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Sonntag, 10. September 2017

Pläne und Realitäten.

Eigentlich war mein Plan, dieses Wochenende quasi nichts zu tun. Die einzige Verabredung traf ich im Vorfeld mit meinem Fernseher, um das BVB Spiel am Samsatg anzusehen. Bitter nötig ist mir eine Pause. Das ist insgesamt schwierig, weil die verschiedenen Situationen das nicht hergeben - Leben im Mehrgenerationenhaus, Schlafen im familialen Wohnschlafraum, viele zu erledigende Dinge bei laufendem Erbstreit, und zusätzlich einem rastlosem Inneren bei viel zu vielen dunklen eigenen Gefühlen undsoweiterundsofort. Aber vorgenommen hab ich es mir immerhin...
Fakt war dann, dass ich mittags der Mutter bei diversen Dingen half, K2 zur Geburtstagsparty brachte, eben noch schnell vergessene Einkäufe erledigte, zudem K1 eine dringend benötigte Sweatjacke kaufte und mit dem Gatten gemeinsam die Waschmaschine wieder herrichtete (sie pumpte kein Wasser mehr ab). Aber - dann sollte ja der Nachmittag kommen. Ich frühstückte Chips (weil Essen vor dem Nachmittag momentan einfach nicht geht) vor dem laufenden BVB Spiel, bis nach einer Viertelstunde die Mutter zu mir nach oben kam. Fortan schauten wir gemeinsam, bestellten spontan Sushi zum Abholen, aßen selbiges nach dem Spiel und gingen mit dem kleinen Kindelein aufs Pfarrfest nebenan, wo das große Kind und HerrNebeL bereits für den Verkauf grillten.
Bis auf die Hilfe am Mittag (die viel Geduld erforderte) war das eigentlich recht entspannt. Fort von daheim führten wir bei einem Glas Wein (die Mutter) und 2,3 Cocktails (ich) schöne Gespräche. Darüber, wie wir die Welt sehen, den Erbstreit beurteilen. Darüber, wie wir meinen Vater, ihren Mann empfanden. Und manches von früher.
Es ist schön, so mit ihr zu reden. Zumal ich dann auch in den Hintergrund drängen kann, wie hilfsbedürftig sie an so vielen Stellen ist. Natürlich hat sie immer noch ihre Empfindungen, Meinungen, die aus ihr heraus kommen und nicht die, die plötzlich aufpushen, wenn etwas zu schnell geht oder zu viel wird - wenn sie, um sich aus der Bedrängnis zu kämpfen an Stellen, wo sie nicht mehr folgen kann, schimpfig  und irrational wird - was sie früher  niemals war. Das heute aber war so eine Gelegenheit, wo sie einfach sie selber war. Und nicht betroffen vom Vergessen. Das sind wertvolle Momente. Für sie. Für mich. Aber sie kosten mich, auch wenn sie schön sind, auch wenn ich sie als einen Lichtblick des Tages betrachten mag, ungeheuer viel Kraft.  Kraft, die ich nicht mehr habe. Vielleicht auch auf dem Boden der Erkrankung der Mutter, dem gerade verstorbenen Vater, all den Dingen drumherum und dem derzeitigen Zustand, in dem ich selber mich befinde.
Ich brauche eine Pause. Weiß ich. Aber egal, wie sehr ich versuche, für mich zu sorgen - es gelingt einfach nicht.  Da ist kein Raum.  Ich fühle mich gefangen in allem.

Ich glaub, im Moment ist es hier wirklich schwer.

