Montag, 8. Januar 2018

Vom Übergang

Wir sind nun nicht so die großen Party Menschen. Vielleicht auch einfach nicht mehr. Und irgendwie war das letzte Jahr sicherlich keines der allerbesten. Und auch, wenn ich nix davon halte, das neue, kommende, noch unverbrauchte Jahr irgendwie zu glorifizieren aka  "alles wird besser", war ich eingestellt auf einen recht ruhigen Übergang im Kreis lieber Menschen. 
Aber so ganz kurzfristig änderte sich der Plan - und das war so gar keine Option für mich. Ich brach ziemlich zusammen und suchte, nachdem ich mich halbwegs gefangen hatte, Alternativen. Daheim bleiben wäre eine Option gewesen. So prinzipiell. Wenn wir denn alleine leben würden.  Alles in mir schrie aber nach Abstand, nach meinem Leben, nach meinen Wünschen. Und keine der noch bestehenden Alternativen passte.

Letzlich verbrachte ich den Übergang allein unter Fremden. Aber eigentlich vor allem allein mit mir. Im alten Gemäuer eines Landgutes, umgebaut zum recht großen Tagungshotel. Mit zwar vielen Zimmern - aber nahezu alle Gäste hatten ein Silvesterarrangement gebucht. Mit Frei Essen und Trinken, mit live Musik und Tanz und Bar. 
So war das bis 23.30 geöffnete Spa quasi meines. Und nach dem zweiten Versuch "Dinner for one" - auf NDR lief es tatsächlich in Farbe! Frevel - besuchte ich zwischen halb sieben und 23 Uhr mehrfach Sauna, Sole Sauna, Sole Dampfbad, die Ruheliegen, das Schwimmbad und wieder von vorn. Dabei las ich ein langes Buch und war einfach nur mit mir.
Gegen 23.45 Uhr setzte ich mich frisch geduscht und warm eingepackt in den langen gemauerten, überdachten Eingang mit meinem Piccolo aus der MiniBar vor eine Feuerschale und sah den in einiger Entfernung stehenden Menschen des Arrangements beim Wunderkerze halten zu. Diese gingen fast alle schnell wieder hinein, weil es arg kalt war und das kleine Schwarze dann doch recht dünn zum in der Kälte herumstehen.
Ich las weiter, trank noch ein Sektchen und setzte mich auf dem Weg zum Zimmer anschliessend noch ungeplant ein Stündchen vor dem Kamin, der auf dem Weg lag.

Ein halber Tag nur ich und meine Bedürfnisse. Nicht perfekt - aber schon ziemlich gut. Entstanden aus einem prinzipiell blöden Grund, aber ich habs gelöst. Gut gelöst. HerrNebeL war stolz auf mich, die Kinder haben mich ein wenig vermisst (aber nur ein wenig). Dennoch hatten alle anderen der Familie am ursprünglich geplanten Ort in erweiterter Besetzung einen sehr schönen Abend.

Ein kleiner Anfang vielleicht für ein bisschen mehr "ich" in meinem Leben.



