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Donnerstag, 10. August 2017

Vorabend

Es ist der Vorabend der Bestattung meines Vaters.
Ich sitze in der Nähe der Kieler Förde bei milden Temperaturen mitten in der Nacht auf dem Balkon. Wir sind zu neunt angereist. Die Schwesterfamilie mit einem Kind und wir mit einem Kind sowie zwei Tanten. Die beiden anderen Kinder sind in den Ferien mit Freunden und haben selber so entschieden. Wir mussten ein paar Hundert Kilometer hierher fahren. 
Kurz vor seinem Tod sprach ich es offensiv an, das Thema der Bestattung und erzählte, dass es die Möglichkeit gäbe, an einem seiner Herzensorte eine Seebestattung durchzuführen. Er war gleich einverstanden und zufrieden genau damit. Es war rund, auch weil seine Frau, meine Mutter, gleich ebenso sagte, dass sie sich genau dasselbe für sich wünsche. 
Keiner von uns ahnte, dass er zwei Tage nach diesem Gespäch bereits tot sein würde.
Kurz vorher wusste er es möglicherweise. Aber er war ein tapferer  Mann, der das meiste für sich selber trug.
Ich erwähnte bereits, dass ich genau weiss, dass er stolz war auf mich. Und genau dies hörte ich heute nochmal ganz konkret von der Schwester, der er dezidiert sagte,was ich bereits in ihm gelesen hatte, zwischen den Zeilen spürte und mir aus konkreten Momenten zusamenfühlte.
Es ist besonders, zu wissen, wie stolz ein Elternteil, ein gewähltes Elternteil war und vielleicht auch ist. Ein Elternteil, das mich jahrelang von außen durch dunkelste Zeiten geleitete, wenn ich es denn zuließ, ein Elternteil, das immer da war, wenn ich es einforderte, ein Elternteil, das in die Rolle des Vaters hininwuchs, auch wenn es gar nicht mein Vater war. Er war ein besonderer Mensch - so wie ich glaube, dass ein jeder ein so besonderer Mensch sein kann. Aber er war ein besonderer Mensch für mich. Mit all seinen Macken und Fehlern, aber eben auch mit all seiner Liebe, Wertschätzung und Loyalität, die nur ein Vater seinen Kindern entgegenbringen kann. Mir hat er ebendies entgegengebracht und dafür bin ich sehr dankbar.
Morgen werden wir mit dem Schiff hinausfahren auf die Kieler Förde und ihn an einem seiner Herzensplätze gehen lassen. Aber in meinem Herzen wird er bleiben voller Dankbarkeit und voller Wundersamkeit über all das, was er war, ist und bleibt.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Eingeschlafen

Der Tod kam in der Nacht und ließ ihn ganz in Ruhe einschlafen. So, wie ich es angesichts der Erkrankung nicht zu hoffen gewagt hatte. Eigentlich hatte er zu Hause  sterben wollen, was leider nicht der Fall war. Ein, zwei Tage noch sollte er im Krankenahus bleiben. Und dann ist er dort gegangen, am frühen Morgen vor zehn Tagen. Neben der Trauer und Unwirklichkeit in der ich selber mich befand und  befinde, steht der Versuch des ehrlichen und pragmatischen Umgehens mit dem Tod, mit einem toten Körper, der Trauer und den Kindern. Das gemeinsame Anschauen von Särgen und Urnen, das Verabschieden. Dem Opa noch Dinge mit auf den Weg geben, ein Briefchen unter seine Decke von jedem von uns, vor allem den beiden Mädchen. Damit der Tod nicht ein in der Luft stehendes Etwas ist, sondern begreifbar. Sofern er denn überhaupt begreifbar sein kann - fällt es mir selber doch schwer, mich zu erinnern, dass er nicht mehr bei uns ist, dass das Zusammenleben zu Hause sich nun verändert. Sein Stuhl bleibt leer und ich weiss, wir alle werden liebevoll an ihn denken, wenn wir uns auf seinen Platz setzen. Ich bin dankbar für die Zeit. Dankbar, dass er mir Zeit geschenkt hat, dass er Zeit mit unseren Kindern hatte und sie mit ihm. Er war zwar ein alter Mann - aber dennoch ist der Zeitpunkt wohl niemals richtig, einen Menschen zu verlieren, auch wenn ich weiss, dass dieser ein Leben, ein langes Leben lang gelebt hat, so schmälert es doch nicht den Verlust des Menschen ansich. Ich weiss, dass er stolz auf mich war. Ein Stolz, der vor allem in den letzten Wochen noch gewachsen ist. Ich weiss, dass ich geliebt wurde. Und ich weiss um seine Wertschätzung. Das ist ein schönes Gefühl und nicht selbstverständlich, weil ich gar nicht seine Tochter war, sondern ihn erst mit 12 Jahren kennenlernte, und sich erst nach und nach eine Vater -Tochter Beziehung entwickelte. Endgültig Abschied nehmen werden wir in zwei Wochen an einem von ihm viel bereisten Ort in der Kieler Förde - der Ort, an dem wir neulich noch gemeinsam waren. Und es war gut so.

