Sonntag, 5. November 2017

WMDEDGT - November 2017

Es ist wieder der 5. und Frau Brüllen fragt: "Was Machst Du Eigentlich Den Ganzen Tag?". Weitere Tagebuchblogeinträge von heute sind hier zu finden.

Irgendwann am frühen Morgen wache ich nach nicht all zu vielen Stunden Schlaf auf und bemerke das kleine Mädchen zwischen HerrnNebeL und mir. Wir kuscheln uns aneinander und ich döse noch ein Weilchen weiter. Ich bemerke, dass sie wach wird gegen acht und muss kurz danach die Frage nach Elektronikspielzeug beantworten... Auch wenn ich schon lange nicht mehr wirklich schlafe, wissen die Kinder genau, dass ich am Morgen zu fast allem Ja sage in der Hoffnung, doch noch eine Mütze Schlaf zu bekommen... Morgende sind definitiv nicht meine Tageszeit. Das mag sicherlich sehr stark daran liegen, dass die Abende immer sehr lang sind... Zudem  ist der Kopf heute stark beschäftigt und kreist über einen blöden Streit mit der Chefin, der vermutlich recht große Auswirkungen haben wird.
Irgendwann dreh ich die Morgenrunde im www und lese anschließend ein paar Seiten auf dem Kindle Paperwhite. Wir sind bisher keine guten Freunde, weil die Umblätterfunktion ohne Tasten an beiden Seiten deutlich unkomfortabler ist als bei meinem alten Kindle. Kaum hab ich das Gerät in der falschen Hand, kann ich nur noch zurückblättern - es sei denn ich nehme die NAse oder die andere Hand zu Hilfe. Auf jeden Fall ist es sehr umständlich. 
Irgendwann gibts den ersten Kaffee, das kleine Kind geht baden, das große liest das ungefähr 7. dicke Buch der Ferien im Bett und wir Großen sprechen kurz den Tag ab. Gegen Mittag gibt es - nach der Sendung mit der Maus - Frühstück - etwa vier Stunden nach dem Aufstehen. Wir sind am Wochenende damit immer etwas langsam, wenn keine Termine anstehen. Wer Hunger hat, isst halt zuvor zwei, drei Kekse oder ein kleines Müsli. Am meisten genoß jedenfalls das kleine Kind Kekse und Limo in der Wanne. (Rabeneltern, solch ungesunde Lebensweise zuzulassen ;-)).
Nach dem Frühstück fährt HerrNebeL den besten Freund im Krankenhaus besuchen, der nach einer beidseitige Lungenembolie mit großem Glück wohlauf ist. Ich kümmere mich um das Verfassen weiterer Anschreiben an die Kinder meines Stiefvaters, mit denen wir in einer Erbauseinandersetzung liegen.  Anschließend beginnen das große Kind und ich aufzuräumen, das kleine hilft sporadisch und putzt dann irgendwann Teile des Badezimmers. Ich staubsauge gründlich, die Kinder pendeln zwischen Oma, Fernseher, Buch und Zeit am Tablet. Derzeitger Favorit ist Minecraft - spielen. Meine Mutter kommt zwischenzeitlich nach oben zu uns, wir durchforsten die Webseite ihres Lieblingshotels nach Angeboten und erledigen den Rest für die zu verschickenden Erbstreitsbriefe. Gegen Spätnachmittag kommt HerrNebeL heim. Wir schauen gemeinsam mit dem großen Kind wiederum eine Webseite eines Hotels an - sie fliegt im nächsten Sommer mit der Freundinfamilie nach Kos. Gestern wurde die Reise gebucht und nun erhielten wir Daten des Hotels. So wie das aussieht, wird es sicher großartig und das Kind wird, wie auch in diesem Jahr, rund 5 1/2 Wochen insgesamt fort von daheim Urlaub verbringen. Drei Wochen ind wir gemeinsam unterwegs und sie eben noch 2 1/2 Wochen mit der Freundinfamilie. Ich gönne ihr diesen Luxus sehr.
Ich schneide zwei Kissenbezüge für die Nackenrollen der Kinder zu, während wir diskutieren, was wir zum Ferienabschluß unternehmen - eigentlich gehen wir immer bei der Stammeisdiele ein Eis essen. Heute aber entscheiden wir uns für das Bestellen von Pizza, auch weil eines der Kinder noch immer im Schlafanzug ist ;-). Ich nähe die Kissen, anschließend kommt die Pizza. Zum Tagesabschluss spielen wir noch gemeinsam eine Runde Rummicub, unser Familienspiel schlechthin.
Ich bringe heute das große Kind ins Bett und merke einmal mehr, wie toll große Kinder sind. Wir kommen - auch aneinandergekuschelt, diesmal aber eben im Bett vom großen Kindelein, auf den Streit, den ich mit der Chefin habe und ich erzähle ein klein wenig darüber. Nachfolgend besprechen wir ausgehend von diesem konkreten Fall Themen wie Enttäuschungen, Umgang miteinander, Kritikfähigkeit, Selbstreflektion, persönliche Grenzen, Selbstfürsorge. Wow. 
Nach zwei Wochen Ferien wird es erwartungsgemäß fast zehn, bis ich bei ihr raus gehe. In den Ferien entwickelt sich die komplette Familie nämlich zu Eulen, und wir gehen erst tief in der Nacht schlafen. Jetzt muss sich erst mal wieder der Alltagsrhythmus einpendeln.
Bei der abendlichen Twitter Runde fällt mir dank Erinnerung ein, dass heute der 5. ist und ich tippe bei einem Glas Rotwein und Cellomusik. Bevor ich in den nächsten Stunden schlafen gehe, wird sicher noch eine Weile das Gedankenkarussell kreisen. Kann ich nicht gut gebrauchen, aber in voller Fahrt stehende Karusselle halten leider selten einfach so an.