Freitag, 5. Januar 2018

WMDEDGT - Januar 2018

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats:"Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Das kleine Kind weckt mich, als es zu mir ins Bett kommt und sich ankuschelt. Weil die Kinder noch Ferien haben, kann ich noch ein Weilchen mit ihr kuscheln, bevor ich aufstehe und mich fertig mache. Der erste Gang führt - wie jeden Morgen - zum Supermarkt um die Ecke, wo ich dasselbe kaufe wie jeden Morgen (Limo und kalten Kaffee). Heute ist der stellvertretende Geschäftsführer im Frühdienst, was er sonst selten ist. Wir lachen wieder einmal über dieselben belangosen Dinge, was ich aber sehr mag. Überhaupt gefällt es mir, dass mich alle Mitarbeiter dort kennen. Dann fahre ich zur Arbeit und finde es - wie ebenfalls jeden Morgen derzeit - viel zu dunkel und überhaupt gehört Auto fahren im Dunkeln irgendwie nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung. Ein Lied im Radio erinnert mich an die in Neuseeland weilende Freundin, die "workt and travelt" und ich vermisskniepere ein wenig.
Im Büro sitze ich um zehn vor acht, und weil das Handy auf spotify hängt, plane ich meinen Tag mit "Alles passiert" von den Toten Hosen in Dauerschleife. Die jüngste Kollegin bringt mich auf den neuesten Stand des Teams - das Team Treffen findet immer an meinem freien Tag statt und heute bin ich darüber wieder einmal sehr sehr froh - weil viel zu viel schief lief und Verantwortlichkeiten scheinbar recht unreflektiert von a nach b nach c verschoben wurden, sodass am Ende alle einen Scheiss Tag gehabt haben. (Ausser mir, weil ich ja frei hatte und mit den Kinder bowlen war. ).
Auf Station war leider auch einiges schief gelaufen, was ich dann wieder gerade bügeln durfte. Hierzu entwarfen die direkte Kollegin und ich dann aber später eine Handlungskonsequenz in der Hoffnung, das die wieder ein bisschen Struktur in das Chaos bringen wird. We´ll see.
Bis zum Mittag behandelte ich 7 Patienten, erledigte dann ein Telefongespräch mit einem Notarbüro und setze mich noch ein Viertelstündchen zu den Kolleginnen der Abteilung. Relativ schnell fragte ich mich jedoch, warum ich um alles in der Welt da sitze, anstatt allein und in Ruhe in meinem Büro. Ich denke, der Grund ist momentan einzig und allein die Kaffeeemaschine. Viel mehr gibts dazu grad wohl auch nicht zu sagen.
Anschliessend noch 2 Stunden Therapie, eine kurze Weile Dokumentationszeit und n Haufen Orga Kram, bevor ich - mal wieder - später als Feierabend das Haus verlasse. Vergütungen gibts dafür nicht, geschweige denn Überstunden. Pro Woche schenke ich dem Unternehmen mindestens 3 Stunden meiner Zeit - weil ich meinen Job gern und gewissenhaft mache. Aber manchmal macht mich das schon ärgerlich, dass das eigentlich keinen interessiert, geschweige denn, dass das irgendwer honoriert. Natürlich kann ich Dienst nach Plan machen, laufe dann aber Gefahr, dass ich beim stets wechselnden Patientengut nicht gut informiert bin, keine Therapie geplant habe, und eigentlich keinem gerecht werde. Manch eine arbeitet so. Ist aber halt nicht meins.
Ich komme zeitgleich mit einer befreundeten Mutter zu Hause an, mit der ich verabredet bin. Wir trinken Kaffe, quatschen über unsere Kinder, die an mancher Stelle so ähnlich ticken und freuen uns über die Möglichkeit des Austausches, der nicht wirklich selbstverständlich ist, weil die Kinder halt sind wie sie sind - eben irgendwie anders (aber toll!).
Mittendrin muss ich ein bisschen veratmen, weil die unter uns lebende Mutter dringend ad hoc und auf der Stelle Termine abklären muss und vor allem will und mir die Tür vor der Nase zuknallt, als ich aufgrund von Besuch darum bitte, dies später zu besprechen, weil sich eben keine sofortige Klärung hinbekommen lässt. 
Gegen sieben geht die Freundin, ich kläre dies und das mit dem Gatten und beginne zu bloggen. Aufgrund einer mir völlig unerklärlichen Tastenkombination lösche ich den fast fertigen Post unwiderruflich (vermutlich war ich nur zu blöd) und beginne neu. Herr NebeL fährt los und holt das kleine Kind bei einer Freundin ab, ich lausche der lauten Musik vom großen Kind, tippe weiter und vergesse dabei, Pizza zu bestellen. Jetzt ist es dafür gleich neun Uhr, ich habe nichts zu Essen hier und auch noch nichts geordert und überlege, ob ich nicht eh lieber auf #Freitagabendalk umsteigen soll. Das allerdings ist wohl für den Gatten und das große Kind eher keine Option, sodass ich nun wohl doch den Pizza Mann anschreiben werde.
Anschließend werd ich heute in der Wanne verschwinden, die Kinder noch circa drölfzig Mal erinnern, dass es trotz Wochenende so etwas wie eine kinderfreie Zone gibt - aufbleiben ist erlaubt, aber irgendwann halt im Kinderzimmer - und vermutlich meine vor Trivialität triefende Fantasy Trilogie dann doch mit nem Gläschen Wein leer lesen, anschliessend dasselbe mit dem Internet tun und irgendwann zwischen 1 und 3 im Bett landen. Aber das ist dann schon der 6. :-)

Weitere Tagebuchbloggerei wie immer hier, bei Frau Brüllen.