Sonntag, 30. Juli 2017

Vom Funktionieren

Ich funktioniere. Ich funktioniere meistens. Ich funktioniere, wenn es mir nicht so  besonders gut geht. Wenn ich mal einen schlechtern Tag habe oder mies gelaunt bin. So, wie wir das alle tun. Die Nerven sind dann zumeist daheim ein wenig gespannt, aber wer kennt das nicht. 
Ich funktioniere jedoch auch, wenn das Dunkel aufzieht. Wenn mir die Luft zum Atmen wegbleibt, wenn der Schlaf kein erholsamer mehr ist, wenn ich denn überhaupt schlafen kann. Wenn die Träume verrückt spielen, und ich von einem Alptraum in den nächsten schlittere. Nicht eine Nacht, sondern nahezu jede. Ich funktioniere, wenn die Leere Besitz von mir ergreift, wenn sich mein Sein vernebelt. Wenn die Geräusche zu laut sind, das Licht zu hell. Wenn es mühsam ist, einem Gespräch zu folgen, weil sich die Konzentration so sehr auf die basics des eigentlichen Seins konzentrieren muss, dass kaum noch Platz für Anderes bleibt. Ich funktioniere, wenn mir die Glieder schwer sind vor der Last des Alltags. Ich funktioniere, wenn meine Gedanken nicht stillstehen können und mich schier in den Wahnsinntreiben und nur noch das stille Zählen von Dingen ein wenig Rast in das Gedanken-Karussell bringt. Ich funktioniere, wenn ich innerlich längst zusammengekauert in der Ecke hocke und mich nach Beruhigung sehnend vor- und zurückwiege. Ich funktioniere einfach weiter und putze die Fassade. Wer mich nicht näher kennt, bemerkt das nicht mal. Und die, die mich kennen, bemerken es oft nur dann, wenn sie genau hinschauen. 
Das Funktionieren ist so ein Ding mit zwei Seiten. Ich funktioniere immer lange. Viel zu lange. Denn in den meisten Fällen stürze ich danach tief, sicherlich tiefer, als ich gestürzt wäre, wenn ich denn früher innegehalten und mich gekümmert hätte. Oder mich versucht hätte zu kümmern. Oder in vielen Fällen Hilfe in Anspruch genommen hätte. Letzteres ist ein Punkt, den ich möglichst lange hinauszögern will. Immer. Denn es liegt mir gar nicht, überhaupt Hilfe zu benötigen, geschweige denn anzunehmen oder gar aktiv danach zu fragen. Ich möchte alles mit mir selber ausmachen, alles selber schaffen, niemandem zur Last fallen. Mich in schlimmen Zeiten niemandem zumuten. Und ich will mich gar nicht erst zeigen. Will nicht offenbaren, was denn unter dieser Fassade tatsächlich ist. Die Fassade ist nicht eine gänzlich falsche, die Fassade bin auch ich, sie gehört auch zu mir und meinen eigentlichen Empfindungen Aber in vielen Momenten ist sie eben nicht authentisch, weil es im Innen gerade ganz anders aussieht. 
Da sind aber auch Zeiten, in denen mich das Funktionieren und die Fassade hochhalten. Mir Struktur geben, mir einen geregelten, bekannten Alltag ermöglichen, der mir Sicherheit gibt, an dem ich mich entlanghangeln kann, wenn im Innen das Chaos tobt. Oder die Leere. Oder das Dunkel. Wenn mir der Nebel die Sicht nimmt, kenne ich mich in meinem Alltag so gut aus, dass ich ihn dennoch bewältigen kann. Und hier kommt die Crux - wo hört das "gute" Funktionieren auf, das Sicherheit gibt, und wo fängt das "schlechte" Funktionieren an, das mich weit über alle Grenzen treibt? Nach all den Jahren, in denen mich verschiedene, psychiatrisch titulierbare Seelenzustände eng begleiten, fällt es mir immer noch schwer, das herauszufinden. Es ist immer noch schwer, mich selber wahrzunehmen und zu bewerten in einer Depression, in dissoziativen Zuständen sowie Belastungszuständen, um eben dann die Formen des eigenen Funktionierens  voneinander abzugrenzen zu können.
Darüber hinaus drängt die eigene Situation mich oft dazu, auf jeden Fall zu funktioneren - ganz ab von meinem Berufsleben. Denn mein eigentlicher "Hauptjob" ist entfernt von einer Arbeitsunfähigkeit: 
Ich liebe es, Familie zu haben. Und mir ist nie etwas Schöneres passiert, als Mutter sein zu dürfen. Aber ich habe auch noch nie etwas Schwereres getragen. Auch in schlimmen Phasen muss es zu Hause weitergehen, muss es einen Alltag für die Kinder geben, muss ich als Mutter "da" sein, auch wenn ich gar nicht mehr kann. Das ist zumindest mein Anspruch an mich, und der ist ein Stück weit auch okay so. Aber irgendwann kommt auch hier wieder der Punkt, an dem ich vor der Frage stehe, ob das Funktionieren noch ein "gutes" und "tragbares" für mich ist, oder ob ich mit dem mir selber auferlegten Funktionieren-müssen alles nur noch verschlimmere. Dummerweise kam diese Frage bisher selten wirklich in solchen Situationen auf. Ich kann sie tatsächlich zumeist erst rückblickend reflektiert betrachten. Wobei es dann im Regelfall bereits zu spät ist. 