Freitag, 30. Juni 2017

Lebens-Abschied

Neulich, am Meer.

 


Viele Eindrücke gesammelt habe ich. Viele Momente aufgesogen. Mich in manchen Momenten tränennah weggedreht in dem Wissen, dass es einige meiner letzten Eindrücke von ihm sein werden. Diese Eindrücke waren nicht mehr frei, sondern bereits geprägt vom deutlichen körperlichen Verfall, gezeichnet durch den Krebs. Noch einmal wollte er all das sehen, was er seit Jahren zu dieser Zeit sieht. Noch einmal ans Meer, noch einmal dieses große Segler Event als passionierter Segler von ganz nah anschauen.



Abschied. Seiner von der Welt, Stück für Stück. 
Und unserer von ihm.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Froschknopf Status

Der kleine Froschknopf wächst und gedeiht. Schon in der ersten Schwangerschaft war recht schnell zu sehen, dass ich schwanger war - so auch diesmal. Diesmal war aber außerdem ein ganz anderes Empfinden da. Ich wusste, dass ich schwanger werden würde, noch bevor die Eizelle sich auch nur eingenistet haben konnte; ich war völlig sicher noch bevor ich testete. Viel früher - noch vor der Übelkeit - bemerkte ich diese und jene Veränderung genau, spürte fast von beginn an meine Gebärmutter in mir, konnte und kann sie ertasten. Nichts, was mir in der ersten Schwangerschaft auch nur annähernd aufgefallen wäre. Zaghafte Bewegungen meinte ich bereits in der 14. Woche zu spüren - und schimpfte mich innerlich lachend als ziemlich verrückt. Allerdings bestätigte sich genau das Tag für Tag. Vielleicht bin ich mehr bei mir, in mir so dass ich mehr intuitiv in mich hineinfühlen kann ohne mich all zu sehr anzustrengen. Viel "Zeit" ist dafür irgendwie nicht - ganz anders als die erste Schwangerschaft läuft diese einfach so nebenher, ist nicht so präsenter Tagesinhalt wie damals bei Ida. Um so schöner, dass ich das Gefühl habe, die kurzen Momente viel intensiver und inniger zu erleben.
Ich absolut bekennender Bauchschläfer hab bei Ida bis zur letzten schwangeren Nacht auf dem Bauch geschlafen - bzw bin auf dem Bauch eingeschlafen. Wenn auch irgendwann ab der Mitte oder dem Ende der 20er Wochen mit ausgefeilter Methode, Kissen und Stillkissen möglichst um den Bauch herum zu platzieren. Aber es ging ganz hervorragend. Nicht so diesmal: schon seit langer Zeit habe ich das Gefühl der Unterbauch ist ein flacher, harter, schwerer Kieselstein, der sich immer weiter ausdehnt, zudem schwerer und schwerer wird und mich mit der Körpermitte zuerst in die Matratze hineinzuziehen droht. Also schlafe ich nun auf der Seite ein - und siehe da: auch das geht gut (hätte ich nienieniemals geglaubt, das ohne Heulen und Zetern und Unwohlsein zu können).
Zu diesem Zeitpunkt in der Schwangerschaft mit Ida haben wir schon Namen gehabt - wenn nicht, dann war es nur kurze Zeit später -, die absolut feststanden. Nicht so diesmal. Ein Zweitname für ein Mädchen wäre klar, aber was den Rufnamen angeht gibts kaum mehr als halbherzige Ideen. Für einen Jungen stehen zwei absolute Favoriten schon lange fest . Eigentlich schon vor dieser Schwangerschaft. Aber ob es die werden? Wer weiss.
Es ist eindeutlich mühseliger diesmal schwanger zu sein. Zu müde, zu übel, zu wenig belastbar, zu oft Kopfschmerzen, zu emotional out of order - insbesondere in den Abendstunden. Wobei genau diese es in besonderen Situationen schon immer waren, die mich viel melancholischer, empfindsamer und trauriger werden liessen als es die Tage taten.
Was hoffentlich anders werden wird, ist die Gewichtszunahme - waren es bei Ida doch 26 kilo. Jedoch war es damals auch eine gänzlich andere Ausgangsposition: jahrelang war ich schon deutlich untergewichtig gewesen, mal mehr mal weniger. Als ich von der Schwangerschaft erfuhr, aß ich wohl zum ersten Mal seit vielen Jahren das, was ein Körper zum gesund sein braucht. Das Startgewicht in der jetzigen Schwangerschaft lag rund 20 kilo höher als damals. Dennoch bin ich noch lange nicht am oberen Rand des Normalgewichtes angelangt. Verrückt klingt das heute. Selbst für mich.
