Dienstag, 5. Dezember 2017

WMDEDGT - Dezember 2017

Frau Brüllen fragt, wie jeden fünften eines Monats:"Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag"? Geboren wurde diese Weiterführung  nach dem Aufruf zu einer Tagebuchblogwoche von ihr vor einigen Jahren. Damals war ich dabei und auch heute mache ich gerne wieder mit.

Ein normaler Arbeits- und Schultag für HerrnNebeL und die Kinder. Ich allerdings habe Urlaub. Ab halb sechs startet der gewohnte morgendliche Wahnsinn. Das goße Kind ist komplett selbständig, das kleinere muss ein wenig beim Aufstehen begleitet werden. Da sie - wie fast jede Nacht - zu uns gekommen ist, wird also ziemlich herumgekuschelt, bis sie es raus aus den Federn schafft. Als alle das Haus um kurz nach sieben verlassen haben, lese ich ein wenig und schlafe nochmal ein. Ein Stündchen später stehe ich - ziemlich langsam - auf, da mir eigentlich alles weh tut. Rücken, Nacken, Oberarme, Unterarme, Handgelenke, weil ich seit Sonntag das Zimmer des großen Mädchens renoviere, inklusive Tapentenabkratzen von Rigipswänden. Immerhin stelle ich erfreut fest, dass ich wieder normal sehen kann - nachdem mir gestern entweder Tapete oder Einweichflüssigkeit ins Auge gekommen war, sah ich auf einem Auge nur verschwommen und mit hübschen Regenbogenkränzen um jeden Lichtpunkt. So kann ich aber nach einem Kaffee und zwei, drei Telefonaten direkt weiter arbeiten anstatt zum Augenarzt zu gehen, was ich gestern schon insgeheim eingeplant hatte. Der Vormittag vergeht mit Einweichen und Abkratzen der restlichen Tapete und dem Grundieren einer Wand. Mittendrin braucht meine Mutter, die unter uns wohnt, Hilfe beim Sortieren diverser Dinge. Mittags kommt die langjährige Hockeyfreundin vorbei und kratzt eineinhalb Stunden fleissig mit Tapete ab. Nach dem Kaffee Nummer zwei kann ich die bereits grundierte Wand streichen. Die Kinder kommen heim - die große mit dem Bus, die kleine wird von der Tante gebracht. Der Postbote klingelt und bringt uns ein Einschreiben. Solche gehen derzeit fleissig hin und her, weil wir den Nachlass des verstorbenen Vaters regeln. Ich beschließe, dass ich da  einfach nicht hineinsehen möchte und vertage das Öffnen auf morgen. Für heute ist im Kinderzimmer nichts mehr zu tun, ich gehe ganz heiß duschen während sich die Kinder um das Küchenchaos kümmern (und sie machen das sehr gut!). Beim Auskühlen nach der Dusche stelle ich am Rechner fest, dass der Schwager, der derzeit mit Freunden eine Atlantikquerung auf deren Katamaran macht, die vierstellige Seemeilen Zahl geknackt hat und "nur" noch 909 von über 2000 Seemeilen bis Barbados zu segeln sind. Yeah!
Anschließend quatsche ich noch ein halbes Stündchen mit der Mutter und der Tante und helfe der Mutter dabei, eine unsäglich vor sich hinblinkende Lichterkette wieder zum durchgehenden Leuchten zu bewegen (war nicht schwer, dennoch muss ich das jeden Tag tun), bevor die Hockeyfreundin, die zwischendurch ihren Sohn von der Schulke holte und mit ihm Hausaufgaben erledigte, wiederkommt und uns drei abholt.
Wir fahren mit einem Umweg über die Bank, an der das große Kind noch Geld abholen möchte, zum mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in die Innenstadt. Neben ein wenig bummeln gibt es Apfelpunsch für alle - mit und ohne Alkohol - Champignons, Rosmarin Drillinge, Schupfnudeln mit Sauerkraut und Speck, Würstchen und Crepes zur Stärkung. Am Ende sehen wir eine kleine Feuerdarbietung, die musikalisch  mit Trommeln und einer Art Klangschale, die mehere zarte Töne spielen kann, untermalt wird. 