Dienstag, 2. Januar 2018

Ausweglosigkeiten

Schreiben, eigentlich könnte und wollte ich Vieles schreiben. Andererseits aber würden geschriebene Worte möglicherweise noch mehr an Realität gewinnen, als die Dinge, die passieren es natürlich schon sind. Ich würde möglicherweise noch mehr sehen, als ich eh schon gezwungen bin zu sehen, mich noch mehr auseinandersetzen mit den tagtäglichen unangenehmen Überraschungen und sich stets neu entordnenden Dingen, die von mir ein stetiges, ordnendes Eingreifen verlangen. Vielleicht würde ich mir noch mehr eingestehen, dass ich kaum mehr nach Hause kommen möchte, als es das nagende Gefühl auf dem Heimweg bereits zeigt; vielleicht würde ich noch mehr von der Angst bemerken, als das dumpfe unbestimmte Gefühl, dessen Auslöser und dessen Namen ich doch eigentlich genau kenne. Manches scheint nie mehr ein Ende zu nehmen und vieles wird zweifelsohne schlimmer. 
Ich funktioniere weiterhin an vielerlei Fronten. Und breche an mancher ein. Meine Kinder haben mir noch niemals so oft gesagt, wie sehr sie mich lieben, wie sie das im Augenblick tun. Das ist wunderschön, ja, aber es zeigt mir auch, wie sehr ihre Antennen im steten Wind meines, unseres diffusen Durcheinanders anschlagen. Ich halte mich, muss mich halten in allem und weiß genau, dass die Art und Weise des Halt - Suchens keine gesunde ist. Verliere mich in selbstgeschaffenen, mir Sicherheit gebenden Strukturen, die aber objektiv betrachtet auf Dauer mehr meines Selbst nehmen als hilfreich zu sein. Sie haben gerade einen unmittelbaren Nutzen, sonst gäbe es sie nicht, sonst wären sie nicht aufgetaucht und hätten mir ihre Hand gereicht, die ich dankbar ergriff. Ich weiß, dass sie eine Art Raubbau bedeuten und mich irgendwann umwerfen werden. Dennoch aber weiss ich keine Alternative und habe wenig Kraft, nach einer zu suchen.
Die Tage sind zu kurz für die zu erledigenden Dinge, die Dinge sind zu kompliziert und erfordern zuviele Konsequenzen. Die direkte Umwelt bagatellisiert zu sehr, selbst wenn ich dezidierte situative Einblicke gebe. Die externen Hilfsmöglichkeiten sind begrenzt im Moment, zumindest die, die in die bestehende Situation greifen könnten. Die externen Hilfsmöglichkeiten für mich selber sind noch begrenzter und an mancher Stelle setzen sie mich mehr unter Druck, als das sie nutzen würden oder sie scheinen die mich umgebende Hoffnungslosigkeit oder Auswegslosigkeit der Situation nur zu bestätigen. Oben auf die Situation ansich fallen durch sie selbst hervorgerufene Existenzängste, sich daraus ergebende Handlungsnotwendigkeiten, die ich nicht auch noch auszuführen in der Lage bin. 
Kurzum: wenn ich all dies konkret aufschriebe, fürchtete ich, dass ich mich noch viel mehr mit all dem, was ich nicht zu bewältigen in der Lage zu sein glaube, konfrontiert sähe. So setze ich "einfach" nur innerlich wissend immer einen Fuß vor den anderen, strauchele zuweilen, stehe auf und halte mich an zweifelhaften Dingen um überhaupt einen Halt zu haben, und funktioniere. Zuweilen ist da die ein oder andere Insel, in der es Raum und Zeit und manchmal auch Schönes für mich gibt. Aber momentan überwiegt das offene, bedrohliche Meer.
Manchmal wünsche ich mir die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die ich glaube, dass es sie irgendwann hätte geben können aber kaum je gegeben hat. Manchmal wünsche ich mir, dass da eine Zeit kommt, die keinen Kampf bedeutet. Tatsächlich jedoch scheinen sich offensichtlich nur die Gegner zu wandeln, als das es jemals ein Ende hätte, dieses kämpfen.

