassen und sie davon abzulenken.
Sie lernt, Tag für Tag. So wie das Baby. Und ich. Und der Gatte. Und alle anderen.
Sie ist besonders, ja ganz sicher. Nicht, weil sie etwas kann, was sie noch gar nicht können müss. Einfach, weil sie sie ist.


Dienstag, 22. Dezember 2009

Skurril

Schnee. Glitzernd trotz grauem, dunklem Himmel. Flirrende Weite, ein Knirschen unter den Füssen, da noch eines. Ein Jauchzen und Juchen des Kindeleins, als es sich in den Schnee fallen lässt. Ein Blick gen Horizont, der mich taumeln macht durch das schier endlose Weiss am Boden, dass sich in der Ferne in den Himmel zu erheben scheint um all sein Grau zu durchdringen.
Es ist schön. Obwohl es im ersten Moment so skurril erscheint: das Knirschen des Schnees unter den Füssen und in den Ohren das Rauschen des Meeres.
So wie es eben manchmal kommt im Leben.

Montag, 7. Dezember 2009

Besinnlichkeit

Ich wünsche mir da so ein bisschen Besinnlichkeit, ein bisschen Freude und Ruhe ins Herzchen, die eigentlich den Zauber der Weihnachtszeit ausmacht. Auch wenn mir neulich die liebe vielbeschäftigte Freundin einen Adventskalender (DANKE, Du Liebe!) mit diesen zuckersüssen kleinen Bildchen und Wünschen zu ein bisschen Besinlichkeit im Alltag schickte, lässt diese noch auf sich warten. Zumal das Kindelein am Morgen immer gerne versucht, mir das Öffnen abspenstig zu machen (und es meinst auch schafft ;-)).
(Bilder gibts keine. Oder später, weil das Ding geblitzt ziemlich doof aussieht. Dabei ists wundersüss.)
Nach wie vor viel zu tun und zu erledigen, dazwischen diverse regelmässige Aufgaben und Termine meinerseits sowie des grossen Kindeleins. Mittendrin immer das durchaus ausgeglichene Baby, was aber auch Aufmerksamkeit und Zeit einfordert. Bleibt unterm Strich noch viel Arbeit, die bis zum 20. getan sein will. Schaffen werde ich vermutlich nicht alles, aber selbst wenn ich mit Mut zur Lücke an das alles herangehe, bleibt wenig Raum besinnlich zu werden. Weiterhin treiben mich, uns Gedanken um, die keiner je haben will, die aber irgendwann unausweichlich sind. Auch das raubt die innere Ruhe, die ich mir eigentlich wünsche.
Aber nächstes Jahr wird alles anders. Hoffe ich.

Freitag, 4. Dezember 2009

Wech

Seitdem sind Handfeger und Kehrschaufel übrigens spurlos verschwunden. Der Zustand hält also an. Oder scheint gar schlimmer zu werden...

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Routinekontrollen?

Routinekontrollen, die zu einem Eingriff werden und die dreimal so lange dauern wie die eigentliche geplante Routinekontrolle und genau da enden, wo sie vor 6 Monaten begonnen haben - nämlich im stationären KKH Aufenthalt - sind nicht witzig. Aber immerhin waren sie nicht ganz so schlimm wie mein Kopfkino.
Glücklicherweise steht diesmal kein wichtiges Ereignis bevor, wie im Sommer die Geburt vom Fröschlein. Von daher sind wir entspannter. Allerdings gibt uns die Notwendigkeit des Eingriffes ansich arg zu denken.
Besser macht es der mangelnde Informationsfluss und die immer wieder abweichende Behandlung im selben KKH, gar auf derselben Station, auch nicht gerade. Verunsicherung und diffuse Ängste lassen grüssen.
Morgen dann eine erneute Kontrolluntersuchung dessen, was heute chirurgisch versorgt worden ist. Und dann darf der Gatte vielleicht wieder heim.
Und wir hoffen dann mal, dass es diesmal nicht wieder zu Nachblutungen kommen wird.