Das Funktionieren kann ein Segen sein, der mir den Kopf über Wasser hält. Und ein Fluch, weil es mich , den Kopf gut über wasser halten könnend, weit ins offene Meer treiben kann, bevor dann heimtückisch von unten der Strudel kommt, der mich doch in die Tiefe zieht. 

Immerhin weiss ich darum. Ich weiss sogar gut darum. Aber Wissen heisst nicht, dass ich in der Lage bin, dieses auch an mir selber anzuwenden. Es wird besser, von Mal zu Mal. Aber es erfordert ein ewiges Auf-der-Hut-sein, was wiederum immer auch ein Stück weit Energie kostet.

Und im Regelfall läuft all das unbemerkt ab von aussen - und das ist wohl einer der Gründe, weshalb so wenige Menschen auch nur annähernd einen Blick dafür haben, was es bedeutet, depressiv zu sein, psychisch krank zu sein. Denn so vieles passiert einfach im Verborgenen - unsichtbar für die Augen Anderer.

Montag, 29. April 2013

Loslassen

Das Kind, das große, freute sich in den letzten Tagen ausgiebig. Mal quietschend, mal mich dabei fest umarmend, mal einfach nur lachend und Augen blitzend. Heute begann endlich das, worauf sie sich so sehr freute: ihre erste Klassenfahrt. Fünf Tage lang ist sie nun auf Reiter- und Abenteuerferien mit ihrer und der Parallelklasse. Ein, zwei klitzekleine ängstliche Momente hatte sie schon, dass sie vielleicht auch ein wenig Heimweh bekommen könnte, so wie sie es von den beiden Erstklässlern, die mit ihr und anderen grösseren Mädchen auf dem Zimmer sind, vermuten. Einen Schlachtplan haben die Großen entworfen, wer sich dann um wen kümmert und mein Mädchen hat ein Geschichtenbuch zum Vorlesen am Abend für die beiden eingepackt. Dennoch wette ich, dass es sicher den ein oder anderen kleinen Moment geben wird, wo sie selber wird schlucken müssen. Das erste Mal länger fort von daheim. Aber sie wird das schon machen.
Und ich? Ein paar Tränchen musste ich mir am Morgen verkneifen, als sie in den Zug stieg. Und es werden sehr sonderbare Tage werden ohne sie. Und es wird mir sehr schwerfallen. Dieses nun so geballte Loslassen, obwohl es sich sowieso immer mehr abzeichnet, dass es da viele kleinere und manchmal grössere Schrittchen hin zum Loslassen müssen gibt. Eigentlich aber will ich festhalten. Loslassen ist wichtig. Und richtig. Aber so schwer.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Mittwoch, 30. Juni 2010

Vom Loslassen

Loslassen ist an der Tagesordnung, sobald man Kinder hat. Jeden Tag ein bisschen, mal mehr mal weniger.
Loslassen ist manchmal schön - zuzusehen wie sich die Kinder Stück für Stück weiter in die Welt wagen, ausprobieren, sich etwas trauen, sich selbst trauen, sich etwas zutrauen. Mit dem sicheren Hafen im Rücken.
Loslassen kann aber auch wehtun. Weil derjenige, der loslassen muss, vielleicht noch gar nicht so weit war.

Ich wars nicht. Und habe mich drängen lassen. Ein Rückzieher würde das Fröschlein aber nur verwirren. Nun also eine kleine Weile liebevolle Konsequenz. Und Tränen, weil sie mir so fehlen wird, des Nachts neben mir.