Zurück zum Parkplatz kommen wir an dem Restaurant vorbei, in dem wir heute vor einem Jahr die Hochzeit meiner Eltern feierten. Wundersam, wieviel seither geschehen ist... Das große Kind berichtet, das sie bereits am Morgen genau daran dachte. Auf dem Heimweg müssen die Kinder ein Weilchen vor dem Supermarkt im Auto ausharren, da sowohl die Hockeyfreundin als auch ich gar keine Schokonikoläuse besorgt hatten...
Daheim angekommen, gehen alle Kinder ab ins Bad. Mit dem kleinen Kind übe ich noch 6  schriftliche Subtraktionsaufgaben, da morgen eine spontane Mathearbeit ansteht und das Subtrahieren neulich so gar nicht klappte. Heut ist aber alles tiptop. Danach gehen die jungen Damen ins Bett - derzeit wegen der Renovierung in einem Zimmer. Ich werde mich gleich zwischen Champions League und Badewanne entscheiden und vorher noch mit HerrnNebeL beraten, ob wir die Dachschräge noch verputzen werden, bevor sie neu gestrichen wird.

Weitere Tagebuchbloggerei wie immer hier.

Mittwoch, 15. November 2017

Unsichtbar

Die Zeiten, in denen selbst geschriebene Worte nicht  bekleiden können, was in mir ist, sind schwierige. Denn wenn selbst das nicht gelingt, sind die gesprochenen Worte noch weit mehr von meiner eigenen Lebenswirklichkeit entfernt und mir gelingt es nicht, mitzuteilen, was ist. So steht da die Fassade, die mich aufrecht gehend hält und mal mehr und mal weniger blank geputzt ist. Meine Diskrepanz zum Innen zeigt sie nicht. Und so sind die wortlos gewordenen und somit unaussprechbaren und nicht zu verschriftlichenden, im Untergrund schwelenden Dinge unsichtbar und unhörbar für die Welt.

Sonntag, 12. November 2017

Kapazitäten

Die letzten Monate, an manchen Stellen vielleicht das letzte Jahr, kann ich für mich vielleicht kurz so zusammenfassen: Ich habe eindeutig ein Kapazitätsproblem. 
Neben dem Wissen um den drohenden Tod des (Stief)vaters und der zunehmenden dementiellen Entwicklung der Mutter lief der normale Alltag weiter. Ich im Beruf, HerrNebeL noch mehr, Kinder, deren Bedürfnisse, deren Termine. Und das, was obendrauf kam, steigerte sich naturgemäß. Verschlechterung der Krankheit, beginnende Pflegebedürftigkeit, mehr und mehr erforderliche Hilfestellung. Er starb und mit ihm ging vieles, was er im Alltag der Eltern übernommen hatte. Das Bild, was ich vom Vergessen der Mutter hatte, vervollständigte sich in den letzten Monaten und neben der Übernahme all der zu erledigenden Dinge, geschehen hier nahezu täglich kleinere oder größere Katastrophen. Die Verantwortlichkeiten verschieben sich. Ich habe diese nicht mehr nur für meine Kernfamilie, sondern muss sie mehr und mehr übernehmen für meine Mutter. Nicht nur Verwaltungsaufgaben, administrativen Papierkram oder dergleichen, sondern an so vieler Stelle alltagspraktisches Mitdenken, Aufpassen, Kontrollieren, Suchen, Entscheidungen mittragen und auch sanft lenken. Täglich. Abgesehen von dem, was dann aktiv für mich einach zu tun ist, muss ich auch in mir damit zurechtkommen, dass die Frau, die jahrelang Verantwortung für mich trug nun die ist, die meiner Verantwortungsübernahme bedarf. Eine Verantwortungsübernahme, die mir ungleich schwerer fällt, als die beim Vater, wo es vor allem um  Hilfestellungen bei körperlichen Gebrechen  ging.
Daneben ein Erbstreit, schwelende Trauer, für die es nach wie vor wenig Raum gibt, emotionaler Stress am Arbeitsplatz, ein pubertierendes und ein präpubertierendes Kindelein, ein verkorkster, unerholsamer Jahresurlaub, die kurzfristig aufgetretene Notwendigkeit, uns "mal eben" und am besten gestern für ein neues Auto entscheiden und dies auch möglichst gestern erwerben zu müssen und all die nicht aufzählenswerten, sich aber summierenden Dinge, die eben so anfallen. Obendrauf eine in dem Fall für uns unglückliche Wohnungs- und Raumsituation, die wenig Rückzugsmöglichkeiten bietet - für uns als Einzelpersonen der Kernfamilie und insbesondere für mich als Tochter meiner unter uns lebenden Mutter.
Ich bin nicht verwundert, dass die Limits erreicht sind, inzwischen nicht mehr nur meines, sondern auch das von HerrnNebeL. 
Ich suche Zuflucht im Funktionieren und "einfach Machen", irgendwo zwischen Akzeptanz und Resignation, wohl wissend um die Gratwanderung. Nach wie vor ist an vieler Stelle klar, was wichtig wäre. Wenn das irgendwo Thema ist, höre ich wohlgemeinte Ratschläge dessen, was ich selber weiß. Aber selbst, wenn es Möglichkeiten gäbe, Dinge umzusetzen, so mangelt es an den dazu nötigen Kapazitäten: Kraft, Energie, Zeit. Denn das Leben kostet schon ohne das Beachten, ohne das Suchen oder gar Finden meiner Bedürfnisse so viel von diesen, dass da nirgends mehr Raum ist. Jede kleine Tätigkeit, um die nicht drumherum komme, zehrt an den Reserven und das Reservoir ist bereits aufgebraucht, bevor ich auch nur ansatzweise an mich denken kann. Ich stehe derzeit mitten im NebeLmeer auf einem Floß, weit entfernt von sichtbaren Küsten oder ruhigen Gewässern. Momentan stehe ich erstens immerhin wieder darauf und wieder sicher(er), aber ich weiß, dass ich schnell stürzen kann. Ich suche nach Wegen, nach der richtigen Richtung und pendele eben zwischen dieser resignierten aber aktiven Akzeptanz, weiter machen zu müssen und dem mich ausgelaugt treiben lassen.