Seit Anfang der Woche frühstücke ich wieder - vorher war daran aufgrund der heftigen Übelkeit am Vormittag nicht mal zu denken. Die hat sich etwas verflüchtigt.
An und für sich wollte ich die anstehende Vorsorgeuntersuchung bei meiner Hebamme machen - aber nach einer Unterhaltung darüber mit dem Göttergatten haben wir beschlossen, dies erst nach dem 2. grossen Ultraschall zu tun. Einfach, weil er, solange er so wenig "von aussen" mitbekommt, den Froschknopf gerne "sehen" will. Völlig okay - also ist eben der Vorsorgestart bei der Hebamme nur etwas nach hinten verschoben.
Deutlich schlimmer ist im Übrigen meine eh schon allzu berüchtigte Vergesslichkeit. Rannte ich unschwanger eh schon mehr als einmal wieder in die Wohnung, weil ich dies und das und jenes vergessen, verlegt oder sonst was hatte ist es nun noch viel langwieriger, das Haus zu verlassen.
Mein Bauchgefühl sagt mir, dass wir einen Jungen bekommen. Das sagte es bei Ida auch - allerdings war damals auch ein klein wenig Selbstbetuppen mit dabei: ich hatte mir ein Mädchen gewünscht und wäre sehr viel enttäuschter gewesen, wenn ein etwaiges Mädchengefühl am Ende nicht gestimmt hätte. Ich glaube, vor allem deshalb habe ich von Anfang an an einen Jungen gedacht.
Ob ich dieses Mal tatsächlich richtig liege, wird sich zeigen.
Eine Spieluhr haben wir schon. Und zwar genau die, in die ich mich nach Idas Geburt verguckt hatte. Grund dafür ist aber eigentlich, dass wir eine ganz bestimmte Melodie haben wollten, nämlich "Guter Mond, du gehst so stille". Derzeit gibt es auf dem Markt aber kaum eine Spieluhr mit dieser Melodie. Ausser einige kleinere Spieluhrversionen von Sterntaler, die zwar nett aussehen, jedoch auch ein kleineres und leiseres Spieluhrwerk haben. Und für jeden Tag und zum Einschlafen und für durch den Bauch ist mir das zu leise. Als kleine, nette zweite Spieluhr bitte gerne. Und - bei aller Liebe - dieses Modell hier - das wohl einzige aktuelle mit grossem Spielwerk - ist einfach nicht unseres. Oh nein (lassen wir allerdings mal das ganze Drumherum weg: den Namen, den find ich schön ;-) (wobei der mit dem Mädchen Zweitnamen definitiv nicht ginge...)). Letzlich habe ich nach langem Suchen ein altes Sigikid Spieluhrmodell gefunden, erstanden und heftig den Kopf über das dafür gezahlte Geld geschüttelt. Zudem passt es hervorragend zu meinem Babytitel "Froschknopf" (nun frag mich bitte keiner warum und wieso Froschknopf. Wohl weils erst aussah wien Knopf und nachher wien Frosch. Aber ob das echt der Grund war weiss ich gar nicht. Aber egal.)
Ab wann können die Bauchzwerge nochmal Geräusche wahrnehmen? Eigentlich auch egal. Denn ich werd einfach heute damit starten, was ich ich auch bei Ida gemacht habe: sobald ich ihre Spieluhr hatte (ein wundertolles Marienkäferding, geschenkt von einer der Beiden in der frühen Schwangerschaft), wurde dem Kindelein im Bauch im Bett bevor wir Großen uns schlafen legten, Gute Nacht gewünscht, die Spieluhr aufgezogen und auf den Bauch gelegt. Und anschliessend schliefen wir in der Regel. Und genau so wurde Ida auch nach der Geburt immer mit dieser Melodie zu Bett gebracht - etwa 2 1/2 Jahre lang - bis sie selber entschied, die Spieluhr nicht mehr hören zu wollen.
Mal sehen, wie es diesmal werden wird.
Gute Nacht Ihr alle.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Irre

Das Mädchen macht mich am Morgen irre. Und zwar genau dann, wenn der Gatte das Kindelein zum Kindergarten bringt. Da gibt es nur Geheule und Gezeter. Weil sie nämlich unter keinen Umständen vom Papi gebracht werden möchte. Ein absolutes Mama Kind. Sie vermisst ihn, wenn er nicht da ist, fragt am Tage nach ihm. Aber ist er da - will sie meist nix von ihm wissen - immer nur Mama. Es sei denn die beiden unernehmen gemeinsam etwas - kein Problem. Solang ich nicht dabei bin. Und der Morgen, an dem die zwei losfahren endet eigentlich immer in Geschimpfe und mit denkbar schlechter Laune aller Beteiligten.
Tipps, anyone?