Freitag, 29. Dezember 2017

Jahresrückblick 2017

                                  (nach Lektüre bei Frau Brüllen noch ein wenig mit zusätzlichen Fragen editiert ...)


Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?
Maximal eine 3.

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen.
 
Haare länger oder kürzer?
Wie meistens gleichbleibend lang.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Wie immer kommt es hier auf den Standpunkt an. An vielen Stellen bin ich kurzsichtiger, in der Hoffnung, zumindest zunächst mal einen kleinen, momentbehafteten Gewinn davon zu tragen. Im Großen und Ganzen jedoch weitsichtiger. Erschreckend und beängstigend viel weitsichtiger.

Mehr Kohle oder weniger?
Gleichbleibend.
 
Besseren Job oder schlechteren?
Am selbem Ort und an selber Stelle. Zufrieden mit der Arbeit dort ansich. Leider mit personellen Veränderungen aus dem letzten Jahr, die ich mir für mich persönlich zumindest so nicht gewünscht hätte. Die, die ich verabschiedete, fehlen mir.
Zudem gab es im Team eine große menschliche Enttäuschung. Von daher: eindeutig schlechtere Umstände im Job.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Ich denke gleichbleibend, die Zahnimplantate muss ich erst im Februar bezahlen ;-).
 
Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?
Erkenntnisse. Einige, auf die ich sehr gern verzichtet hätte. Aber auch die ein oder andere, die ein Stück tragen kann.

Mehr bewegt oder weniger?
Ich habe viel bewegt. Wenn auch nicht mich im sportlichen Sinne. Aber in meiner Familie, bei meinen Eltern und um sie beide herum.
 
Anzahl der Erkrankungen dieses Jahr?
Was zählt zu Erkrankungen?!  Oder was zähle ich dazu? Die Grippe Anfang des Jahres in jedem Fall. Bei den weiteren tue ich mich tatsächlich schwer zu sagen, dass es Erkrankungen sind, obwohl sie es objektiv zweifelsohne sind. Aber zählbar sind die nur schwerlich.

 Davon war für Dich die Schlimmste?
Schlimm war in jedem Fall die schwer depressive Zeit vor allem wegen völliger Erschöpfung und dem Tod des Vaters, die unterschwellig kraftraubend andauert. 
 
Der hirnrissigste Plan?
In Strande Privatzimmer zu nehmen.
Dem großen Kind im nächsten Jahr eine Flugreise ohne uns zu erlauben... 

Die gefährlichste Unternehmung?
Gemeinsam mit den pflegebedürftigen Eltern einen ungewissen Urlaub zu verbringen.
 
Die teuerste Anschaffung?
Eigentlich die Entscheidung, Zahnimplantate machen zu lassen. Die aber, wie oben bereits vermerkt, erst im nächsten Jahr endgültig angeschafft sind. Darüber hinaus nur so Alltagsdinge, wie Autoreparaturen und dergleichen.

 
Das leckerste Essen?
Auf dem Weg zur Kieler Woche in einem Hotel bei Bremen: die wohl letzte wirkliche gemeinsame Mahlzeit mit meinem Vater. Wir aßen dasselbe: Bandnudeln in einem Riesen-Laib Parmesan geschwenkt.
 
Das beeindruckendste Buch?
Da ich eigentlich nur triviale Fantasy las - keines. 

Der ergreifendste Film?
Ich habe für mich keinen einzigen Film angesehen. Aber als die Kinder Ostwind sahen, hab ich schon gekniepert.