Freitag, 25. Juni 2010

Riechen

Das Babylein riecht immer ein klein wenig nach Leberwurst. Die landet nämlich neben der Schnute auch immer wieder gern sonstwo. Vor allem aber in des Babyleins Haaren.
Man stumpft wohl irgendwann ab - inzwischen wird oftmals nur noch halbherzig mit dem Läppchen drübergewischt. Sonst würde das Mädchen wohl ständig baden.
Wenn ich Glück hab, ists aber nur Frischkäse. Oder Butter. Tatsächlich aber scheint die Leberwurst wohl am besten zu kleben. Schade eigentlich. Ich mag nämlich keine Leberwurst. Auch nicht so gern riechen. Aber ach, wie gesagt, irgendwie hebt sich die Toleranzgrenze mit dem Zweiten doch ein ganzes Stückchen. Und die Prioritätenliste sowiso.

Samstag, 8. Mai 2010

Zehn

Zehn Monate ist es nun alt, das Babylein.
Eigentlich ist sie das nicht mehr, ein Baby. So ganz plötzlich scheint sie ein Kleinkind....
Vier Zähne sind durch und wachsen recht langsam. Seit Ende März war sie ein kleiner Vamp - der erste obere Schneidezahn war nämlich der Zweier auf der linken Seite. Zu süss wenn sie lächelt. Nach wie vor lächelt und lacht sie viel Beim Lächeln zieht sie die Nase unglaublich kraus und blinzelt aus faltigen Augen freudig in die Welt. Strahlend. Nach und nach zeigt sich dabei auch der zweite obere Schneidezahn, der seit Ende April durchgebrochen ist, diesmal der Einer.
Das erste Mal stand sie kurz nach Ostern auf. Dann dauerte es ein Weilchen und fortan wollte sie fast nur noch stehen. Ein paar Tage ists her, dass sie entdeckt hat, dass sie auch laufend vorwärts kommt - am besten mit dem Spieltrapez. Hauptsächlich robbt sie, allerdings im "Kreuzgang" mit Armen und Beinen. Mehr und mehr löst sie dies allerdings durch "echtes" Krabbeln ab.
Fremdeln ist ein Thema, wirklich gern ist sie derzeit nur bei mir, dem Gatten und meiner Mutter - die sie täglich sieht, da wir in einem Haus wohnen.
Das Babylein weiss, was es will. Sehr genau sogar. Es gibt gar eine Menge Situationen, in denen sie mit gestrecktem Zeigefinger auf genau das zeigt, was sie haben will. Und es auch lautstark verkündet. Zum Abschied und Hallo Sagen wird gewunken, egal obs um Personen oder auch die Sonne vorm Schlafengehen geht ;-).
"Mama" ist an der Tagesordnung genauso wie "ei" beim Streicheln. Egal ob sie wen oder was streichelt, sich selber streichelt oder gestreichelt wird. "Baba" ist der Papa und ansonsten versucht sie sich an "Nase" ("Ase" - eines der Dinge auf die sie immerzu piekend zeigt, sobald man ihrem kleinen Zeigefingerchen zu nahe kommt).
So oft geht mir das Herzchen auf, wenn sie nach mir ruft und vor allem wenn sie mich seelig lächelnd anschaut und Mama sagt. Hach.
Seit einer ganzen Weile hatte sie zumindest einmal am Tag Brei gegessen. Vom Löffel. Das ist inzwischen wieder komplett vorbei. Hier ist nur noch Fingerfood angesagt. Brot. Brötchen. Nudeln. Banane. Birne. Apfel. Hauptsache, sie kann es selber halten, in den Mund stecken oder sonst was. Löffel und Gabel sind wunderbare Dinge - zum Spielen. Gefüttert werden ist nur so unter ferner liefen möglich.
Gestillt wird weiterhin. Mindestens 3 mal täglich und mindestens 4 Mal nächtlich. Letzteres kommt allerdings regelmässig - also rund 5 mal die Woche auch 6 mal in der Nacht vor. Oder mehr. Zugegebenermassen schlaucht das etwas. Nicht das Stillen ansich, aber diese steten Unterbrechungen des eigenen Schlafes, wohingegen sie beim Stillen (ja, Stillen, nicht nuckeln...) quasi weiterschläft. An der Milch kanns nciht liegen, dass sie so oft trinken will denn selbst nach rund 1 Schnitte Brot und einem grossen MilchBreiFläschchen möchte sie öfter zum einen noch gestillt werden und erwacht dennoch nach 2,3 Stunden wieder. Und will gestillt sein.
Aber nun, so ists eben. So ist sie eben. Darf sie auch, ich nehm das eigentlich ganz gern hin, da sie im Grossen ein so ausgeglichenes kleines Wesen ist.
(naja, so 6,7 Stunden Schlaf am Stück sind dennoch ...nun...recht erstrebenswert irgendwie.... ;-))
Wunderbares, wunderwunderbares kleines Töchterlein.