Donnerstag, 12. Oktober 2017

Schlagworte

Perspektivlos.
Hoffnungslos.
Aussichtlos.

Auch wenn der Verstand es besser weiß. 
Das Innen spürt das leider nicht.

Dienstag, 10. Oktober 2017

Schwere

Diese Schwere, die mich verzweifeln lässt. Jeder einzelne kleine Schritt kostet unendlich viel Kraft. Das Gefühl, nicht mehr weiter zu können. Das Gefühl, nichts mehr schaffen zu können. Das Gefühl, komplett überfordert zu sein mit kleinsten Anforderungen. 
Ich stehe trotzdem auf, ich mache trotzdem weiter, weil mein Kopf weiß, dass es geht. Es geht mir bescheiden dabei und mehr als einmal frage ich mich, wo die Kraft, die ich doch gar nicht zu haben glaube, eigentlich her kommt. 
Es ist schrecklich, morgens aufzuwachen und zu merken, da ist weniger Substanz als es noch am Abend gab; schrecklich zu wissen, dass da ein langer Tag vor mir liegt, den ich wieder irgendwie überstehen muss. Es ist schrecklich, unterm Strich wenig Verbesserung zu spüren. Es ist schrecklich, trotz des Wissens der Veränderung weiterhin gegen einen Sog anschwimmen zu müssen, wofür fühlbar keine Kraft mehr übrig zu sein scheint. Eigentlich weiß ich nicht, wie es weitergehen soll, ich weiß nicht, wie lange die Kraft, der ich mir schon jetzt nicht sicher bin, noch reichen kann. Ich bin hilf- und perspektivlos und habe keinerlei Ideen, wie ich das ändern können soll.

Montag, 9. Oktober 2017

Status

Die letzten Wochen waren geprägt von Aushalten, Ertragen und vor allem irgendwie Überleben. Es gab gar keinen Raum, irgendwo hin zu spüren, weil es nur noch schwer war, das Leben. Schwer, schlimm und an mancherlei Stelle kaum erträglich. Ich habe ausgehalten bis jetzt, bis sich in das bloße Überleben kleine Momente von Durchatmen und noch kleinere Momente von Erholung mischen. Ich habe bisher immer ausgehalten. Viele Male. Und vermutlich kann ich sagen, dass das durchaus gut und wichtig ist in Zeiten, in denen ich verzweifelt und hoffnungslos bin. Zeiten, in denen ich sicher bin, dass der Nebel, die Dunkelheit und die Schwere sich niemals lichten werden. Zeiten wie jetzt. Irgendwann haben sie sich bisher immer gelichtet. Der Verstand hält mich fest, weil er genau das weiß.
Es ist vieles in Bewegung und es ist immer noch schwer, an vielen Stellen. Manchmal scheint es ein wenig weniger schwer als noch 2,3 Wochen zuvor. Dazu "leichter" zu sagen wäre aber nicht treffend. Dennoch verliere ich weiterhin die Stunden und Tage. Wann war gestern und vor allen Dingen was war eigentlich gestern? Oder den Tag davor? Als löschten sich Momente, Erinnerungen von selbst, viele davon. (Eigentlich muss ich mich gar nicht wundern, dass die beiden Freundinnen, mit denen ich viel Zeit in den letzten 25 Jahren verbrachte, mir immer und immer wieder verschiedenste Dinge erzählen, an die ich mich erinnern sollte - und es in so vielen Fällen nicht kann. Ich bestreite oft, dabei gewesen zu sein - wobei Fotos das Gegenteil zeigen. Ich erinnere wenig.)
Die Messlatte liegt weit unten und ich zwinge mich immer wieder, wahrzunehmen, was es darüber geschafft hat. Das Lesen eines Artikels, vielleicht gar ein halbes Kapitel in einem Buch. Kochen. Duschen. Essen ohne mich anschließend übergeben zu müssen, weil meinem Körper scheinbar nicht nach Essen ist. Freunde, liebe Menschen treffen für eine Weile. 
In manchen Momenten ist Ruhe eingekehrt, da ist weniger rastloses Tun und Denken -  aber es pendelt hin und her und irgendetwas kann sich dann nicht für Rasten oder Rastlosigkeit entscheiden und vereint es im bewegungslosen Daliegen und gleichzeitiger Gedankenkarusselfahrerei. Oder da sind plötzlich Tage, an denen ich kaum aufhören kann zu weinen, obwohl ich noch niemals jemand war, der gut weinen konnte. Weiterhin bin ich zumeist entrückt, finde mich schwer nur zurecht in der Welt. Lautstärke aushalten ist schwierig und kostet viel Kraft. Ebenso kostet es Kraft, im Kontakt zu sein, was aber andererseits so wichtig ist, um diesem Leben nicht komplett zu entrücken.
Ich vermag tatsächlich gar nicht zu sagen, ob es besser ist als vorher. In jedem Fall ist es anders und es ist in Bewegung - und anders ist erstmal nicht verkehrt. Die Intensität ist weiterhin hoch und das Leben verlangt mir derzeit viel ab, ohne dass ich viel tue. Ich überlebe weiterhin, ich halte weiterhin aus und versuche mich fest zu halten an schönen Momenten. Das allerdings ist eine Aufgabe, die trotz der Tatsache, dass ich wenig "tue", eine fast unerklärbar schwere ist.