Sonntag, 5. November 2017

WMDEDGT - November 2017

Es ist wieder der 5. und Frau Brüllen fragt: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?". Weitere Tagebuchblogeinträge von heute sind hier zu finden.

Irgendwann am frühen Morgen wache ich nach nicht all zu vielen Stunden Schlaf auf und bemerke das kleine Mädchen zwischen HerrnNebeL und mir. Wir kuscheln uns aneinander und ich döse noch ein Weilchen weiter. Ich bemerke, dass sie wach wird gegen acht und muss kurz danach die Frage nach Elektronikspielzeug beantworten... Auch wenn ich schon lange nicht mehr wirklich schlafe, wissen die Kinder genau, dass ich am Morgen zu fast allem Ja sage in der Hoffnung, doch noch eine Mütze Schlaf zu bekommen... Morgende sind definitiv nicht meine Tageszeit. Das mag sicherlich sehr stark daran liegen, dass die Abende immer sehr lang sind... Zudem  ist der Kopf heute stark beschäftigt und kreist über einen blöden Streit mit der Chefin, der vermutlich recht große Auswirkungen haben wird.
Irgendwann dreh ich die Morgenrunde im www und lese anschließend ein paar Seiten auf dem Kindle Paperwhite. Wir sind bisher keine guten Freunde, weil die Umblätterfunktion ohne Tasten an beiden Seiten deutlich unkomfortabler ist als bei meinem alten Kindle. Kaum hab ich das Gerät in der falschen Hand, kann ich nur noch zurückblättern - es sei denn ich nehme die NAse oder die andere Hand zu Hilfe. Auf jeden Fall ist es sehr umständlich. 
Irgendwann gibts den ersten Kaffee, das kleine Kind geht baden, das große liest das ungefähr 7. dicke Buch der Ferien im Bett und wir Großen sprechen kurz den Tag ab. Gegen Mittag gibt es - nach der Sendung mit der Maus - Frühstück - etwa vier Stunden nach dem Aufstehen. Wir sind am Wochenende damit immer etwas langsam, wenn keine Termine anstehen. Wer Hunger hat, isst halt zuvor zwei, drei Kekse oder ein kleines Müsli. Am meisten genoß jedenfalls das kleine Kind Kekse und Limo in der Wanne. (Rabeneltern, solch ungesunde Lebensweise zuzulassen ;-)).
Nach dem Frühstück fährt HerrNebeL den besten Freund im Krankenhaus besuchen, der nach einer beidseitige Lungenembolie mit großem Glück wohlauf ist. Ich kümmere mich um das Verfassen weiterer Anschreiben an die Kinder meines Stiefvaters, mit denen wir in einer Erbauseinandersetzung liegen.  Anschließend beginnen das große Kind und ich aufzuräumen, das kleine hilft sporadisch und putzt dann irgendwann Teile des Badezimmers. Ich staubsauge gründlich, die Kinder pendeln zwischen Oma, Fernseher, Buch und Zeit am Tablet. Derzeitger Favorit ist Minecraft - spielen. Meine Mutter kommt zwischenzeitlich nach oben zu uns, wir durchforsten die Webseite ihres Lieblingshotels nach Angeboten und erledigen den Rest für die zu verschickenden Erbstreitsbriefe. Gegen Spätnachmittag kommt HerrNebeL heim. Wir schauen gemeinsam mit dem großen Kind wiederum eine Webseite eines Hotels an - sie fliegt im nächsten Sommer mit der Freundinfamilie nach Kos. Gestern wurde die Reise gebucht und nun erhielten wir Daten des Hotels. So wie das aussieht, wird es sicher großartig und das Kind wird, wie auch in diesem Jahr, rund 5 1/2 Wochen insgesamt fort von daheim Urlaub verbringen. Drei Wochen ind wir gemeinsam unterwegs und sie eben noch 2 1/2 Wochen mit der Freundinfamilie. Ich gönne ihr diesen Luxus sehr.