Samstag, 20. März 2010

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Es gibt Tage die zehren und zerren an mir. Momente, oft gefühlte Stunden, mit dem grossen Kindelein, die zehren meine Energie und zerren an allem was ich habe. Viel zu viele Momente, in denen meine Reaktionen ganz und gar nicht sinnhaft, logisch, richtig oder gut sind. Da steht ein kleines Wutmonster mit all ihrem ungefilterten Leid, mit all der Kraft ihrer Emotionen vor mir und tut das, was irgendwie das ist, was ich eigentlich für richtig halte: sie gehen lassen. Sie raus lassen und in die Welt schreien, sie mir ins Gesicht schreien, weil in Ihren Augen ich die bin, die die Wut in Ihr entfacht. Und statt hinzunehmen, sie bei der Hand zu nehmen, sie wüten zu lassen und ruhig zu bleiben, schlägt sie in mir eine Saite an. Nicht sanft sondern mit aller Gewalt. Und dann stehen wir da und gewittern uns bar jeder Vernunft und mit aller Macht an. Kein einziger Knall sondern eine sich lange fortsetzende und nicht enden wollende Schaukelei. Die Saiten schwingen. Es macht Mühe. Mir und ihr.
So oft wenn ich sie ansehe blicke ich in einen Spiegel. Und sehe Dinge, die ich an mir kaum leiden mag in diesem Kind, was ich so liebe. Vielleicht ist es das, was die meiste Mühe macht - gepaart mit Hilflosigkeit.

Dann wieder andere Tage, die so wunderbar sind.

Oft kommen Fragen auf. Fragen nach dem Warum, Fragen nach dem Miteinander Umgehen, Fragen nach der Wertschätzung. So voller Liebe bin ich, doch warum feit mich diese Liebe nicht vor all diesen schweren Momenten, warum kann ich diesen Momenten nicht liebevoll lächelnd gegenüberstehen? Sind sie in Wahrheit nicht doch so belanglos, wenn es um all die vielen alltäglichen Nichtigkeiten geht? Ich liebe und akzeptiere dieses Kind doch so, wie sie ist. Genau wie auch das Babylein. Wunderbar sind sie, die eine wie die andere. Jede für sich. Manches darf mir und ihr, ihnen beiden mehr Mühe machen als anderes. Aber wie können solche Dinge so manches Mal so beherrschend sein, dass ich einfach das Handtuch werfen will? Oder gar muss, weil ich nicht standhalten kann. Wie kann das sein?
Ich will ihnen das Leben zeigen, Glück und Zufriedenheit in ihre kleinen Herzchen pflanzen. Und all zu oft hab ich Sorge, dass mir dies nicht gelingt, nicht gelingen wird.

Hätte mir je jemand vor der Geburt der Mädchen gesagt, wie schwer es ist, Kinder zu haben - ich hätte nicht geglaubt dass es so schwer ist. Unbestreitbar sind diese Kinder das allerbeste und wunderschönste was mir je passiert ist und ich bin voller Dankbarkeit, sie hier bei uns zu haben. Dennoch bleiben sie meine bisher grösste Herausforderung.