Die beste CD?
Ich habe keine einzige CD gekauft, es gab einzelne, beste Lieder diverser Interpreten. Linkin Park, Adel Tawil, Lacrimosa fallen mir spontan ein.

Das schönste Konzert?
Giora Feidmann plays Beatles
und
Helmut Eisel trifft Matthias Schlubeck (Klarinette mit Panflöte)

Die meiste Zeit verbracht mit?
Der Familie, Arbeit, Dokumentenkram, letzteres zumindest gefühlt.
 
Die schönste Zeit verbracht mit?
Der Familie

Zum ersten Mal getan?
Eine Seebestattung erlebt. 
.
Nach langer Zeit wieder getan?
Mich übergeben. 

Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Krankheiten der Eltern, deren Folgen für mich, den Tod des Vaters, den Erbstreit, ein Mitarbeitergespräch.

Vorherrschendes Gefühl 2017?
Ohnmacht voller Tatendrang


Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? 
Ich überzeugte alle davon, dass ein Urlaub am Lieblingsort zur Lieblingszeit möglich ist, aber niemals allein.
 
Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Dem Vater seinen Lebensabschiedsurlaub. Und genauso auch meiner Mutter. Und mir. Und der Schwester.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Vertrauen. Tiefes Vertrauen in mich.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich lieb Dich auch und bin so dankbar, dass Du das für mich tust.
 
Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Kann ich nicht beurteilen. 

Dein Wort des Jahres? 
Kieler Woche
 
Dein Unwort des Jahres?
Pseudo-Demenz.

Dein(e) Lieblingsblog(s) des Jahres?
Ich bin sehr froh über jeden Blog, den ich noch von "früher" kenne, der nicht überfüllt ist von Werbung und Zeugs. Und traurig über so manchen, den es nicht mehr gibt.

Dein grösster Wunsch fürs kommende Jahr?
Ruhe. Seelenfrieden. Lebensliebe. Raum. Entspannung. (Auch, wenn das mehrere Wünsche sind. Hängen aber sehr eng beieinander. Ich nähm auch nur einen, wenigstens einen.)