Ich schneide zwei Kissenbezüge für die Nackenrollen der Kinder zu, während wir diskutieren, was wir zum Ferienabschluß unternehmen - eigentlich gehen wir immer bei der Stammeisdiele ein Eis essen. Heute aber entscheiden wir uns für das Bestellen von Pizza, auch weil eines der Kinder noch immer im Schlafanzug ist ;-). Ich nähe die Kissen, anschließend kommt die Pizza. Zum Tagesabschluss spielen wir noch gemeinsam eine Runde Rummicub, unser Familienspiel schlechthin.
Ich bringe heute das große Kind ins Bett und merke einmal mehr, wie toll große Kinder sind. Wir kommen - auch aneinandergekuschelt, diesmal aber eben im Bett vom großen Kindelein, auf den Streit, den ich mit der Chefin habe und ich erzähle ein klein wenig darüber. Nachfolgend besprechen wir ausgehend von diesem konkreten Fall Themen wie Enttäuschungen, Umgang miteinander, Kritikfähigkeit, Selbstreflektion, persönliche Grenzen, Selbstfürsorge. Wow. 
Nach zwei Wochen Ferien wird es erwartungsgemäß fast zehn, bis ich bei ihr raus gehe. In den Ferien entwickelt sich die komplette Familie nämlich zu Eulen, und wir gehen erst tief in der Nacht schlafen. Jetzt muss sich erst mal wieder der Alltagsrhythmus einpendeln.
Bei der abendlichen Twitter Runde fällt mir dank Erinnerung ein, dass heute der 5. ist und ich tippe bei einem Glas Rotwein und Cellomusik. Bevor ich in den nächsten Stunden schlafen gehe, wird sicher noch eine Weile das Gedankenkarussell kreisen. Kann ich nicht gut gebrauchen, aber in voller Fahrt stehende Karusselle halten leider selten einfach so an.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Schlagworte

Perspektivlos.
Hoffnungslos.
Aussichtlos.

Auch wenn der Verstand es besser weiß. 
Das Innen spürt das leider nicht.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Schwere

Diese Schwere, die mich verzweifeln lässt. Jeder einzelne kleine Schritt kostet unendlich viel Kraft. Das Gefühl, nicht mehr weiter zu können. Das Gefühl, nichts mehr schaffen zu können. Das Gefühl, komplett überfordert zu sein mit kleinsten Anforderungen. 
Ich stehe trotzdem auf, ich mache trotzdem weiter, weil mein Kopf weiß, dass es geht. Es geht mir bescheiden dabei und mehr als einmal frage ich mich, wo die Kraft, die ich doch gar nicht zu haben glaube, eigentlich her kommt. 
Es ist schrecklich, morgens aufzuwachen und zu merken, da ist weniger Substanz als es noch am Abend gab; schrecklich zu wissen, dass da ein langer Tag vor mir liegt, den ich wieder irgendwie überstehen muss. Es ist schrecklich, unterm Strich wenig Verbesserung zu spüren. Es ist schrecklich, trotz des Wissens der Veränderung weiterhin gegen einen Sog anschwimmen zu müssen, wofür fühlbar keine Kraft mehr übrig zu sein scheint. Eigentlich weiß ich nicht, wie es weitergehen soll, ich weiß nicht, wie lange die Kraft, der ich mir schon jetzt nicht sicher bin, noch reichen kann. Ich bin hilf- und perspektivlos und habe keinerlei Ideen, wie ich das ändern können soll.