Mittwoch, 13. Januar 2010

Gleich. Und anders.

Das Babylein. Sieht sie mich, beginnt sie so unglaublich wunderbar zu lächeln. Mich anzulächeln, anzustrahlen. Du Strahlekind.
Manches ist so gleich wie beim grossen Kindelein. Aber so vieles ist so anders. Das Babylein läuft oft einfach mit; der Tag wird wenig nach ihr geplant, ausschlaggebend ist oft die Grosse. Aber das Babylein störts nicht.
Manche Fragen, die beim ersten Kind auftauchten, stellen sich heute gar nicht. Ich bin nicht mehr neugierig auf den nächsten Schritt, denn nun, nun gehts mir viel zu schnell. Will sie festhalten die Zeit, auf dass sie langsamer vergehe und mir das Babylein noch lässt. Beim Kindelein fieberte ich der Zeit entgegen, in der ich mit Beikost starten wollte. Einfach, weil ich neugierig war. Und heute? Beikost? Kommt mir kaum in den Sinn. Warum auch, das Babylein wird satt, gedeiht und ist noch wenig interessiert am Essen. Der erste Brei ist vielleicht der Anfang vom Ende. Und ein Ende kann und mag ich mir noch nicht vorstellen. Selbst jetzt ,wo ich am letzen Wochenende die Küche nahezu komplett entrümpelte und es nun wieder lichter und netter anzuschauen ist, reizt es mich nicht, bald Unmengen an Bio - Breien selbst einzukochen. Was ich beim grossen Kindelein damals sehr gern tat.
Das Babylein wird irgendwann umziehen, zum Kindelein ins Zimmer. Was schon dem nun bald irgendwann kommenden Hochbett entgegenfiebert. Ich gönn dem Kindelein sein Hochbett, was unten dann ein babytaugliches 2x1 m Bett haben wird. Aber das Babylein, das will ich noch bei mir haben. Bis zum allerletzten Moment, bis der baby.bay aus allen Nähten platzt (welch eine weise Voraussicht, dass wir den Grösseren genommen haben...). Und wenn das Kindelein dann schon 3,4 Monate im neuen Hochbett schläft macht das ja mal gar nichts, wenns unten noch unbewohnt ist.
Manches ist so gleich, so selbstverständlich. Und manches so anders.
Und beide Mädchen sind so unvergleichlich wunderbar. Jede für sich. Und jede anders.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Froschknopf Status