2016

Dienstag, 5. Dezember 2017

WMDEDGT - Dezember 2017

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats:"Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Ein normaler Arbeits- und Schultag für HerrnNebeL und die Kinder. Ich allerdings habe Urlaub. Ab halb sechs startet der gewohnte morgendliche Wahnsinn. Das goße Kind ist komplett selbständig, das kleinere muss ein wenig beim Aufstehen begleitet werden. Da sie - wie fast jede Nacht - zu uns gekommen ist, wird also ziemlich herumgekuschelt, bis sie es raus aus den Federn schafft. Als alle das Haus um kurz nach sieben verlassen haben, lese ich ein wenig und schlafe nochmal ein. Ein Stündchen später stehe ich - ziemlich langsam - auf, da mir eigentlich alles weh tut. Rücken, Nacken, Oberarme, Unterarme, Handgelenke, weil ich seit Sonntag das Zimmer des großen Mädchens renoviere, inklusive Tapentenabkratzen von Rigipswänden. Immerhin stelle ich erfreut fest, dass ich wieder normal sehen kann - nachdem mir gestern entweder Tapete oder Einweichflüssigkeit ins Auge gekommen war, sah ich auf einem Auge nur verschwommen und mit hübschen Regenbogenkränzen um jeden Lichtpunkt. So kann ich aber nach einem Kaffee und zwei, drei Telefonaten direkt weiter arbeiten anstatt zum Augenarzt zu gehen, was ich gestern schon insgeheim eingeplant hatte. Der Vormittag vergeht mit Einweichen und Abkratzen der restlichen Tapete und dem Grundieren einer Wand. Mittendrin braucht meine Mutter, die unter uns wohnt, Hilfe beim Sortieren diverser Dinge. Mittags kommt die langjährige Hockeyfreundin vorbei und kratzt eineinhalb Stunden fleissig mit Tapete ab. Nach dem Kaffee Nummer zwei kann ich die bereits grundierte Wand streichen. Die Kinder kommen heim - die große mit dem Bus, die kleine wird von der Tante gebracht. Der Postbote klingelt und bringt uns ein Einschreiben. Solche gehen derzeit fleissig hin und her, weil wir den Nachlass des verstorbenen Vaters regeln. Ich beschließe, dass ich da  einfach nicht hineinsehen möchte und vertage das Öffnen auf morgen. Für heute ist im Kinderzimmer nichts mehr zu tun, ich gehe ganz heiß duschen während sich die Kinder um das Küchenchaos kümmern (und sie machen das sehr gut!). Beim Auskühlen nach der Dusche stelle ich am Rechner fest, dass der Schwager, der derzeit mit Freunden eine Atlantikquerung auf deren Katamaran macht, die vierstellige Seemeilen Zahl geknackt hat und "nur" noch 909 von über 2000 Seemeilen bis Barbados zu segeln sind. Yeah!
Anschließend quatsche ich noch ein halbes Stündchen mit der Mutter und der Tante und helfe der Mutter dabei, eine unsäglich vor sich hinblinkende Lichterkette wieder zum durchgehenden Leuchten zu bewegen (war nicht schwer, dennoch muss ich das jeden Tag tun), bevor die Hockeyfreundin, die zwischendurch ihren Sohn von der Schulke holte und mit ihm Hausaufgaben erledigte, wiederkommt und uns drei abholt.
Wir fahren mit einem Umweg über die Bank, an der das große Kind noch Geld abholen möchte, zum mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in die Innenstadt. Neben ein wenig bummeln gibt es Apfelpunsch für alle - mit und ohne Alkohol - Champignons, Rosmarin Drillinge, Schupfnudeln mit Sauerkraut und Speck, Würstchen und Crepes zur Stärkung. Am Ende sehen wir eine kleine Feuerdarbietung, die musikalisch  mit Trommeln und einer Art Klangschale, die mehere zarte Töne spielen kann, untermalt wird. 

Zurück zum Parkplatz kommen wir an dem Restaurant vorbei, in dem wir heute vor einem Jahr die Hochzeit meiner Eltern feierten. Wundersam, wieviel seither geschehen ist... Das große Kind berichtet, das sie bereits am Morgen genau daran dachte. Auf dem Heimweg müssen die Kinder ein Weilchen vor dem Supermarkt im Auto ausharren, da sowohl die Hockeyfreundin als auch ich gar keine Schokonikoläuse besorgt hatten...
Daheim angekommen, gehen alle Kinder ab ins Bad. Mit dem kleinen Kind übe ich noch 6  schriftliche Subtraktionsaufgaben, da morgen eine spontane Mathearbeit ansteht und das Subtrahieren neulich so gar nicht klappte. Heut ist aber alles tiptop. Danach gehen die jungen Damen ins Bett - derzeit wegen der Renovierung in einem Zimmer. Ich werde mich gleich zwischen Champions League und Badewanne entscheiden und vorher noch mit HerrnNebeL beraten, ob wir die Dachschräge noch verputzen werden, bevor sie neu gestrichen wird.

Weitere Tagebuchbloggerei wie immer hier.

Mittwoch, 15. November 2017

Unsichtbar

Die Zeiten, in denen selbst geschriebene Worte nicht  bekleiden können, was in mir ist, sind schwierige. Denn wenn selbst das nicht gelingt, sind die gesprochenen Worte noch weit mehr von meiner eigenen Lebenswirklichkeit entfernt und mir gelingt es nicht, mitzuteilen, was ist. So steht da die Fassade, die mich aufrecht gehend hält und mal mehr und mal weniger blank geputzt ist. Meine Diskrepanz zum Innen zeigt sie nicht. Und so sind die wortlos gewordenen und somit unaussprechbaren und nicht zu verschriftlichenden, im Untergrund schwelenden Dinge unsichtbar und unhörbar für die Welt.