Sonntag, 24. September 2017

Aushalten



Aushalten
halten bis es aus ist,
halten bis es aufhört,
halten bis es
nichts mehr zu halten gibt.
Wie kann etwas aufhören zu sein,
wenn es gehalten wird?
Wie kann also Aushalten
ein Ende haben?
Wie soll ich das Aushalten
aushalten können,
wenn kein Ende
des Aushaltenmüssens
in Aussicht ist?
                                                                  ©Frau NebeL 2001

Dienstag, 12. September 2017

Willkommen

Willkommen sein. Ein gutes, schönes tragendes Gefühl. Ich fühle mich an vielen Stellen willkommen. Mein Lächeln, meine Geduld, meine Art. Manchmal auch mein Humor. Meine Empathie. Meine Fähigkeit zuzuhören. Mein Wille, mich einzusetzen für irgendetwas,das ich als wichtig erachte, zumeist meine Mitmenschen. Ich bin willkommen als Zuhörer. Bin willkommen als jemand, der an vielen Stellen vieles meistert. Bin willkommen als jemand, der "da" ist für Andere. Auf jeden Fall trägt das.
Aber so manches Mal fühle ich mich nicht willkommen. Ich fühle mich nirgends mehr willkommen, wenn das Licht erlischt. Wenn es dunkel wird in mir. Wenn meine Gedanken und Gefühle befremdlich sind. Wenn ich nicht mehr einfach zu sein scheine, sondern scheinbar plötzlich kompliziert. Wenn mein Erleben sich nicht mehr deckt mit dem der anderen, Wenn meine Welt zu laut ist und zu hell. Wenn ich zurückschrecke vor unerwarteten Berührungen, wenn ich erschrecke bei unerwarteten Bewegungen und Geräuschen. Wenn da Dinge sind, von denen ich weiss, dass sie nicht sind. Es ist nicht nur mein Rückzug, mein Rückzug, der im krank sein begründet liegt und nur durch viel Kraft überhaupt an der ein oder anderen Stelle überwunden werden kann. Es ist auch der Rückzug der Anderen. Weil ich wunderlich bin, Weil manch einer nicht weiss, was er tun soll. Weil manch einer sich distanziert von diesem anstrengenden Sein, das in mir wohnt. Ich fühle mich zuviel.  
Und es ist wieder und wieder dasselbe: da ist kein Raum für das Anders sein. Da ist kein Raum für Fehl-erleben. Da ist kein Raum für Wunderlichkeiten. Da ist kein Raum für Dunkelheit, da ist kein Raum für befremdliche Gedanken. Ich fühle mich raumlos und menschenfern. Nicht angenommen mit allem, nur das Einfache und Gute hat Platz. Vielleicht mag das unfair klingen, da ich ja weiss, dass manch einer sich bemüht, manch einer an dieser oder jener Stelle auch etwas sagt.  Manch einer anbietet: hey, ich bin da. Zumeist aber ist die Entfernung - selbst oder gerade wenn es zu Momenten kommt, in denen ich zeigen kann, was ist - groß und vergrößert sich eher noch. 
Ich bin haltlos in einem Leben, das ein dunkles ist und mir mehr abverlangt als ich auf Dauer zu tragen vermag. 
Ausgesucht habe ich mir das nicht. Ein wenig bin ich vielleicht so geboren, vor allem aber hat mein Leben mich zu dem gemacht, was heute ist.  Ich kann mich nicht entscheiden, mit oder ohne Erkrankung zu leben. Ich habe mich nicht entschieden, zu erkranken. Manchmal kann ich entscheiden, wieviel Raum ich ihr gebe. Oft aber bin ich entscheidungs- und machtlos. Und kann nur sehen, wie ich klarkomme. Wie ich überlebe.