Der kleine Froschknopf wächst und gedeiht. Schon in der ersten Schwangerschaft war recht schnell zu sehen, dass ich schwanger war - so auch diesmal. Diesmal war aber außerdem ein ganz anderes Empfinden da. Ich wusste, dass ich schwanger werden würde, noch bevor die Eizelle sich auch nur eingenistet haben konnte; ich war völlig sicher noch bevor ich testete. Viel früher - noch vor der Übelkeit - bemerkte ich diese und jene Veränderung genau, spürte fast von beginn an meine Gebärmutter in mir, konnte und kann sie ertasten. Nichts, was mir in der ersten Schwangerschaft auch nur annähernd aufgefallen wäre. Zaghafte Bewegungen meinte ich bereits in der 14. Woche zu spüren - und schimpfte mich innerlich lachend als ziemlich verrückt. Allerdings bestätigte sich genau das Tag für Tag. Vielleicht bin ich mehr bei mir, in mir so dass ich mehr intuitiv in mich hineinfühlen kann ohne mich all zu sehr anzustrengen. Viel "Zeit" ist dafür irgendwie nicht - ganz anders als die erste Schwangerschaft läuft diese einfach so nebenher, ist nicht so präsenter Tagesinhalt wie damals bei Ida. Um so schöner, dass ich das Gefühl habe, die kurzen Momente viel intensiver und inniger zu erleben.
Ich absolut bekennender Bauchschläfer hab bei Ida bis zur letzten schwangeren Nacht auf dem Bauch geschlafen - bzw bin auf dem Bauch eingeschlafen. Wenn auch irgendwann ab der Mitte oder dem Ende der 20er Wochen mit ausgefeilter Methode, Kissen und Stillkissen möglichst um den Bauch herum zu platzieren. Aber es ging ganz hervorragend. Nicht so diesmal: schon seit langer Zeit habe ich das Gefühl der Unterbauch ist ein flacher, harter, schwerer Kieselstein, der sich immer weiter ausdehnt, zudem schwerer und schwerer wird und mich mit der Körpermitte zuerst in die Matratze hineinzuziehen droht. Also schlafe ich nun auf der Seite ein - und siehe da: auch das geht gut (hätte ich nienieniemals geglaubt, das ohne Heulen und Zetern und Unwohlsein zu können).
Zu diesem Zeitpunkt in der Schwangerschaft mit Ida haben wir schon Namen gehabt - wenn nicht, dann war es nur kurze Zeit später -, die absolut feststanden. Nicht so diesmal. Ein Zweitname für ein Mädchen wäre klar, aber was den Rufnamen angeht gibts kaum mehr als halbherzige Ideen. Für einen Jungen stehen zwei absolute Favoriten schon lange fest . Eigentlich schon vor dieser Schwangerschaft. Aber ob es die werden? Wer weiss.
Es ist eindeutlich mühseliger diesmal schwanger zu sein. Zu müde, zu übel, zu wenig belastbar, zu oft Kopfschmerzen, zu emotional out of order - insbesondere in den Abendstunden. Wobei genau diese es in besonderen Situationen schon immer waren, die mich viel melancholischer, empfindsamer und trauriger werden liessen als es die Tage taten.
Was hoffentlich anders werden wird, ist die Gewichtszunahme - waren es bei Ida doch 26 kilo. Jedoch war es damals auch eine gänzlich andere Ausgangsposition: jahrelang war ich schon deutlich untergewichtig gewesen, mal mehr mal weniger. Als ich von der Schwangerschaft erfuhr, aß ich wohl zum ersten Mal seit vielen Jahren das, was ein Körper zum gesund sein braucht. Das Startgewicht in der jetzigen Schwangerschaft lag rund 20 kilo höher als damals. Dennoch bin ich noch lange nicht am oberen Rand des Normalgewichtes angelangt. Verrückt klingt das heute. Selbst für mich.
Seit Anfang der Woche frühstücke ich wieder - vorher war daran aufgrund der heftigen Übelkeit am Vormittag nicht mal zu denken. Die hat sich etwas verflüchtigt.
An und für sich wollte ich die anstehende Vorsorgeuntersuchung bei meiner Hebamme machen - aber nach einer Unterhaltung darüber mit dem Göttergatten haben wir beschlossen, dies erst nach dem 2. grossen Ultraschall zu tun. Einfach, weil er, solange er so wenig "von aussen" mitbekommt, den Froschknopf gerne "sehen" will. Völlig okay - also ist eben der Vorsorgestart bei der Hebamme nur etwas nach hinten verschoben.
Deutlich schlimmer ist im Übrigen meine eh schon allzu berüchtigte Vergesslichkeit. Rannte ich unschwanger eh schon mehr als einmal wieder in die Wohnung, weil ich dies und das und jenes vergessen, verlegt oder sonst was hatte ist es nun noch viel langwieriger, das Haus zu verlassen.
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir einen Jungen bekommen. Das sagte es bei Ida auch - allerdings war damals auch ein klein wenig Selbstbetuppen mit dabei: ich hatte mir ein Mädchen gewünscht und wäre sehr viel enttäuschter gewesen, wenn ein etwaiges Mädchengefühl am Ende nicht gestimmt hätte. Ich glaube, vor allem deshalb habe ich von Anfang an an einen Jungen gedacht.
Ob ich dieses Mal tatsächlich richtig liege, wird sich zeigen.
Eine Spieluhr haben wir schon. Und zwar genau die, in die ich mich nach Idas Geburt verguckt hatte. Grund dafür ist aber eigentlich, dass wir eine ganz bestimmte Melodie haben wollten, nämlich "Guter Mond, du gehst so stille". Derzeit gibt es auf dem Markt aber kaum eine Spieluhr mit dieser Melodie. Ausser einige kleinere Spieluhrversionen von Sterntaler, die zwar nett aussehen, jedoch auch ein kleineres und leiseres Spieluhrwerk haben. Und für jeden Tag und zum Einschlafen und für durch den Bauch ist mir das zu leise. Als kleine, nette zweite Spieluhr bitte gerne. Und - bei aller Liebe - dieses Modell hier - das wohl einzige aktuelle mit grossem Spielwerk - ist einfach nicht unseres. Oh nein (lassen wir allerdings mal das ganze Drumherum weg: den Namen, den find ich schön ;-) (wobei der mit dem Mädchen Zweitnamen definitiv nicht ginge...)). Letzlich habe ich nach langem Suchen ein altes Sigikid Spieluhrmodell gefunden, erstanden und heftig den Kopf über das dafür gezahlte Geld geschüttelt. Zudem passt es hervorragend zu meinem Babytitel "Froschknopf" (nun frag mich bitte keiner warum und wieso Froschknopf. Wohl weils erst aussah wien Knopf und nachher wien Frosch. Aber ob das echt der Grund war weiss ich gar nicht. Aber egal.)
Ab wann können die Bauchzwerge nochmal Geräusche wahrnehmen? Eigentlich auch egal. Denn ich werd einfach heute damit starten, was ich ich auch bei Ida gemacht habe: sobald ich ihre Spieluhr hatte (ein wundertolles Marienkäferding, geschenkt von einer der Beiden in der frühen Schwangerschaft), wurde dem Kindelein im Bauch im Bett bevor wir Großen uns schlafen legten, Gute Nacht gewünscht, die Spieluhr aufgezogen und auf den Bauch gelegt. Und anschliessend schliefen wir in der Regel. Und genau so wurde Ida auch nach der Geburt immer mit dieser Melodie zu Bett gebracht - etwa 2 1/2 Jahre lang - bis sie selber entschied, die Spieluhr nicht mehr hören zu wollen.
Mal sehen, wie es diesmal werden wird.
Gute Nacht Ihr alle.