Sonntag, 12. November 2017

Kapazitäten

Die letzten Monate, an manchen Stellen vielleicht das letzte Jahr, kann ich für mich vielleicht kurz so zusammenfassen: Ich habe eindeutig ein Kapazitätsproblem. 
Neben dem Wissen um den drohenden Tod des (Stief)vaters und der zunehmenden dementiellen Entwicklung der Mutter lief der normale Alltag weiter. Ich im Beruf, HerrNebeL noch mehr, Kinder, deren Bedürfnisse, deren Termine. Und das, was obendrauf kam, steigerte sich naturgemäß. Verschlechterung der Krankheit, beginnende Pflegebedürftigkeit, mehr und mehr erforderliche Hilfestellung. Er starb und mit ihm ging vieles, was er im Alltag der Eltern übernommen hatte. Das Bild, was ich vom Vergessen der Mutter hatte, vervollständigte sich in den letzten Monaten und neben der Übernahme all der zu erledigenden Dinge, geschehen hier nahezu täglich kleinere oder größere Katastrophen. Die Verantwortlichkeiten verschieben sich. Ich habe diese nicht mehr nur für meine Kernfamilie, sondern muss sie mehr und mehr übernehmen für meine Mutter. Nicht nur Verwaltungsaufgaben, administrativen Papierkram oder dergleichen, sondern an so vieler Stelle alltagspraktisches Mitdenken, Aufpassen, Kontrollieren, Suchen, Entscheidungen mittragen und auch sanft lenken. Täglich. Abgesehen von dem, was dann aktiv für mich einach zu tun ist, muss ich auch in mir damit zurechtkommen, dass die Frau, die jahrelang Verantwortung für mich trug nun die ist, die meiner Verantwortungsübernahme bedarf. Eine Verantwortungsübernahme, die mir ungleich schwerer fällt, als die beim Vater, wo es vor allem um  Hilfestellungen bei körperlichen Gebrechen  ging.
Daneben ein Erbstreit, schwelende Trauer, für die es nach wie vor wenig Raum gibt, emotionaler Stress am Arbeitsplatz, ein pubertierendes und ein präpubertierendes Kindelein, ein verkorkster, unerholsamer Jahresurlaub, die kurzfristig aufgetretene Notwendigkeit, uns "mal eben" und am besten gestern für ein neues Auto entscheiden und dies auch möglichst gestern erwerben zu müssen und all die nicht aufzählenswerten, sich aber summierenden Dinge, die eben so anfallen. Obendrauf eine in dem Fall für uns unglückliche Wohnungs- und Raumsituation, die wenig Rückzugsmöglichkeiten bietet - für uns als Einzelpersonen der Kernfamilie und insbesondere für mich als Tochter meiner unter uns lebenden Mutter.
Ich bin nicht verwundert, dass die Limits erreicht sind, inzwischen nicht mehr nur meines, sondern auch das von HerrnNebeL. 
Ich suche Zuflucht im Funktionieren und "einfach Machen", irgendwo zwischen Akzeptanz und Resignation, wohl wissend um die Gratwanderung. Nach wie vor ist an vieler Stelle klar, was wichtig wäre. Wenn das irgendwo Thema ist, höre ich wohlgemeinte Ratschläge dessen, was ich selber weiß. Aber selbst, wenn es Möglichkeiten gäbe, Dinge umzusetzen, so mangelt es an den dazu nötigen Kapazitäten: Kraft, Energie, Zeit. Denn das Leben kostet schon ohne das Beachten, ohne das Suchen oder gar Finden meiner Bedürfnisse so viel von diesen, dass da nirgends mehr Raum ist. Jede kleine Tätigkeit, um die nicht drumherum komme, zehrt an den Reserven und das Reservoir ist bereits aufgebraucht, bevor ich auch nur ansatzweise an mich denken kann. Ich stehe derzeit mitten im NebeLmeer auf einem Floß, weit entfernt von sichtbaren Küsten oder ruhigen Gewässern. Momentan stehe ich erstens immerhin wieder darauf und wieder sicher(er), aber ich weiß, dass ich schnell stürzen kann. Ich suche nach Wegen, nach der richtigen Richtung und pendele eben zwischen dieser resignierten aber aktiven Akzeptanz, weiter machen zu müssen und dem mich ausgelaugt treiben lassen.