Montag, 9. Oktober 2017

Status

Die letzten Wochen waren geprägt von Aushalten, Ertragen und vor allem irgendwie Überleben. Es gab gar keinen Raum, irgendwo hin zu spüren, weil es nur noch schwer war, das Leben. Schwer, schlimm und an mancherlei Stelle kaum erträglich. Ich habe ausgehalten bis jetzt, bis sich in das bloße Überleben kleine Momente von Durchatmen und noch kleinere Momente von Erholung mischen. Ich habe bisher immer ausgehalten. Viele Male. Und vermutlich kann ich sagen, dass das durchaus gut und wichtig ist in Zeiten, in denen ich verzweifelt und hoffnungslos bin. Zeiten, in denen ich sicher bin, dass der Nebel, die Dunkelheit und die Schwere sich niemals lichten werden. Zeiten wie jetzt. Irgendwann haben sie sich bisher immer gelichtet. Der Verstand hält mich fest, weil er genau das weiß.
Es ist vieles in Bewegung und es ist immer noch schwer, an vielen Stellen. Manchmal scheint es ein wenig weniger schwer als noch 2,3 Wochen zuvor. Dazu "leichter" zu sagen wäre aber nicht treffend. Dennoch verliere ich weiterhin die Stunden und Tage. Wann war gestern und vor allen Dingen was war eigentlich gestern? Oder den Tag davor? Als löschten sich Momente, Erinnerungen von selbst, viele davon. (Eigentlich muss ich mich gar nicht wundern, dass die beiden Freundinnen, mit denen ich viel Zeit in den letzten 25 Jahren verbrachte, mir immer und immer wieder verschiedenste Dinge erzählen, an die ich mich erinnern sollte - und es in so vielen Fällen nicht kann. Ich bestreite oft, dabei gewesen zu sein - wobei Fotos das Gegenteil zeigen. Ich erinnere wenig.)
Die Messlatte liegt weit unten und ich zwinge mich immer wieder, wahrzunehmen, was es darüber geschafft hat. Das Lesen eines Artikels, vielleicht gar ein halbes Kapitel in einem Buch. Kochen. Duschen. Essen ohne mich anschließend übergeben zu müssen, weil meinem Körper scheinbar nicht nach Essen ist. Freunde, liebe Menschen treffen für eine Weile. 
In manchen Momenten ist Ruhe eingekehrt, da ist weniger rastloses Tun und Denken -  aber es pendelt hin und her und irgendetwas kann sich dann nicht für Rasten oder Rastlosigkeit entscheiden und vereint es im bewegungslosen Daliegen und gleichzeitiger Gedankenkarusselfahrerei. Oder da sind plötzlich Tage, an denen ich kaum aufhören kann zu weinen, obwohl ich noch niemals jemand war, der gut weinen konnte. Weiterhin bin ich zumeist entrückt, finde mich schwer nur zurecht in der Welt. Lautstärke aushalten ist schwierig und kostet viel Kraft. Ebenso kostet es Kraft, im Kontakt zu sein, was aber andererseits so wichtig ist, um diesem Leben nicht komplett zu entrücken.
Ich vermag tatsächlich gar nicht zu sagen, ob es besser ist als vorher. In jedem Fall ist es anders und es ist in Bewegung - und anders ist erstmal nicht verkehrt. Die Intensität ist weiterhin hoch und das Leben verlangt mir derzeit viel ab, ohne dass ich viel tue. Ich überlebe weiterhin, ich halte weiterhin aus und versuche mich fest zu halten an schönen Momenten. Das allerdings ist eine Aufgabe, die trotz der Tatsache, dass ich wenig "tue", eine fast unerklärbar schwere ist.