Sonntag, 19. Oktober 2008

Verloren

Ich hatte orange.
Und auch wenn Rauswerfen und im Häuschen nicht überspringen dürfen einfach mal verschwiegen wurden und ich manchmal die richtige Richtung anzeigen musste find ich das ganz schön irre.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Irre

Das Mädchen macht mich am Morgen irre. Und zwar genau dann, wenn der Gatte das Kindelein zum Kindergarten bringt. Da gibt es nur Geheule und Gezeter. Weil sie nämlich unter keinen Umständen vom Papi gebracht werden möchte. Ein absolutes Mama Kind. Sie vermisst ihn, wenn er nicht da ist, fragt am Tage nach ihm. Aber ist er da - will sie meist nix von ihm wissen - immer nur Mama. Es sei denn die beiden unernehmen gemeinsam etwas - kein Problem. Solang ich nicht dabei bin. Und der Morgen, an dem die zwei losfahren endet eigentlich immer in Geschimpfe und mit denkbar schlechter Laune aller Beteiligten.
Tipps, anyone?

Freitag, 13. Juni 2008

Kinderstatus

Kinder bleiben wohl irgendwie immer - zumindest ein klein wenig - das, was sie immer schon waren. Schwarzes Schaf, Liebling, zart besaitetes Sensibelchen, Sorgenkind. Egal was sich je wie ändert.
Zumindest ich bleib, was ich fast immer war.
Und fülle somit eine wohl wichtige Rolle - nicht für mich. Für Andere. Ich kann tun und lassen und leben wie ich will. Ich werde immer bleiben, was ich war. Obs mir gefällt ist da mal eine komplett andere Geschichte. Denn das hat es nie. Nie niemals nicht.
Und das, wo ich momentan zum wohl ersten Mal das Gefühl habe, mein Status hat sich verschoben. Jemand anderer füllt nun die Rolle aus, die ich nie innhaben wollte.
Stimmt auch. Und dennoch - ich werde es immer bleiben sagt sie.

In welche Rolle werde ich das Kindelein einst fesseln?
Oder werde ich mich erinnern - und loslassen und vertrauen können?